CORONER, MESSIAH, WARRANT, CATBREATH

Coesfeld, Fabrik, 27.12.2025


Draußen liegen die Temperaturen bei kurz über null, hier drinnen verspricht das grandiose Billing des „Evil Obsession“ heißere Temperaturen. Blöderweise haben wir keine Ohrstöpsel dabei, bloß weil wir heute mit einem anderen Auto angereist sind, wo keine im Handschuhfach liegen. In der Halle haben sie auch grad keine mehr vorrätig, doch zum Glück treffen wir jemand, der netterweise aushelfen kann. Das haben wir schnell noch vor den im Moment ziemlich angesagten Catbreath erledigt, als das Quartett aus Kiel sein Intro selbst spielt. Sehr angenehm, im Gegensatz zu vielen anderen, die vorm Loslegen lieber irgendwas vom Band abspielen lassen. Von der Thrash- und Crossoverbande wird uns straight auf die Fresse gegeben und man bemerkt sehr schnell, dass der Vierer sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Shouter Philipp hüpft und albert quer über die breite Bühne, die ihm auch noch Raum genug bietet, lustig im Kreis zu laufen. Der Menge gefällt das und wir hören nach „Head Of The Snake“ sehr viele Hey-Rufe. Nach achtundzwanzig Minuten ist aber Schicht. Zeit, noch ein Quadrat frischer Pizza im Bistro abzugreifen, auf das wir uns schon vorher gefreut haben.


Bereits Tage vor diesem Event haben wir diskutiert, ob die einspringenden Warrant  für die ausgefallenen Dust Bolt nun ein guter Ersatz sind. Nun ja, sollte man auf beide Bands sehr oder nicht so stehen, schon. Auf jeden Fall profitieren die jungerneuerten um Bassist und Shouter Jörg ebenfalls von der schön breiten Bühne der Location, die es für die Fans auch sehr angenehm macht, nah an der Stage stehen, und von überall aus das Geschehen sehen zu können. Der Vierer feuert schon den „Betrayer“ von der „Enforcer“ Scheibe ab, als wir grad mit der Mafiatorte fertig sind. Doch vor der Bühne wird es noch immer nicht voll. So kann aber der „Enforcer“, der auf die Bühne kommende Henker mit der Axt, bei “Torture In The Tower“ das Gratisshirt gezielt jemandem im Publikum zuwerfen. Unter der Maske erkennen wir diesmal unseren Kumpel, der sonst immer am Merch steht. Nachdem er das Shirt in die Menge geworfen hat, verschwindet er schnell wieder, kommt aber später zu „Wollt ihr den Enforcer sehen?“ wieder. Das war über die gesamten vierzig Minuten eine sehr solide Darbietung, aber die große Stimmung kam nicht auf.


Grad keine Ahnung, ob wir Messiah schon einmal live gesehen haben. Ihre Erstwerke „Hymn To Abramelin“, „Extreme Cold Weather“ und „Choir Of Horrors“ bis Anfang der Neunziger waren damals und sind auch heute noch auf jeden Fall exzellentes Futter für extremere Metaller. Sehr schön daher auch, dass diese Alben heute Abend am Merch auch als Vinyl abgreifbar sind. Der Fünfer betritt unter Applaus die Bretter und nach den ersten Klängen des Opening-Doppels „Sikhote Alin“ und dem Titelstück der neuen Scheibe „Christus Hypercubus“ herrscht gleich eine ganz andere Stimmung in der Fabrik. Die Schweizer fegen echt was weg, und allein schon vom Publikumszuspruch her scheint es hier in der Fabrik nun loszugehen. Das Publikum dreht auf, was man auch bei „Choir Of The Lies“ deutlich spürt. Mit den beiden vor ein paar Jahren Dazugekommenen passiert richtig was auf der Bühne, denn Poltergeist Gitarrist V.O. Pulver und Shouter Marcus sind wahrlich keine Kinder von Traurigkeit und agieren sehr bewegungsfreudig. Der Mikrofonständer wird an jeder Stelle der Bühnenfront in alle Richtungen gezirkelt. Auf einmal meint er, zieht euch warm an, für „Extreme Cold Weather“. Das hat er nicht zum ersten Mal gesagt, beendet mit dem Track aber schon den Auftritt. Für fast eine ganze Stunde haben wir exzellente Unterhaltung bekommen, gerne wieder.


Die besten Karten haben heute Coroner. Die waren vor ein paar Jahren auf dem Rock Hard Festival schon genial, haben nun ein neues Megaalbum, das schon in den Jahresauswertungen ganz oben anzutreffen ist, ein bekanntes Line-up und sind Top of the Bill. Außerdem stehen so einige verwaschene Shirts und Patches der Progthrasher in der gut gefüllten Halle. Watt willste mehr? Nach diesem großartigen Gig von ihren Landsleuten der Band zuvor musste jedoch auch erstmal nachlegen. Auf jeden Fall haben sie schon mal das obercoole Backdrop mit dem verknöcherten DNA-Strang vom Albumcover. Die Menge steht nun sehr dicht an der Bühne und bewegt sich im Takt mit. Wir hören wie auf Platte Synths im Back und die Band hat dazu einen Tastenmann am Bühnenrand platziert, also nixda Playback, sondern ganz offensichtlich stehen die Eidgenossen zu ihrem Sound und bringen alles sichtbar auf die Stage. An der Reihe ist nun das epische „Serpent Moves“ vom „Grin“ Album, dem tatsächlich schon zweiunddreißig Jahre alten Vorgänger. Mister Tommy Vetterli liefert grandios exakte Gitarrenarbeiten mit so einigen Hut-ab Momenten; seine laut schneidenden Soli grellen durch die Fabrik. Die Rhythmik von „Semtex Revolution“ vom „Mental Vortex“ Album geht sofort in die Menge über, die sich spürbar von den Atmosphären tragen lässt. Schließlich stellt Ron die Band plus Tastenmann vor und merkt weiter an, dass sie leider keine Shirts dabei haben. Ein namentlich benanntes, braunfarbenes Versandunternehmen mit drei Buchstaben soll es verbockt haben. Das verkraften wir ebenso wie die Randnotiz, dass Coroner für Dark Angel eingesprungen sind, weil sie nämlich alle zweiundachtzig Minuten amtlich geliefert und nur zufriedene Gesichter hinterlassen haben. Bleibt zum Schluss nur noch etwas Negativkritik an die Location, dass der Inhalt von Viertelliterbechern was für den hohlen Zahn ist, und Wasser so viel wie das Bier kostet.

Autor & Pics: Joxe Schaefer