POSSESSED, TERRORIZER, SUICIDAL ANGELS, NIGHTFALL, ATER
Bochum, Matrix, 01.12.2025
Obwohl dieser nicht uninteressant besetzte Tourtross bereits in der Fabrik zu Coesfeld stoppte, finden wir erst heute dazu, und das dann noch ziemlich spontan. Nun ja, Karten gibt es noch an der Abendkasse und zu voll wird es nicht. Beim Opener von Ater stehen zusammen ganze einundzwanzig Saiten auf der Bühne, bedient von drei Frontern. Mit definitiv ungetriggerten Drums, knusprig halligen Tiefgrowls und auch klaren Gesängen werden von dem Vierer aus Chile alle Subebenen ausgelotet. Bis auf eine langsame, synchrone Auf- und Abbewegung ihrer Arme sehen wir eine recht statische Performance. In den Pausen zwischen den Songs spielen Synthies aus dem Back weiter, während die Saitenfraktion oft ihre Geräte stimmt. Die Masse an Strings will halt exakt klingen. Sonst wird auf alles Melodische verzichtet, bis auf eine Akustikphase zum Schluss. Der Sound kommt schön hölzern tight, dauert aber bloß 26 Minuten an. Klar, bei fünf Bands an einem Montagabend muss man das Programm schon stramm durchziehen, aber für die Fans zu wenig Material zu bringen, muss auch nicht sein.
Die nächste Band des Morbidfestes wird etwa vierzig Minuten spielen, um das gleich vorweg zu nehmen. Nightfall beginnen mit einem sehr basslastigem Grollintro. Der Fünfer inklusive Bassistin Vasiliki trägt schlicht schwarz. Ihr Sänger Efthimis tritt mit Halbmaske auf und hält die meiste Zeit eine Dolchatrappe in der Mikrofonhand. Seine Animationen, das Publikum zu aktivieren, funktionieren schon nach dem ersten Song „I Hate“ vom aktuellen „Children Of Eve“ Album. Die textilen Banner entfallen bei den Bands heute, dafür wird ihr Logo im Back auf eine Leinwand projiziert. Die Griechen liefern höhere Tempi gern mit Doublebass, und bei den bekannten Leads von „The Cannibal“ werden Arme gereckt. Cooler Auftritt der extremen Mittelmeerstaatler, die Menge ist zufrieden.
Als Suicidal Angels losthrashen, herrscht ab sofort eine ganz andere Stimmung hier im Gewölbe. Zwar spielen sie für die leider ausgefallenen Massacre, die viele Gäste heute sehr gerne gesehen hätten, bringen jedoch amtliche Geradeausschläge. Auch wenn man nicht voll drauf steht, darf man schon zugeben, dass der Vierer live eine Macht ist. Das genügt ihnen, schon im zweiten Track zum Pit aufzurufen. Allerdings machen mehr Leute dafür Platz, als Kreisläufer dran teilnehmen. Das ältere Publikum hat offensichtlich weniger Bock, das Gerenne mitzumachen. Aber beim Fistraisen und Hey-Rufen sind sich wieder alle einig, Der knallige Doppelschlag von „Purified By Fire“, und „The Return Of The Reaper“ vom aktuellen Album „Profane Prayer“ lässt die Riesenlücke langsam zuwachsen. Das Verlassen der Bühne schon nach zwanzig Minuten, als ob man jetzt schon Zugaben spielen wollen würde, hinterlässt Fragezeichen und beeindruckt nicht wirklich. Aber im Anschluss der gut vierzig performten Minuten „Sharp Dressed Man“ von ZZ Top ziemlich laut abspielen zu lassen, kommt jedenfalls voll gut.
Um dreiviertel zehn bringt uns ein aus dem Back abgespieltes Spoken Word Intro zu Terrorizer, von sehr vielen Besuchern hier heiß erwartet. Da hängt baumelnd reichlich Gebamsel am Mikrofonständer, wohinter Shouter Brian bald komplett verschwindet, dass man sein Facepainting erst irgendwann später erkennt. Die Deathgrinder, einheitlich samt Basser David Vincent (ex-Morbid Angel) in Camouflagehosen, spielen im Kern ihr ganzes „World Downfall“ Debütalbum am Stück. Die Tube darf sich grad etwa nur halbvoll nennen, aber die Stimmung ist sehr gut und der Pit wird zu „Human Prey“ für eröffnet erklärt. Wie erwartet wird Vollgedresche und Maximalgetöse geliefert, und alle haben Spaß. Sogar der Stagediver mit der zugezogenen Platzwunde, weil er ohne Check, wer ihn fängt, einfach springt. Dagegen sehr angenehm und bemerkenswert, dass der Kiosk in der Halle nicht nur für Knabbereien und Kaffee geöffnet hat, sondern in seinem Sortiment auch Matrix-Dildos anbietet. Eine Besucherin im Shirt von Terrorizer bemerkt die reichhaltige Auswahl. Ein Song wird dem vor zwanzig Jahren verstorbenen Napalm Death und Terrorizer Gitarristen Jesse gewidmet, bis nach über einer Stunde Spielzeit das Gebamsel zur Ruhe kommt.
Die alten Meister von Possessed waren Mitte der Achtziger eine der ersten mit diesem Sound, das bringt einige Fans aus dieser Zeit in die vorderen Reihen. Zuletzt gesehen haben wir sie vor ein paar Jährchen auf dem KIT und kürzlich auf dem Rock Hard Festival. Nach dem dritten Song „Demon“ verschenkt Shouter Jeff erstmal eine Bandflagge an ein Pärchen in der ersten Reihe, die sie danach auch immer wieder mal hochhalten. Es herrscht eine positive Stimmung, auch beim Oberspeedbrecher „Burning In Hell“. Bevor Jeff das Titelstück des ersten Albums „Seven Churches“ ansagt, das noch immer als das gefeiert wird was es ist, ein Lostreter einer neuen Richtung, erinnert er an 1986, als sie das erste Mal zu Gast in Bochum waren. Das war damals in der Zeche im Rahmen der „Hell Comes To Your Town Tour“. Er trägt das Ankh-Zeichen auf seinen ledernen Unterarmmanchetten und schreibt Autogramme auf die Setlists, noch während des Konzerts, und übergibt sie an Fans ganz vorn. Viele müssen morgen arbeiten und verlassen wegen fortgeschrittener Uhrzeit die Location leider zu früh, ohne noch das definitiv abfeierungswürdige „Death Metal“ mitbekommen zu haben, das natürlich fest auf die Setlist gehört und dementsprechend von den noch Anwesenden sofort amtlich abgefeiert wird. Nach noch drei weiteren Songs ist nach fast siebzig Minuten Schluss. Leider hat die Band kein Vinyl am Merch, wo es jedoch Shirts ab satten 35,- Euro zu erwerben gibt. Das war heute auch nicht die günstigste Terminidee für so etwas mit fünf Bands an einem Montag, andererseits konnte dem mündigen Metaller an einem Abend eines Wochenanfangs nichts Besseres passieren.
Autor & Pics: Joxe Schaefer

