MR. BIG, FOZZY

Bochum, Matrix, 06.08.2018


Spielt man bei Iron Maiden kurz vor Showbeginn “Doctor Doctor” von Ufo ab, ist es bei Fozzy “High Voltage” von AC/DC. Dann lässt man aber erst noch eine getunete Version von “War Pigs” durch die PA laufen, bevor die als Coverband Gegründeten die Bühne betreten. Shouter Chris Jericho, in den Staaten noch als Wrestler bekannt, lässt es sich trotz der hochsommerlichen Temperaturen nicht nehmen, mit Hut, Schal und einer später im Set blinkenden LED Jacke aufzutreten, entledigt sich seiner warmen Kleidung auch nur langsam. Der Mann mit der kräftigen Stimme schreit in den Ansagen rougher als er die Songs singt. Von der Roughness des unvergessenen Dio-Covers früher Zeit, “Stand Up And Shout” und andere Cover sind nicht im Set, singt er dieser Tage leider weit entfernt, geht aber mit seiner glatten Stimme gekonnt um. Auf der anderen Seite gelingt es ihm schon sehr früh, die Arme der Audienz nach oben zu bekommen und tatsächlich folgen Fozzy-Rufe, anscheinend sind hier viele Fans der Supportband zugegen. Gut ein Dutzend davon holen sich die US Amerikaner zur eingängigen Nummer “Burn Me Out” vom aktuellen Album “Judas” zum Mithüpfen auf die Bühne. Weiterhin tragen Rauchsäulen und eine von Chris aus der Hüfte abgefeuerte Rauchkanone zur Stimmung bei, wie auch der für örtliche Verhältnisse gute Sound in der stattlich gefüllten Tube. Trotz steigenden Innentemperaturen sind die Fans über gut 42 Minuten Stagetime offensichtlich sehr zufrieden.


Bei den Haudegen von Mr. Big soll die Anzeige des Stimmungsbarometers weiter nach oben gehen. Nach dem Tod von Bandmitgründer Pat Torpey vor einem halben Jahr, dessen Werk während der Show mehrmals gewürdigt wird, wurde der Drumschemel von Matthew Starr wiederbesetzt und man darf behaupten, dass die Besetzung nach dreißig Jahren noch immer erste Sahne ist. Außerdem haben die Kalifornier einen Arsch voll Hits am Start, die mit dem Eröffnungszünder “Daddy, Brother, Lover, Little Boy” losgedrillt werden. Der nahezu permanent Backing-Vocals liefernde Basser Billy Sheehan bekommt mit allerhand Faxen jeden erdenklichen Ton aus seinem babyblauen Yamaha-Tieftöner; kein Song kommt ohne aus. Ein nicht wegzudiskutierender Pluspunkt ist das Vermögen, einen balladesken Song schmalzfrei zu bringen, was dem versierten Quartett mit “Just Take My Heart” gelingt. Der schon früh sein Solo abwerfende Paul Gilbert, einer der G3-Gitarristen, spielt den Gig mit seinem Signature Modell, einer weißen Ibanez Fireman. Ein echter Blickfang das Teil. Es folgen “Green-Tinted Sixties Mind”, “Everybody Needs A Little Trouble” und “Price You Gotta Pay”, wo der hinter Billy stehende Sänger Eric unter seinen Armen durchgreift und seinen Bass übernimmt, während Billy selbst die Mundharmonika für ein Solo hält. Im halbakustischen “Wild World“ spielt Eric die zweite Akustikgitarre. Das unverzichtbare und natürlich entsprechend erwartete Bass Solo läutet den persönlichen Favoriten des Verfassers dieser Zeilen ein, ein zünftig bejubeltes “Addicted To That Rush”. Mr. Big spielen am Stück ohne Zugabebreak, machen mit ihrem größten Hit “To Be With You” fast neunzig Minuten voll und unterhalten sich draußen noch lange mit den Fans am Tourbus. Echt schön, die Band nach langer Zeit mal wieder live gesehen zu haben.

Autor & Pics: Joxe Schaefer