BACKYARD BABIES, THE BONES, AUDREY HORNE

Düsseldorf, ZAKK, 09.03.2019


Für mich war das Album “Blackout” von Audrey Horne eine meiner Entdeckungen des Jahres 2018 und auch für den Kollegen Sternagel-Petersen zählte es zu den besten Alben des Jahres. Große Erwartungshaltung also bei mir vor dem Konzert in Düsseldorf, wo ich die Band aus Norwegen zum ersten Mal live sehe. Und ich werde nicht enttäuscht. Die Band betritt pünktlich die Bühne und legt mit “This Is War” los wie die Feuerwehr. Der Live-Auftritt zündet vom ersten Augenblick an, genauso wie das Album auf Konserve. Was für eine Spielfreude, was für geile Gitarren-Riffs! Anja, die wegen der Backyard Babies gekommen war und die ich vor dem Konzert vor dem ZAKK kennengelernt habe, stürzt sich, als ich nach dem dritten Song wie üblich den Fotografengraben verlassen muss, auf mich: “Wie geil ist das denn?”. Die Band haut derweil einen Kracher nach dem anderen heraus und bei “Waiting For The Night” springt Sänger Toschie kurzerhand über die Absperrung, um den eingängigen Refrain gemeinsam mit dem Publikum zum Besten zu geben. Kommt richtig gut an, das Publikum ist begeistert. Am Ende des Auftritts tauchen auch die beiden Gitarristen nochmal in die Menge und Arve Isdal hängt einer strahlenden Besucherin einfach mal sein Instrument um den Hals. Dieser Auftritt hat einfach Spaß gemacht. Eine tolle Show, ein musikalischer Wirbelwind, der, das wurde sehr deutlich, für eine ganze Reihe neuer Audrey Horne-Fans gesorgt haben dürfte.


The Bones sind eine der Bands, die ich schon immer mal live sehen wollte und aus welchem Grund auch immer, hatte das bisher nie geklappt. Ihre Art, den Rock ‘n’ Roll unter die Leute zu bringen, hat mir auf Platte immer schon sehr gut gefallen. Und wenn man sich in Düsseldorf die T-Shirts und Jacken im Publikum angesehen hat, bin ich bei weitem nicht der einzige, der hauptsächlich auch wegen der Mannen um Sänger und Gitarrist Beef Bonanza ins ZAKK kommt. Spätestens beim dritten Song “Do You Wanna…” haben The Bones das Publikum fest im Griff. Und es werden keine Gefangenen gemacht. Mit “Not Another Love Song” und “Screwed, Blued And Tattoed” folgen weitere, sehr eingängige Songs, die rein musikalisch auch in längst vergangenen Dekaden geschrieben worden sein könnten, aber mit der typischen, rotzigen Punk-Attitüde vorgetragen werden, die The Bones auszeichnet. Punk ‘n’ Roll nennen manche Zeitgenossen das. Für mich ist es Rock ‘n’ Roll. So, wie ich ihn hören will. Dreckig, schweißtreibend, ins Bein gehend und immer mitten in die Fresse! Ich bin unsterblicher Motörhead-Fan, ich liebe es, wenn Bands Rock ‘n’ Roll spielen können und mir musikalisch so richtig in den Arsch treten. Und The Bones können es, das haben sie in Düsseldorf nicht nur mir bewiesen.


Wenn sich eine Band als Headliner Audrey Horne als Opener und dann auch noch zusätzlich The Bones mit auf Tour nimmt, dann muss sie in meinen Augen entweder bekloppt oder total naiv sein. Oder vor Selbstbewusstsein strotzen. Letzteres scheint mir im Fall der Backyard Babies der Fall zu sein und auch wenn die Jungs um den markanten Gitarristen Dregen in Düsseldorf natürlich erwarten können, dass das Publikum hauptsächlich aus eigenen Fans bestehen wird, legen die beiden genannten Vorbands ein Brett vor, das manch anderer Band eventuell zu dick gewesen und auf den Magen geschlagen wäre. Nicht so die Backyard Babies. Nach dem Opener “Good Morning Midnight” haben sie bereits beim zweiten Titel “Look At You” die Massen des mehr als gut gefüllten ZAKK vor der Absperrung derart im Griff, dass es für die anwesenden Fotografen wie mir schon zwischenzeitlich äußerst eng im Graben wird, weil die Security alle Hände voll zu tun hat, die Crowdsurfer aus dem Publikum zu ziehen. Die Musik der Backyard Babies ist musikalisch nicht so sehr an die alten Heroen angelehnt wie die der Bones, aber dass die beiden Bands nicht nur geografisch, sondern auch musikalisch aus der gleichen Ecke kommen, daran besteht kein Zweifel. Auch die Babies spielen Rock ‘n’ Roll mit Punk-Anleihen, der sich gewaschen hat! Das haben sie drauf und dafür sind die Fans gekommen. Alter Schwede, dieses Konzert ist ein Fest für jeden, der auf nicht weichgespülten, räudigen Rock ‘n’ Roll steht und dennoch nicht auf ein gewisses Maß an Melodie verzichten möchte. Und so geht mit “People Like Us…” ein Abend zu Ende, der mit Sicherheit nicht nur bei mir in guter Erinnerung bleiben wird.

Autor & Pics: Wolfgang Haupt