Eaten Alive

Gießen, MuK, 07.02.2026


Endlich mal wieder eine coole Oldschoolveranstaltung, und natürlich findet diese wieder im Muk in Gießen statt. Die Anreise verlief verkehrstechnisch problemlos an diesem Samstagnachmittag, aber die als erstes angekündigte Band Reflexor tritt nicht an. Bleiben auf dem Billing aber noch sechs Bands übrig und es geht dafür mit Sacrifizer los. Die Dillenburger liefern zunächst im Dunklen eine recht statische Performance, aber vor der Bühne gibt es schon früh den Pogo. Offensichtlich ist Gießen schon zur späten Kaffeezeit gut drauf. Kein Wunder, denn bis auf wenige Takte sind straight die Speedzügel angezogen. Dann entsteht im zügigen „Nocturnal Death“ wieder ein kleiner Pit. Und gefühlt jede Band, die was auf sich hält, hat einen Song mit dem Titel „Nightmare“, so auch Sacrifizer. Passend zur derzeitigen Weltsituation wird „Fuck The USA“, von Slime angestimmt. Das bringt nicht nur vorne viele Arme hoch. Nachdem mit einer Rückkopplung nach achtundvierzig Minuten schon Schluss ist, ist der Gang zum Merchandise Pflicht. Leider haben sie noch kein Vinyl im Angebot.


Letztes Mal, als wir hier im MuK zu Gast waren, spielten Blizzen. Ihre Bassdrum steht noch immer hier, könnte man sagen. Jedenfalls holzen da jetzt erstmal Morbyda drauf rum. Die Leipziger haben grad ihr erstes Album „Under Your Spell“ raus, mit dem sie beeindruckend aufzeigen, dass sie zu den aufstrebenden Oldschool Speed Metal Bands gehören. Bei den unter dem Dach von Dying Victims Untergekommenen sitzen die hellen Schreie und es geht sofort ab, allerdings schon mit fünfzehn Minuten Verspätung. In der Location des MuK ist der Sound vorne gut, kackt aber leider in der schlauchförmigen Location nach hinten weiter ab, dass man sich besser weiter vorn positioniert. Dort werden Kracher wie das treibende „Sacrifize“ abgefeiert, und man wird auch gleich mitgerissen. Die drei Frontmähnen lassen actiontechnisch auch nichts anbrennen. Also auf zum langen Merchtable, der inzwischen sehr voll bestückt wurde. Wenn wir das Morbyda Vinyl nicht schon längst hätten …


Die Bühnenrandale der nächsten Band hat sich längst herumgesprochen und natürlich gehören Intöxicated heute auf das Billing. Zu „Red Light Ripper“, läuft das Bier auch aus Körperöffnungen, die zum Einfüllen bestimmt sind. Shouter Mariano ist bekannt für seine Performance mit dem Gerstensaft und hat auch andauernd eine Pulle in der Hand. Wie erwartet entsteht ordentlich Frontrow Gebange und Geschiebe. Während der Mischer nur rotes und blaues Licht zulässt, macht der Fünfer offensichtlich abrocktechnisch mächtig Eindruck. „Rock ‚n‘ Roll Hell Patrol“ und „Take This Torch“ von Razor lassen selbstredend die Fäuste recken, bis das unverzichtbare „The Sword“, und unser Fave „Sadistic Night“ anschließend noch für Stimmung sorgt. Dann wird nach „Bad Habbits“ und „Crush Your Local Disco“ leider schon das Ende eingeläutet. Aber es wird nicht lange dauern, bis diese Helden wieder auf einer Bühne zum Abriss auftauchen!


Okay, kommen wir nun zu der exotischsten Band des heutigen Billings. Und das liegt nicht an den Birkenstock Sandalen ihres Sängers, der darin dauernd vor und zurückrennt. Und auch nicht daran, dass er später Barfuß performt. Aber sein weißes Shirt von Sodom rettet einiges. Nein, bei Sublind aus Luxemburg liegt es eher daran, dass ganz schön viel Core mitspielt und dadurch ein ziemlich differenziertes Soundbild zum Restbilling vorherrscht. Doch langsam sind sie nicht und machen, gemessen an den Reaktionen der Audienz, mit Tempo und Ausdruck schon was her. Dennoch entsteht aber erst mitten im Set der Pit. Es wird sich nach jedem Song ausgiebig bedankt, und noch „Boiling In Blood“ angesagt. Also Tempo können sie ja sowas von, dass immer weitere Pits entstehen. Nach zweiundvierzig Minuten endet ihr Auftritt, der zufriedene Gesichter hinterlässt.


Jetzt dran ist der Hauptgrund unserer Anreise und unbestrittenen Höhepunkt des Abends. Der Schein des akustischen Intros vom Band trügt, denn dann explodieren Zerre mit dem Killer „Mouth Of Madness“ und absolut selbstbewusstem Auftreten. Shouter Nico, noch ein bierverspritzender Frontmann, macht selbst mal kurz den Stagediver. In Insiderkreisen stehen die Würzburger derzeit sehr hoch im Kurs. Die intensiven Liveauftritte um ihr grandioses Album „Scorched Souls“ haben sich schnell herumgesprochen, und auch ihr in Kürze erscheinendes Album „Rotting On A Golden Throne“, in das wir schon reinlauschen konnten, wird in diese Kerbe schlagen. Auch „Closer To Death“ und das neue „Pigs Will Be Pigs“ zünden sofort, in einer prallen Menge vor der Stage, so voll war es heute dort noch nicht. Genau jetzt bringt der Fünfer Metallicas‘ „Whiplash“, dass postwendend ein Circle Pit entsteht. In ihrem Zusammenspiel können wir eine Leichtigkeit beobachten, als machten die Wahnsinnigen das mehrmals täglich. Was für ein Abriss! Ein super Dingen, diese Dreiviertelstunde war definitiv für uns das Highlight heute.


Schlussendlich gelangen wir zur letzten Band des heutigen Konzertabends, allerdings inzwischen schon mit über einer halben Stunde Verspätung. Es füllen Vulture diesen Slot und die Menge hat Bock auf den Headliner. Durch ordentlich Speed und Chaos mit viel Action auf der Bühne haben sie sich einen Namen gemacht, und auch bereits Festivals wie das Der Detze Rockt beackert, wo wir sie zuletzt gesehen haben. Die Fraktion der roten Gitarren macht auch heute keine Gefangenen, allein schon daran gemessen, wie Gitarrist Mattes Outlaw über die Bühne rockt. Songs wie „Unhallowed And Forgotten“ von ihrem letzten Album „Sentinels“ mischen das MuK zu später Stunde noch einmal auf, und wer noch frühe Exodus covert, beweist nicht nur seine Liebe zum altschuligen Thrash, sondern auch zu Hochgeschwindigkeiten. Bleibt abschließend ein absolut gelungenes Festival zu attestieren und sich bei allen Mitwirkenden zu bedanken. … wir kommen wieder, keine Frage!

Autor & Pics: Joxe Schaefer