URIAH HEEP

Bochum, Zeltfestival, 24.08.2026


Diesmal ist es ein Zeltfestival. Mal was ganz anderes als die Locations, wo wir die alten Haudegen zuletzt live gesehen haben, wie zum Beispiel auf der Bühne des ältesten Kinos in Deutschland, oder zuletzt im Ruhrkongress, der sich ebenfalls hier in Bochum befindet. Heute gibt es hier Bestuhlung mit scheinbar unendlichen Sitzreihen, und zwei große Screens wurden links und rechts weit auseinander positioniert, dass noch eine große Bühne dazwischen passt. Heute ist Montag und es gibt keine Vorband, das kann sowohl Vor- und Nachteile haben. Aber im Vorfeld munkelt man, der leider etwas rare Track „Sunrise“ befände sich auf der Setlist. Das wäre doch schon mal riesig und macht heiß auf die Band. Vor einem garantiert unübersehbar großen Backdrop legen die Briten pünktlich mit „Grazed By Heaven“ los, gefolgt von „Save Me Tonight“ vom aktuellen Album „Chaos & Colour“. Das wars dann erstmal mit neueren Stücken; es folgt „Shadows Of Grief“ aus dem Jahr 1971. Sänger Bernie Shaw fragt uns Besucher, warum wir sitzen und fordert uns auf, doch bitte die Sitze zu verlassen und vor die Bühne zu kommen, wir wollten doch Spaß haben. Die Stühle wären bloß für die nächste Veranstaltung, die hier stattfindet. Achso, ja gut. Gesagt, getan und die Fans folgen und stürmen vor die Bühne. Nur ein paar wirklich ältere Personen, und davon sind heute einige zugegen, bleiben lieber sitzen.

Dicke Saiten starten „Stealin“ aus dem Jahr 1973. Tieftöner Davey, bereits seit 13 Jahren in der Band, bedient heute wieder ein Megavieh von Linksbass. Bernie bringt seine Deutschkenntnisse mit ein und ermutigt nun auch die Letzten zum Aufstehen und stellt eine neue Platte in Aussicht. Man könne das noch, schließlich habe das aktuelle „Hurricane“ Drummer Russel geschrieben. Nicht nur für uns eins der cooleren Stücke des Albums. Bernie singt nicht zu laut, tätigt auch seine Ansagen eher leise, trifft aber alle Töne. Auch wichtig im gemächlicheren „The Wizzard“ und im melodischen „Sweet Lorraine“, wofür die ‚noch Älteren‘ nun auch aufstehen. Nun berichtet Bernie aus der Zeit Anfang der Siebziger, wo man im Radio noch Stücke von über einer Viertelstunde Länge hören konnte, womit „Magicians Birthday“ und ein Gitarrensolo vom letzten verbliebenen Urmitglied, Mick Box, unter Rauchsäulen folgt. Leider wird der alte Kracher „Gypsy“ gekürzt, der in das nächste Monument von Kracher „July Morning“ übergeht. Obwohl zunächst sehr offensichtlich scherzhaft „Smoke On The Water“ angesagt wird, sei das nächste Stück aber eins, das nur zwei Chords habe, und Mick Box würde beide kennen. Damit gemeint ist „Lady In Black“, übrigens auch aus 1973 wie das angesprochene von Deep Purple. Und die oben angeführte Prophezeiung wird nun mit der ersten Zugabe wahr, als „Sunrise“ erklingt. Jetzt macht nur noch das großartige „Easy Living“ die exakten neunzig Minuten voll, und das wars dann schon wieder mit dem britischen Flaggschiff. Aber ganz sicher bloß für heute, denn wir rechnen wieder mit ihnen. Beim Verlassen des Zelts ist noch ein Besuch am Merchandise Pflicht, wo es die Shirts für 35 Euronen abzugreifen gibt, wenn auch leider ohne Backprint.

Autor & Pics: Joxe Schaefer