PHAGOCYTE – last days of reason

Wir schrieben das Jahr 2023, es war November, rattenkalt draußen und vor der Baracke standen sich mehr Besucher die Füße platt, als reinpassten. Drinnen ging der Punk ab, als auf der Bühne Phagocyte vor Haunted Cemetery und den fabelhaften Neorite loslegten. Das war unser erster und einziger Kontakt zu diesen Thrashern aus Münster, ihr erstes und sehr wahrscheinlich einziges Album erscheint jetzt. Genauer dazu später, denn erst wollen wir diesen Klängen lauschen.

Das „Intro“ mit Herzschlag macht es spannend, danach baut sich mit „Concept For The Enemy“ die grobriffige Thrashwand auf. Ihre Freude an akustische Phasen beginnt auch schon gleich hier, einhergehend mit coolen Wiedereinstiegen. So startet das kantigere „The Hate Inside“ ziemlich geilriffig, welches noch ausgiebige Parts für nachvollziehbare Soli beherbergt. In diese Kerbe schlägt auch „System Of Concealment“, bis sich „Faith Dynamics“ etwas ruppiger zeigt und in einer Pause den Bass von Vanessa in den Vordergrund rückt. Durch einfache Riffs wie aus der ganz alten Metallica-Schule wirkt alles überzeugend, wie auch die treibenden vier Minuten von „Established Prejudice“, ganz klar einer der geilsten Tracks auf dieser Platte. Wegen seiner markanten Rhythmik darf das darauf Folgende „Nevermind“ als das eingängigste Stück bezeichnet werden, während sich der schleppendere Abschließer „Infanticide“ etwas sperriger zeigt, aber auf einem derben Fiesriff gebaut wurde.

Insgesamt stehen in dieser guten halben Stunde acht kompakte Tracks zur Disposition, die gute Freunde von Oldschoolbangern werden können, wenn wir ihnen die Chance dazu geben. Mainman und letztes verbliebenes Originalmitglied war Michael „Lütti“ Lüttgens, zuständig sowohl für Gitarre und uncleane Shouts, als auch für das Songwriting inklusive der Lyrics. Kurz vor der Veröffentlichung sorgte sein plötzlicher Tod für Entsetzen, zumal er dieses Album nie in den Händen hielt. Weniger von der Tragik bestimmt sollte der Zuspruch für dieses anspruchsvolle Scheibchen sein, das wäre auch sehr im Sinne der Band. Also wisst ihr nun, was zu tun ist!

Wertung: 8/10
Autor: Joxe Schaefer

Label:EIGENPRODUKTION
VÖ-Datum:09.01.2026
Running Time:32:02
Format:CD, Mp3

Erhältlich bei:
Idiots Records

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