REQUIEM, MNEMOCIDE, FREAKINGS – Basel (CH), Valhalla, 06.12.2025
REQUIEM, MNEMOCIDE, FREAKINGS – Basel (CH), Valhalla, 06.12.2025
Es gib sie noch, diese Konzertüberraschung, die man heutzutage nicht mehr für möglich hält. Ein Underground Konzert in der Schweiz bei freiem Eintritt, das Valhalla in Basel macht es möglich. Konzerte, die nicht im Rahmen einer regulären Tour stattfinden, sind für gewöhnlich gratis. Im Laufe des Abends wird ein Hut herumgereicht, um etwas Geld für die Bands zu sammeln. Coole Sache!
Los geht es heute kurz nach 20:00 Uhr mit FreaKings aus Bubendorf. Die Band wurde bereits 2008 gegründet, ist mir aber bis zum heutigen Zeitpunkt unbekannt. In regelmäßigen Abständen hat man bisher vier Alben veröffentlicht, das letzte „Rise Of Violence“ stammt aus dem Jahre 2019. Der Gig des tight aufspielenden Trios steht nicht gerade unter einen guten Stern. Kaum hat man den Set eröffnet, reißt eine Gitarrensaite. Zum Glück ist Jonathan (Sänger/Gitarrist) vorbereitet und hat eine Ersatzklampe in Griffweite, so dass es nach nur wenigen Minuten Unterbrechung weiter geht. Man merkt der Band aber ihre, trotz fortgeschrittenem Alters der Musiker, noch limitierte Bühnenroutine an, denn bei einer erfahreneren Band hätte hier Basser Toby schnell das Mikro übernommen und das Publikum unterhalten, so dass sein Mitstreiter die Klampfe hätte stimmen können. Aber nein, so muss Jonathan während des Stimmens auch noch mit dem Publikum kommunizieren. Das hätte man eleganter lösen können. Etwas später im Set kommen noch Probleme mit dem Gitarrenverstärker auf, wodurch nochmals ein paar Minuten Unterbrechung im Set resultieren. Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Glücklicherweise lassen sich die technischen Probleme relativ schnell beheben. Soundmäßig spielen die drei Herren druckvollen Thrash Metal, der aber ohne kompositorischen Tiefgang daher kommt. Ich höre immer wieder coole Slayer-Elemente oder Einflüsse der Bay Area Größen heraus, aber im großen Ganzen ist mir die Musik zu eintönig. Für zwei bis drei Songs ist das völlig okay, aber selbst um eine Dreiviertelstunde zu füllen, ist da zu wenig Variabilität und Eigenständigkeit im Spiel. Die vielleicht 30 Anwesenden spenden Höflichkeitsapplaus, nur der eine Herr direkt vor mir scheint mehr angetan zu sein, und kann sein Zappeln nur schwer unter Kontrolle halten. Instrumental sauber und druckvoll gespielt, aber zu wenig Eigenständigkeit im Sound, ist mein ernüchterndes Fazit des Auftritts. Trotzdem ein solider Start in den noch langen Abend.
Auch wenn ich Requiem kenne und mag, bin ich heute primär wegen Mnemocide ins Valhalla gekommen. Wenn man die Schaffensphase der Vorläuferband Darkmoon (1997-2017) mitrechnet, machen die Herren seit bald 30 Jahren zusammen Musik, und dies mit bisher lediglich drei Line-up Wechseln. Respekt! Nun hat sich vor Kurzem Ur-Gitarrist Christian Waltert dazu entschieden, die Band zu verlassen, so dass heute der erste Gig mit dem neuen Gitarristen Martin Moser stattfindet. Die Mehrheit der Band stammt aus dem Nachbarsdorf meiner Geburtsstadt, und ich kenne zumindest Sänger Matthias „Mätte“ Borer seit deutlich über 30 Jahren, bin ich doch mit seiner älteren Schwester zur Schule gegangen. Auch zu dem mittlerweile ausgestiegenen Christian Waltert verbindet mich mehr als nur die Musik, so habe ich mit seinem Bruder Militärdienst geleistet. Die Musik des Quintetts ist nicht so einfach zu beschreiben, aber generell fühlt man sich durch die Energie, welche die Band versprüht, wie von einer Dampfwalze überrollt. Tightness ist der zweite Vorname der Herren. Ohne großes Gefasel brettert die Band durch ihren Set, der primär Songs des bisher einzigen Albums „Feeding The Vultures“ (2020) beinhaltet. Die Debüt-EP „Debris“ (2018) wird mit lediglich einem Song namens „Pawn“ berücksichtigt. Blickfang der Band ist der Modellathlet am Mikrofon, der keine Ruhepause kennt, währendem die eher statisch wirkende Instrumentenfraktion eine ultrapräzise Darbietung abliefert. Das ist Black Metal in Reinkultur, kombiniert mit musikalischer Brillanz. Die einzelnen Songs werden durch Intros miteinander verknüpft, so dass keine großartige Kommunikation mit dem Publikum notwendig ist, um einen guten Fluss im Set zu haben. Zudem entstehen keine peinlichen, stillen Momente zwischen den Songs, sollte das Publikum nicht so aktiv sein wie man es erwarten könnte. Ein cleverer Schachzug. Ich muss zugeben, dass ich keine andere Band kenne, die auch nur annähernd so klingt wie Mnemocide. Durch Tightness, kombiniert mit hochstehender Musikalität und Eigenständigkeit, würde ich die Band beschreiben. Das sind Attribute, die man heutzutage auch von professionellen Bands kaum mehr geliefert bekommt. Umso erfreulicher, dass die schweizerische Provinz noch solche klasse Bands hervorbringt. Der Abschluss des heutigen Sets bildet eine coole Coverversion des Hypocrisy Klassikers „Roswell 47“, dem man eine eigene Note verleihen kann. Genialer Schlusspunkt eines sackstarken, viel umjubelten Auftritts. Ob da Requiem stimmungstechnisch mithalten können?
Setlist: To The Nameless, In Pain, War, Pawns, Dead Men Walking, Death March, Kingdom Of Filth, Die, I Am, Roswell 47.
Ähnlich lange wie Mnemocide gibt es Requiem. Die Band aus der Innerschweiz, nicht zu verwechseln mit einer anderen gleichnamigen Schweizer Death Metal Band aus dem Kanton Aargau, frönt einer thrashigen Variante des Death Metals. Seit dem Debütalbum „Formed At Birth“ im Jahre 2003, hat die Band über die Jahre hinweg sieben Studioalben veröffentlicht, das aktuelle Album „Collapse Into Chaos“ (2021) steht auch in meinem Plattenschrank. Ich bin mir sicher, das ultratight aufspielende, sympathische Quintett mindestens einmal live gesehen zu haben und bin mir auch recht sicher, dass dieser Gig im Sedel in Luzern stattfand. Das müsste an einem Megamosh im Jahr 2019 gewesen sein (u.a. mit Sin Starlett und Bulldozer). Heute mache ich mir etwas Sorgen, dass die Band nach dem sackstarken Heimspiel von Mnemocide vor halbleeren Rängen spielen muss. Aber weit gefehlt! Zwar sind die Reihen bei Konzertbeginn noch etwas dünn besetzt, die Zuschauer kommen dann aber von draußen wieder rein, füllen das Valhalla amtlich und es geht ordentlich die Post ab vor der Bühne. Interessanterweise speziell die jüngere Generation gibt richtig Gas und so gerät Sänger Michi Kuster schnell ins Schwitzen, so dass er sich des klitschnass geschwitzten Shirts schnell entledigt. Angetrieben durch das Powerdrumming von Poltergeist Stockschwinger Reto Crola, feuern die beiden Gitarristen messerscharfe Riffs ins Publikum, welche einem die prägnanten Songs durch die Gehörgänge fräsen. Währenddem Mnemocide durch viel Groove Druck in ihren Sound bekommen, brillieren Requiem durch Präzision und Brutalität. Angestachelt durch die positiven Publikumsreaktionen brettert sich die Band durch ihren gut einstündigen Gig, bei dem nie Langeweile aufkommt. Beide Seiten, Band und Publikum, haben mächtig Spaß und so vergeht die Zeit sehr schnell. Das Publikum bittet das Quintett noch zu mehreren Zugaben zurück auf die Bühne, so dass am Schluss niemand unglücklich das Valhalla verlässt. Rundum ein gelungener Abend mit drei guten Bands bei freiem Eintritt.
Autor & Pics: Steph Bachmann

