RECKLESS MANSLAUGHTER, SILENT REVENANTS, THE VOIDS EMBRACE, MENERRA

Wuppertal, Eventground, 10.01.2026


Das erste Konzert des Jahres für uns findet in Wuppertal statt. Parallel wird heute so einiges nicht Unrelevante veranstaltet, wie beispielsweise Tankard in Lünen, doch wir haben uns ins Underground/Eventground aufgemacht, das übrigens im November seine Pforten für immer schließen soll. Während wir bei langsamem Einlass noch draußen noch in der Kälte Schlangestehen, hat drinnen deutlich hörbar der Opener schon begonnen. Die Neujahrsshow wird grad von Menerra eröffnet, die zu Death Metal Lyrics von historischen Begebenheiten aus dem Land um ihre Heimat bringen. Shouter Sven hält sein Vintage Mikro auf dem Kopf, brüllt in verschiedenen Tonlagen und legt dabei so einige Meter zurück. Höflich bedankt er sich ausgiebig nach jedem Song. Bei dem Fünfer werden mittlere Tempi bevorzugt. Melodien sind mit drin, auch nachvollziehbare Soli, schön mit der Flying V auf dem Knie gezockt. Wie der Name des Bandmaskottchens, einer Figur am Bühnenrand, titelt der nächste Track „Baxmann“, einer der coolsten Stücke auf ihrem neuen Album „Tales“. Ebenso das mit unverzerrtem Part versehene „Sturmtag“ und das von der Möhnetalsperre handelnde „Wall Of Death“. Selbige wird so früh am Abend aber noch recht zaghaft umgesetzt, dafür verursacht die Walze von „Death And Destruction“ ordentlich Gebange, doch der erbetene Circlepit fällt mager aus. Dabei ist der Raum schon gut zur Hälfte gefüllt. Insgesamt aber eine musikalisch coole Dreiviertelstunde, die prophezeit, dass von dieser Band noch mehr kommen wird!


In eine ähnliche Kerbe schlagen The Voids Embrace. Die haben wir grad noch mit dem heutigen Headliner in ihrer Heimat Gelsenkirchen live gesehen, zum Jubiläum von ihren gemeinsamen Freunden von Depredation. Ihr Shouter im Ringershirt bringt inbrünstige Tiefstgrowls und bekommt alle Posen von Angriffshaltungen durch. Die Ansagen erfolgen vom Gitarristen ganz links, wo zuvor noch der Bax stand, im Nebel kaum sichtbar. Der Laden ist bereits gut undurchsichtig, doch aus den Düsen am Bühnenrand zischt immer noch mehr Dampf. Allerdings ist der Sound doch für die Ohren, und die kriegen noch zwei neue Songs geboten, nämlich „Smeagol“ und „Legends“. Danach folgt „Until The Night Will Fade“ und „The Day You Fall“. Nach dem Konzertende läuft der Synthie-Einspieler noch weiter bis zum obligatorischen Band-vor-Publikum Foto. Nach diesen einundvierzig Minuten intensivem Death Metals wird es höchste Zeit, ein Getränk abzugreifen.


Jetzt wirds spannend. Ob die nächste Band gut ins Billing passt, wird von vielen im Vorfeld bezweifelt. Denn Silent Revenants sind etwas moderner unterwegs, wurden im Billing mit einem Slot inmitten Death Metal Bands platziert und spielen fröhlich symphonischen Metal mit Streicherin, Keyboarderin und einer cleanen Sängerin mit Bagpipes. Bei manchen Stilistiken sind Gitarristinnen aus irgendeinem Grund selten. Wird eigentlich die Wahrscheinlichkeit wirklich größer für einen weiblich besetzten Posten an der Gitarre, je mehr Frauen in der Band sind? Vielleicht, aber jetzt grad nicht. Der Sechser startet ruhiger und beschaulich, und es wird melodisch und klar gesungen, auch gehüpft. Sängerin Denise fragt mit zarter, aber bestimmter Stimme, habt ihr Bock auf Happy Metal? Dennoch passt das neongelbe Kabel an der Viola optisch jetzt nicht so, denn nach Regenbögen und Glitzereinhörnern sieht die Darbietung nicht aus. Sie bringen die neuen Songs „Shadowdance“ und „Gloria“. In der Fortsetzung dürfen wir „Let The Dragons Fly Forever“ lauschen, wovon es auch einen Clip gibt. Ihr Sound wird als schön klar wahrgenommen, wirkt aber mit nur einer Gitarre recht dünn. Da tun die Zusatzgrowls vom Basser wenig dran. Der gemischte Sechser verabschiedet sich mit „Foolish Heroes“ und „Midsummernights“ nach einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Das dünner gewordene Publikum applaudiert anständig, aber auf die Melodie von „The Lion Sleeps Tonight“ mal „The Mermaid Sleeps Tonight“ zu singen, kann für Death Metaller recht anstrengend werden.


Endlich Zeit für den Headliner, endlich Zeit für Reckless Manslaughter. Jetzt wird es gemütlich, bei unbedingtem Death Metal der alten Schule. Es wird wieder voller vor der Bühne, und die Befürchtung, dass zum Schluss weniger Leute anwesend sein werden, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Die Band agiert komplett in Death Metal Shirts, und es kann schon Kollektivgebange beobachtet werden. Shouter Leimy bindet zwischen Begrüßung und Ansage das leider bevorstehende Ende dieser Location mit ein, wahrscheinlich heute ein letztes Mal hier im Underground, im Tal der fliegenden Busse, zu spielen. Songs wie „Retreat Into Nothingness“ und „Vaporized Crucifix“ ergeben intensiven Jubel, nicht zu laut, aber inbrünstig. Hier geht es ernsthaft zur Sache und ganz offensichtlich haben alle Spaß, vor und auf der Bühne. Das Gebange on Stage wirkt ansteckend, bis auf einmal schon ganz schön laute Rufe nach Zugabe durch den Laden schallen. Das bringt den Anwesenden noch „Nuclear Postman“ von Manstructor auf die Lauscher, welches sie neulich in Gelsenkirchen schon erfolgreich gebracht haben, bis nach fast einer Stunde der Sack zu ist. Für viele Gäste war dieser Fünfer die Band des Abends. Jetzt fehlt nur noch eine Auflage des ersten Vinyls „Storm Of Vengeance“ zum absoluten Glücklichsein.

Autor & Pics: Joxe Schaefer