AVALON, HELLISH CROSSFIRE, WITCHING HOUR, MIDNIGHT PREY
Bochum, Die Trompete, 21.02.2026
Bei diesem Billing sind wir ganz klar am Start. Direkt vom Lagerverkauf bei Dying Victims nach Bochum gedüst, genügte die Zeit noch für eine zünftige Dönninghaus, liegt ja quasi auf dem Weg zu Die Trompete, unserer Konzertlocation des heutigen Abends. Um kurz nach 18:00 Uhr wird mit dem warmen Oldschoolgerocke von Midnight Prey begonnen. Die Hamburger haben wir schon einige Male live gesehen, zuletzt vor zwei Jahren auf dem Dying Victims Attack im Turock, als letzte Band des ersten Festivaltages. Heute sind sie etwas früher dran, aber sie legen vor und der Laden taut langsam auf. Dafür, dass der Dreier aus Hamburg kommt, spielen sie hier öfters mal in der Gegend. Der Einschlag der Seventies ist noch immer mit drin. Die Fans feiern das ab, besonders zum Schluss entsteht reichlich Gebange in der ersten Reihen. Im Fazit für diese coole Dreiviertelstunde darf aber noch erwähnt werden, dass es nicht schlimm wäre, wenn das Trio nächstes Mal ein neues Album mitbrächte. (Joxe Schaefer)
Das gilt übrigens auch für die nächste Band, denn deren letztes Album „… And Silent Grief Shadows The Passing Moon“ ist schon acht Jahre und geht in die Schule. Im Anschluss an einen nicht zu knappen Soundcheck erklingt das pompöse Intro zu Witching Hour. Der Raum füllt sich noch, während auf der Bühne schon Gas gegeben wird. Als „Black Countess“ von ihrem zweiten Album ertönt, entsteht folgerichtig Gebange, Fistraisings und Geschiebe. Die Band hat spürbar richtig Bock und macht mächtig Laune, auch „Under Evil Spells“ wird ebenso aufgesogen. Diese fünfzig Minuten müssen als gnadenlos cooler Auftritt gewertet werden, denn
weder kamen die Mannen zuletzt in Oberhausen, noch auf dem Der Detze Rockt Festival so geil rüber wie heute. (Joxe Schaefer)
Zeit für Hellish Crossfire. Der Vierer aus Nämberch hat Bock und das Publikum ebenso. Also geht’s ab Sekunde eins auf der Bühne und auch davor richtig zur Sache. Bei fettem Sound hauen Iron Tyrant, Iron Incubus, D. Roy & Catacombs einen Black Thrash Knaller nach dem anderen raus und sind voll in ihrem Element. Alle vier Maniacs haben Sodom Shirts an und bilden nicht nur optisch eine absolute Einheit. Zwischenzeitlich wird wie gewohnt die mit Ketten behangene Sense geschwungen und durchs Publikum gereicht. Der letzte Song „Night Of The Possessed“ ist Sick gewidmet, dem auch zwischendurch immer mal wieder mit „Siggi“ Chören seitens des Publikums gehuldigt wird. So schnell wie das Höllenfeuer entfacht wurde, ist es auch schon wieder vorbei. Die Band klatscht mit der ersten Reihe ab und alle sind sehr zufrieden. (Matze Fittkau)
Die Altenessener Speed Band Avalon hat sich spätestens mit der Veröffentlichung des Tapes „Tower Of Babel“ einen Namen im Underground gemacht. Nun präsentieren sie uns auf ihrer eigenen Releaseparty ihr neues Werk: „Astral Claw“. Nach einem kurzen Einspieler, in dem der Drummer Cowlfuse mit viel Pathos ein Langschwert in die Höhe reckt, geht es mit „Eternal Darkness“ auch schon gleich mit einem neuen Track los. Dieser kommt noch etwas verhaltener rüber und bringt noch nicht ganz die Stimmung. Das ändert sich aber sofort, als die Band die ersten Noten des nächsten Songs „Holy Grail“ anspielt. Wie in einem Gesamtkunstwerk, eingerahmt von seinen fast unnahbar wirkenden Bandkollegen, zieht der Bassist und Sänger Dean alle Blicke auf sich. Dieser kreischt und schimpft inbrünstig den Opener der „Tower Of Babel“ in einer unkontrollierten und authentischen Art und Weise, die ankommt und die, die sich mittlerweile zusammengefunde Schar an High Tops, Röhrenjeans und Old-School-Kutten tragende Schar an Fans vor der Bühne, zum Ausflippen bringt. Die Musik ist schnell, rumpelig und kantig. Das passt hervorragend zu der Energie, die Dean 1:1 an das Publikum überträgt. Mit „Mata Hari“ geht es dann auch gleich mit einem „Klassiker“ weiter. Erste ‚Avalon‘-Rufe schallen aus den vorderen Reihen, während sich in den hinteren Reihen einige der distinguierteren Rocker wohl noch Gedanken über das machen, was da vorne auf der Bühne abgeht und was sie darüber denken sollen. Weiter geht es im Programm mit dem Titelstück der neuen EP „Astral Claw“, gefolgt von „Fear The Emperor“. Jetzt geht es vor der Bühne richtig ab. Es gibt sogar erste Versuche von Crowdsurfing, die aufgrund der niedrigen Raumhöhe zu einem Belastungstest für die aufgehängte Beleuchtung führen. Es folgen die restlichen zwei verbliebenen der Songs aus der „Tower Of Babel“ und anschließend die der „Astral Claw“. Hierbei fällt auf, dass die neuen Stücke nicht ganz so ziehen, was unter Umständen auf die gemäßigteren Vocals von Dean zurückzuführen ist. Nach guten 45 Minuten ist die Show vorbei.
Mein Fazit: Avalon ist ein Phänomen. Die Band trifft mit ihrer Musik ins Herz der Ausflipper, Bühnenstürmer und Front-Row-Banger, mit dem Deanosaurio Del Rock als deren unangefochtenen König. Das Ganze funktioniert, weil es eine perfekte Symbiose zwischen den anderen Bandmitgliedern und Dean gibt. Wie eine gut geölte Maschine bildet die Band, aus Cowlfuse and den Drums, Henry Stemme an der Rhythmus-Gitarre und Jacob Salamon, als Vertretung für Pakko an der Solo-Gitarre, das solide und stabile Fundament für Dean am Bass und dem Gesang. Erst dadurch hat er alle Freiheiten, seine Energie an das Publikum zu übertragen. So und nur so passt das. Mäßigung im Gesang ist deshalb hier fehl am Platz, denn dann geht, meiner Meinung nach, sowohl Energie als auch Authentizität verloren. Alles in Allem war es eine geile, mir im Gedächtnis bleibende Show, die mich abgeholt hat und die selbstverständlich nach Wiederholung schreit! (Jürgen Sauer)
Autoren: Matze Fittkau, Jürgen Sauer, Joxe Schaefer
Pics: Joxe Schaefer

