Gelsen Metal Attack – Gelsenkirchen, Kaue, 07.03.2026

Gelsen Metal Attack – Gelsenkirchen, Kaue, 07.03.2026


Die Kaue in Gelsenkirchen hat sich schon als coole Location erwiesen, als hier eine AC/DC Ausstellung stattfand. Schade eigentlich, dass sie als Location für Heavy Metal Konzerte nicht so häufig genutzt wird, denn die Bühne steht an der langen Seite und es gibt gegenüber einen Balkon. Pünktlich um 18:00 Uhr dreht die erste Band auf. Es ist schon gut voll geworden, als Corporal Shred ihren Thrash der Marke alter Metallica in die künstlich vernebelte Menge werfen. Wir sehen die sympathischen Recken endlich mal mit komplettem Line-up, denn beim vergangenen Auftritt im Subrosa zu Dortmund traten sie krankheitsbedingt nur zu dritt mit einer Gitarre an, und da waren sie schon sehr geil. Deswegen sollten sie eigentlich für nächste Woche in Essen vor Victim gebucht werden. Weil Songs wie das Titelstück vom ersten Album „Dressed In Blood“ mit animierten Faistraiseaktionen und bis in die letzten Reihen gehenden Hey-Rufen einfach knalleprall kommen, ist auf den Vierer Verlass. Ebenso bei „Lies“ vom aktuellen Album „Thrashtosterone“. Ein schön kantiger Auftaktalarm für vierzig Minuten, das hätte gerne länger gehen können. Corporal Shred haben geliefert!


In jüngerer Vergangenheit haben wir den nächsten Fünfer zweimal live gesehen, einmal vor den begnadeten Depredation auch hier in dieser Stadt, die übrigens grad an einer Platte werkeln, und einmal vor Reckless Manslaughter in Wuppertal. Auch diesmal bringt der Death Metal Sound von The Voids Embrace die Anwesenden gut in Fahrt und verursacht zunächst mal kollektives Kopfnicken im Saal. Die Frontleute agieren munter mit Positionswechseln und benutzen alle die Podeste. Ihr Groove macht sich breit, denn der kommt fett in der Kaue, wie man das Abfeiern bei „Empty Lights“ vom noch einzigen Album „Dawn Of A Stillborn Sun“ deuten kann. Doch schon nach siebenunddreißig Minuten ist Schluss und wir erwarten mit Spannung die nächste Band.


Unter den Anwesenden in der Halle hat sich längst herumgesprochen, dass der heutige Headliner nicht auftreten wird. Deswegen kommen Lacky und Lee von Darkness auf die Bühne, um es den Fans selbst zu sagen. Zum plötzlichen Ableben von ihrem Bassisten Ben fehlen auch uns die Worte, wünschen allen alles Gute und widmen uns jetzt Old Ruins, bevor noch größere Traurigkeit durchzieht. Doch dann erleben wir erstmal eine ungewollte Unterbrechung gleich zu Beginn, als auf der Bühne der Strom ausfällt. Ihr neuer Song „Once There Was Light“ könnte jetzt auch „Once There Was Strom“ heißen. Auf einmal stimmt der Laden in der Pause nicht zu positive Fußballgesänge gegen die Fans einer anderen Mannschaft an. Doch der große Verein dieser Stadt wird darin nicht glorifiziert. Komisch. Aber zurück zur Musik. Gleich fünf neue Songs sollen gespielt werden, beginnend mit eben jenem „Once There Was Light“, das auch gleich Ben gewidmet wird. Ganz praktisch ihr kleines Gemäuer mittig der Stage, denn da kann man gut gehörnte Schädel und Trinkbecher drauf abstellen. Der Titeltrack des bald erscheinenden Albums „Mount Arreat“ marschiert zunächst unverzerrt los und baut Spannung auf, die Platte bald in den Händen halten zu wollen. Bevor man nach zweiundvierzig Minuten Spielzeit die Bühne verlässt, soll noch der Abschließer „Nihlathak“ mit cool blackmetallischen  Leads für bleibende Eindrücke sorgen.


Wie es zu derart so vielen unglücklichen Umständen gekommen sein konnte, dass wir es bislang noch nicht ein einziges Mal geschafft haben, Smorrah live zu sehen, grenzt an ein Wunder. Denn zu wenig hat sich dieser hier heimische Vierer an den öffentlichen Ruhrpottsteckdosen nicht angeschlossen. Doch heute ist es endlich so weit, wir dürfen nun tatsächlich dabei sein. Die Songs ihres Albums „Welcome To Your Nightmare“ füllen schön schnell, thrashig und corelastig den Raum und die Energie überträgt sich. Ein neuer Song fegt auch noch durch unsere Gehörgänge, da darf wohl für die nähere Zukunft mit einer neuen Scheibe gerechnet werden. Übrigens wird neuerdings der Posten des Bassers von ex-Kreator Speesy übernommen. Bandgrößentechnisch hat er downgesized, aber schön ihn hier erleben zu können. Shouter Marius rennt munter umher und animiert die Menge gestenreich zu seinen uncleanen Shouts. Für eine Ansage trägt er seine kleine Tochter auf dem Arm, die Smorrah-Rufe anstimmen darf. Darauf folgt dann auf der Bühne noch ein Heiratsantrag zweier Gäste. Sehr cool an dieser Location die Ausweichmöglichkeit, eine Etage höher gehen und von oben das Geschehen beobachten zu können, wenn es einem unten zu eng wird. Und was heute noch auffällt, ist die Tatsache, dass die Bands irgendwie nicht, wie sonst üblich, den letzten, sondern die letzten beiden Songs ansagen, so auch Smorrah.


Sehr schön, dass die Veranstalter das Konzert durchgezogen haben, denn alles abzublasen wäre ebenfalls eine Option gewesen. Für die nicht an den Start gegangenen Darkness, die den Headlinerslot inne hatten, entern nun Teutonic Slaughter die Bühne. Auch gleich als Headliner. Wenn man als Band immer aktuell auf Draht bleibt, kann man spontan schnell mal einspringen, dafür Hut ab! Nun sieht es aber so aus, als ob der Slot für sie etwas zu weit hinten zu sein scheint, gemessen daran, dass es ganz schön leer geworden ist. Leider wird es nach Beginn um zwanzig nach zehn noch leerer, aber Shouter Philip und seine Truppe ballerthrashen unbeirrt ihr Ding durch. Der Vierer macht on Stage gut was los, die Backings werden gebellt und es bildet sich ein kleiner Pit aus vier Leuten. Zu Songs wie „Eternal Darkness“ moshen die ersten Reihen aber gut was weg. Die Crowd der Band hat definitiv Spaß, ihre Helden abzufeiern, dass neues wie altes in Form von „Witches Rock ‚n‘ Roll“ und „United In Hate“ gleichermaßen lebendig wird. Nach dem Wurf eines noch nicht geleerten Bierbechers wird erstmal die Kameralinse blind, aber das nur am Rande. Trüb ist nur der Blick, der Sound ist klarer. Zum Schluss bedanken wir uns bei den Veranstaltern und allen Beteiligten für einen absolut kurzweiligen Samstagabend und wünschen Darkness und allen Angehörigen alles Gute in dieser schweren Zeit.

Autor & Pics: Joxe Schaefer