Testimony Records Metal Festival

Essen, Turock, 31.01.2026


Möglicherweise werden wir in näherer Zukunft Zeuge von einigen Labelfestivals mehr, zumal das ebenfalls hier stattfindende von Dying Victims Productions ja ein klarer Erfolg geworden ist. Nicht anders scheint es hier und heute auch zu werden, denn bereits zu Beginn des Openers ist es schon gut gefüllt im Turock. Die Zwei-Mann Einheit von Rats Of Gormorrah geht sehr pünktlich an den Start. Vor dem Backdrop mit dem Schädel sind zwei Mikros aufgebaut, Gitarrist und Shouter Daniel verwendet meistens das rechte vom Publikum aus gesehen. Unsachliche Ansagen steuert Drummer Moritz in einem sachlichen Ton bei, zum Beispiel, warum sie jetzt einen Track von Asphyx covern. Nämlich für den Fall, dass wir später bei dem Song beim Auftritt von den Holländern zu betrunken sind. Schon jetzt gibt der Mann an der Nebelmaschine sehr gut Gas, was im Verlauf des Abends noch deutlich höhere Ausmaße annimmt. Für fast vierzig Minuten macht das Duo Alarm für vier und wird entsprechend von den Anwesenden aufgesogen. Besonders viele Hey-Rufe werden von vorn rechts vernommen, wo offensichtlich schon die Party startet. (Joxe Schaefer)


Als Nächstes gibt es Oldschool Geballer auf die Ohren! New World Depression aus Norddeutschland, zumindest nördlicher als der Pott, sind am Start. Es gibt eine gute Mischung aus den drei neuesten Alben auf die Ohren, naturgemäß mit einem Schwerpunkt auf dem aktuellen Werk. Das macht dem Fünfer und der Meute vor der Bühne ordentlich Spaß. Asphyx, etwas Jungle Rot und immer wieder Bolt Thrower lassen mächtig grüßen. Am Ende bleiben noch sieben Minuten Spielzeit übrig, doch das dringend gebrauchte, da leider stets aktuelle „Expect No Mercy“ aus dem aktuellen Album „Abysmal Void“ kommt leider nicht zum Zug. Egal, New World Depression zeigen, wo es heute Abend noch langgehen wird und egal, ob man sich „Interment Of Sins“ oder „Descent“ am Merchtisch holt, man kommt nicht nur günstig, nein, sondern auch qualitativ (ja, das Frühwerk ist nicht ganz so stark) gut bei weg. (Martin Hil).


Die nächste Band ist auf Zack. Nightbearer kommt sofort mächtig in die Puschen, als hätte man einen wilden Wolf gerade von der Kette gelassen. Eine Achtseitige hat der Fünfer aus Paderborn mit auf den Brettern und mischt ordentlich auf, auch die Bassdrum bollert gut durch. Ihr Shouter reibt die Menge auf. Mit Erfolg, denn wir können beobachten, wie die ersten Reihen immer mehr in Bewegung kommen. Die Deather stehen teilweise zu sechst auf der Bühne. Wenn man genauer schaut, ist der linkste bloß ein Kameramann, der weiter vom Bühnenrand hautnahe Aufnahmen erhaschen will. Derweil werden in „Dragon“ getragene Leads abgefeiert, dann schießt uns das grelle „Necromancer“ vom ersten Album die Lichter weg. „Danke, wir sehen uns wieder!“ schallt es von der Bühne, und das wars nach zweiundvierzig Minuten leider schon. Echt eine sehr gute Liveband … merken und wieder hingehen. (Joxe Schaefer)


Kommen wir nun zu den Bielefeldern. Beherbergt ihr aktuelles Album „Landkrieg“ Songs in verschiedenen Sprachen, neben Deutsch und Englisch taucht auch was Dänisches auf, wendet sich unsere Diskussion mehr in Richtung Backdrop. Zur Belustigung einiger Besucher wurde das Banner von Scalpture auf dem Kopf aufgehangen, was aber wegen bereits erwähnter, starker Vernebelungsaktionen nicht soo viele bemerken. Die Band kann nix dafür, schmeißt uns die grobe Kelle entgegen und kloppt derbe was weg. Deutlicher wird es für die Ohren, als der Fünfer loslegt. Die Menge geht gleich mit, Köpfe nicken und Haare fliegen. Dafür werden wir begrüßt mit den Worten: „Ey ihr Ficker, wie geht’s euch?“ Dafür, dass sie gestern in Kassel gespielt haben, wo es heftig gewesen sein soll, stellen wir bei der Band keine Schwächeanfälle fest. So übrigens auch mit dem Billing, denn wir werden heute nach Feierabend keine schlechte Band gesehen haben! (Joxe Schaefer)


Ebenso gilt das auch für die nächste Band, die wir mit Spannung erwarten. Und das hat einen Grund, denn nur durch einen Zufallsfund auf dem Vinylgrabbeltisch sind wir auf die Niederländer aufmerksam geworden, die inzwischen bei Album Nummer sechs „Devoid Of Light“ angelangt sind. Jetzt spielen Antropomorphia hier, und wir dürfen das zum Glück miterleben. Es entsteht eine Masse aus buntem Nebel und groovigem Death, die besonders vorn voll aufgesogen wird, wo sehr viele Köpfe mitnicken. Bei Panikleads sogar noch mehr. Ihr Material kommt straight gedroschen, die Ansagen bleiben auch unclean. Trotz vereinzelter Rufe nach Zugabe mussten schon die Segel gestrichen werden. Ganz klare Kiste, dass wir ihr neues Vinyl am Merch einsacken! Bei der nächsten Band wird der Überraschungsmoment kleiner sein, denn die sind uns ziemlich bekannt.  (Joxe Schaefer).


Bei einer Band wie Slaughterday wissen wir genau, was wir bekommen. Weil wir die Todesbleimannen aus Leer schon einige Male live gesehen haben, unter anderem mit ihren Kumpels von Atomwinter, und sie noch nie enttäuscht haben, ist das heute auch wieder so, haben wir schon vorzeitig beschlossen. Und tatsächlich, sie bekommen bereits mit den ersten Tönen den Stall auf ihre Seite, da scheint der Slot des Co-Headliners doch angemessen. Und um es gleich vorweg zu nehmen, im Laufe des Gigs wird es keine Qualitätseinbrüche geben. Ganz im Gegenteil, das gut gefüllte Turock scheint mit den Friesen, bei denen auch der umtriebige Blondbasser Ulf zockt, sehr zufrieden zu sein. Mit „Cult Of The Dreaming Dead“ wollen die Niedersachsen schon zum Schluss kommen. Als noch das ganz neue „Enthroned“ und das ganz alte „Cosmic Horror“ gespielt werden, erinnern sie an ihr neues Album „Dread Emperor“, das bereits in den Startlöchern steht und bald seine Abnehmer finden sollte. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass sie tatsächlich eine satt lange neunundfünfzigminütige Show gezockt haben. So verfliegt die Zeit und es wird für den heutigen Headliner angerichtet, wobei Drummer Husky selbst mit anfasst. (Joxe Schaefer)


Mittlerweile ist es echt spät geworden, und die bis jetzt sechsfache Dosis Death Metal hat durchaus Kraft gekostet … aber egal! Mit einer knappen halben Stunde Verspätung entern die Veteranen Asphyx die Bühne. Es gibt wohl kaum einen anderen Frontman, der den Death Metal mehr verkörpert als Martin van Drunen. Der Holländer nutzt den für die Band ersten Gig des Jahres 2026 zunächst, um allen Anwesenden ein frohes neues Jahr zu wünschen. Dann geht´s nach dem Intro des Debütalbums und „Vermin“, dem Opener desselben, direkt in die Vollen. Es dauert nicht lange, bis der erste Pit entsteht, und auch Crowdsurfer lassen nicht lange auf sich warten. Kleine Abstriche gibt es beim Sound, bei dem ich die sägenden Gitarren zu weit im Hintergrund wahrnehme. Vielleicht liegt es auch am übermotivierten Einsatz der Nebelmaschine, die zeitweise bis ins Café gereicht hat. Ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt betrachtet, beweisen Asphyx wieder mal, dass sie live eigentlich immer eine Bank sind. Songtechnisch gibt es einen Querschnitt durch ihr gesamtes Schaffen. Den Höhepunkt bildet wie üblich das Götterwerk „The Rack“, welches Martin mit den Worten „wenn ihr das Nächste nicht kennt, kennt ihr uns nicht!“ einleitet. Wie immer eine Offenbarung für alle Liebhaber des Oldschool Death Metal! Nach einer weiteren Zugabe endet ein langer Death Metal Marathon und hinterlässt ebenso glückliche wie kaputte Fans. Husky (der übrigens durch sein sehr cooles, aber eher unerwartetes Bad Religion Shirt auffällt) verteilt noch großzügig Drumsticks, und dann macht sich die Meute auf den Heimweg. Ein rundum gelungener Abend! (Felix Schallenkamp)

Autoren: Martin Hil, Felix Schallenkamp, Joxe Schaefer
Pics: Joxe Schaefer