RUHRPOTT METAL MEETING

08. & 09.12.2017, Oberhausen, Turbinenhalle


Offensichtlich kann man, gemessen an den gewachsenen Zuschauerzahlen des dritten Ruhrpott Metal Meetings 2017, inzwischen von einem etablierten Festival sprechen. Einst wurde in der Turbinenhalle der GHH Strom und Druckluft hergestellt, jetzt ist es Metal. Heavy Metal. Für die achtzehn Bands an diesen zwei Tagen kein Problem, die sind alle vom Fach. Ein Highlight ist sicher die hier Halt machende Tour von Death Angel, Annihilator und Testament, die hier in der Nähe nirgends sonst zu sehen war. Ein weiteres Highlight ist sicher auch die Zusammenstellung von heimischen Acts wie Erazor, Despair und Onkel Tom, die einfach zu einem Festival dazugehören, das den Begriff ‘Ruhrpott’ im Namen trägt.


Tag 1, Freitag, 08.12.2017: Savage Messiah, Wolfheart, Deserted Fear, Overkill, Max & Iggor Cavalera return to “Roots”.

Savage Messiah aus London haben die Ehre, das diesjährige Ruhrpott Metal Meeting zu eröffnen. Sie tun dies solide und kompakt. Der eingängige aber treibende Metal ist dabei sehr erfrischend. Auffallend die in nahezu perfektem Deutsch dargebotenen Ansagen von Sänger Dave Silver. Das Schwergewicht der Setlist liegt klar auf dem aktuellen Album „Hands Of Fate“, wobei auch zwei Songs vom 2014er Album „The Fateful Dark“ zum Zuge kommen. Meine Earcatcher sind dabei das schnellere, aber trotzdem eingängige „Eat Your Heart Out“ in der Mitte des Sets und das abschließende speedige „Minority Of One“. Die Songs knallen mit gutem Sound aus den Boxen, wobei man dem Opener etwas arg wenig Licht zur Verfügung stellt. Das Quartett von der Insel spielt tight und hatte sichtlich viel Spaß, auch wenn die Publikumsreaktionen doch noch zurückhaltend ausfallen. Die Band nutzt jedenfalls die Gelegenheit, um in den 30 Minuten Spielzeit gute Eigenwerbung zu betreiben und etwas Temperatur in die relativ kühle Turbinenhalle zu bringen. Guter Start ins Festival mit jedoch amtlich Luft nach oben. (Steph Bachmann).

Setlist: Blood Red Road; Solar Corona; Scavengers Of Mercy; Eat Your Heart Out; Hands Of Fate; Minority Of One.


Von allen Bands auf diesem Planeten, die sich den Namen Wolfheart gegeben haben, betreten nun die Finnen, welche mit ihrem aktuellen Album „Tyhjyys” zum dritten Mal einen Longplayer abgeworfen haben, die Bretter der Turbinenhalle. Durch synthieunterstützte Doublebassatmosphären gelangen die Deather allmählich in ihren fetten Soundberg. Der Mischer berücksichtigt hier die Bässe keinesfalls zu wenig, wie das die regelmäßigen Besucher dieser Location gewohnt sind. Viele Ansagen werden von ihrem Basser getätigt und bis auf ein paar Bangaktionen liefert das Quartett eine recht statische Performance, die sich erst in der zweiten Auftrittshälfte mit dem melodischeren Farbtupfer „Zero Gravity“ auflockert. Das macht sich in den Zuschauerreaktionen bemerkbar, denn die sich noch füllende Halle, draußen ist grad Wintereinbruch, kommt langsam auf Temperatur. (Joxe Schaefer).


Die Ossi-Deather Deserted Fear befinden sich spätestens seit Veröffentlichung ihres aktuellen dritten Albums “Dead Shores Rising” auf der Überholspur. Zuletzt haben wir sie sie auf dem dreitägigen Nord Open Air live gesehen, wo sie vor dem Headliner Death Angel auftraten. Wir wissen um ihre Zugkraft und rechnen auch bei ihrem heutigen Auftritt wieder mit reichlich Zuschauerzuspruch. Allerdings haben sie es sich seit einiger Zeit zur Aufgabe gemacht, vor ihrem Auftritt “You Give Love A Bad Name” von Bon Jovi abspielen zu lassen, was die Audienz durch überraschend wenig Pfiffe quittiert, haha. Machen wir den Spaß doch mal mit, der dann zu den ersten Takten unter permanentem Gewitter von Lichtblitzen vorbei war. Der Death Metal der Thüringer punktet im Gegensatz zu den Sounds der Bands zuvor mit variantenreicherem Spiel, sehr zur Freude der inzwischen sehr gut gefüllten Halle, der rein optisch erstmal der neue Bassmann gar nicht auffiel. Das Gründungstrio an Gitarren und Bass besetzte bislang den Posten des Tieftöners weniger fest, was ihrer routinierten Performance offensichtlich kein Stein im Weg ist, denn unser Schweizer Korrespondent Steph Bachmann fährt voll drauf ab. (Joxe Schaefer).


Dass Insomnium viele Freunde haben, die total auf diese Finnen abfahren, haben wir in jüngerer Zeit häufiger erlebt. Sie sind mit sieben Alben, die letzten drei erschienen bei Century Media, weiter auf dem aufsteigenden Ast und füllen Slots auf größeren Festivals. Sie wissen also, dass man eine breite Bühne wie hier mit Laufaction füllt, machen gut was los und geben sich weiter einigem Synchrongebange hin. Die Erscheinung ihres Bassers und Shouters Niilo zieht mit nur wenigen Gesten die Anwesenden in seinen Bann, dass die halbe Halle zu warmen Melancholien mitklatscht, obwohl sich auf der anderen Seite einige Phasen auch mächtig ziehen. Sehr viele Fans sind schon ziemlich auf Overkill gebürstet, von denen sie einen Start-Ziel Sieg erwarten. (Joxe Schaefer).


Overkill kommen, sehen und siegen. Ehrlich gesagt ist das am Freitag Abend auch nicht die allerschwerste Aufgabe, da die Konkurrenz nicht gerade die Stärkste war. Die Band um Frontsau Bobby „Blitz“ Elsworth legt einen gewohnt routinierten Auftritt auf’s Parkett und zeigt ihre Professionalität von der ersten Minute an. Die Setlist ist ausgewogen und es kommen sowohl neuere als auch alte Kracher zum Zuge, und man hat das Publikum vom ersten Ton an im Griff. Die Band ist 100%ig aufeinander angestimmt und eingespielt, und so knallen die Songs wie zum Beispiel „Electric Rattlesnake“, „Ironbound“, „Rotten To The Core“, „Elimination“ oder das obligate, abschließende „Fuck You“ sehr geil aus den Boxen. Gepaart mit einer coolen Bühnenpräsenz und dem vollen Lichtprogramm ergibt dies ein tolles Gesamtbild. Einziger Wehrmustropfen ist die kurze Spielzeit von lediglich 40 Minuten. Hätte man weniger Zeit beim Soundcheck liegen gelassen (etwas, das man von einer Profiband eigentlich erwarten dürfte), wäre noch Zeit für ein oder zwei zusätzliche Songs (z.B. „In Union“) übrig geblieben. So bleibt der Auftritt am Ruhrpott Metal Meeting für mich ein lediglich guter Gig in meiner Konzerthistorie von Overkill. (Steph Bachmann).

Setlist: Mean, Green, Killing Machine; Rotten To The Core; Electric Rattlesnake; Hello From The Gutter; Goddamn Trouble; Ironbound; Elimination; Fuck You.


Max and Iggor Cavalera return to “Roots”. Ein kleiner Rückblick 20 Jahre in die Vergangenheit: Man schrieb das Jahr 1997, der Verfasser dieser Zeilen war gerade mal 15, das Interesse für harte Musik war erst seit ein oder zwei Jahren da. Die persönlichen Helden waren eigentlich Kiss, Maiden und Manowar, aber die “Roots”-Platte von Sepultura kannte man trotzdem. Irgendwie hatten alle, die damals entweder lange, bunte oder gar keine Haare trugen, auch einen der “Roots”- Hoodies. Das Titelstück und “Rattamahatta” lief auch Jahre später noch auf jeder Party. Sepultura waren für uns damals eine der großen und wichtigen Bands. Wir waren zu jung, um den reinen Thrash-Scheiben nachzutrauern und es gab eben nicht so abgegrenzte Szenen zwischen Punks und Metallern wie heute, so dass die „scheiß-auf-das-Establishment“ – Attitüde bei uns allen gut ankam. Zurück ins Jetzt. Auf dem Weg dorthin sind die bunten den langen Haaren gewichen und diese sind vom Kopf in Richtung Rücken diffundiert. Den “Roots”-Hoodie hatte ich nie, da waren die CDs der persönlichen Helden doch wichtiger beim knappen Taschengeld, aber heute Abend wird man die Platte komplett geboten bekommen. Die Bühne ist in blutrotes Licht getaucht, während Max, Iggor und ihre Mitmusiker die Bühne betreten. Max trägt wie vor 20 Jahren ein Morbid Angel Shirt und eine Tarnhose, allerdings beides wohl ein oder zwei Nummern größer als damals. Gut, ich bin auch was „größer“ geworden in der Zeit.

Los geht es natürlich mit dem Titelstück, welches die Halle direkt zum Hüpfen bringt. Direkt danach folgt “Attitude” inklusive dem Rhythmus von Max auf einer Berimbau. Das „I Won’t Take It“, was die Halle laut mitbrüllt, glaube ich mir als Ingenieur mit Eigenheim zwar selbst ein bisschen nicht mehr, aber heute Abend ist das mal egal. Weiter geht es mit “Cut – Throat” und dem mächtigen “Rattamahatta”, bei dem viele Percussion leider nur von Iggors Chaos Pad kommen. Bei einer solchen Show hätten es gern echte Musiker sein dürfen. Die Halle springt und tanzt dazu, als wäre es gerade ein Samstag um Jahrtausendwende im alten Soundgarden in Dortmund. Bei “Breed Apart” fallen mir einige fröhlich grinsende Crowdsurfer in meinem Alter auf, ich bin wohl heute nicht der einzige auf einer kleinen Zeitreise. Zu den thrashigeren “Straigthate” und “Spit”, den bisher schnellsten Songs des Abends, entwickelt sich ein ordentlicher Circle – Pit, der von einer komplett springenden Halle abgelöst wird. Es ist so einiges an Energie in der Luft. “Lookaway” beginnt mit einem hell erleuchteten Drumkit, so dass Iggor bei seinen Künsten nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist. An ihm sind die 20 Jahre etwas spurloser vorbei gegangen, als an seinem Bruder. Im Outro des Songs wird kurz Black Sabbath mit einem “Iron Man” Teaser gehuldigt, und man geht zu “Born Stubborn” über. Bisher hatte man die CD-Reihenfolge komplett eingehalten, “Dusted” fällt nun aber leider aus, ebenso wie “Jasco”. Könnte es daran liegen, dass die beiden von Andreas Kisser geschrieben wurden? “Itsari” kommt leider größtenteils vom Sample Player, auch wenn dieser in weiten Teilen von Iggor bearbeitet wird. Mit “Ambush” und “Endangered Species” bleibt es groovig. Max bekommt seine eigene Trommel und Unterstützung von Jason Bittner, der zuvor noch mit Overkill die Halle zerlegt hat. Iggor schafft es dabei, sowohl Drums, seinen Sample – Player als auch Maracas gleichzeitig zu spielen. Das RMM mutiert hier ein wenig zum Rave, aber gut. Damals war das alles nicht so strickt getrennt, Hauptsache, wir waren nicht in der Norm. “Dictatorshit” wird Dimebag Darell gewidmet, dessen Todestag sich heute zum 13. Mal jährt. Nach dem ersten richtigen Thrash Song des Abends gibt es mit “Excrucicated” einen Vorgeschmack auf das nächste Cavalera Conspiracy Album, was demnach auch ordentlich thrashig werden sollte. Man verabschiedet sich zunächst mit einer Hommage an Lemmy, einem “Ace Of Spades” Cover auf Speed, bis man, wo man schon bei den gefallenen Helden ist, noch einmal wiederkommt und noch einmal Dimebag mit einem angespielten “Walk” huldigt. Das Problem des “Roots”-Albums, dass der größte Hit gleich der erste Song ist, löst die Brüder hier einfach und pragmatisch: „Die Menge ist nun warm und ekstatisch, wir spielen “Roots” einfach noch einmal, dieses Mal halt in schnell“. Max dirigiert zum Abschluss des ersten Festivaltages noch eine ordentliche Wall Of Death, bevor “Roots” diesmal in einem Krach – Jam endet und der erste Festivaltag geschafft wäre. Die Jungs hätten eigentlich noch 15 Minuten Spielzeit übrig gehabt. Wenn man sich nach 20 Jahren wieder trifft, ist man ganz so fit wie früher wohl nicht mehr, Spaß gemacht hat es trotzdem. Mach es gut, “Roots”-Album. War schön, dich nach all der Zeit mal wieder gesehen zu haben. (Jens Wäling).

Tag 2, Samstag, 09.12.2017: Wizard, Universe, Death Angel, Erazor, Gloryhammer, Phantom Corporation, Orden Ogan, Despair, Annihilator, Onkel Tom, Doro, Testament.


Wizard als Opener auf der kleineren Flöz-Stage. Sagt das etwas über den Stellenwert der Band aus? Nichts meiner Meinung nach jedenfalls über die musikalische Qualität der seit 1989 aktiven Bocholter True Metaller. Der Auftritt ist mit acht Stücken erwartungsgemäß kurz, aber durchaus knackig. Mit einem klaren, aber von den Gitarren her leicht dreckig abgemischten Sound und dem Titel “Midgards Betrayer” vom 2009er Album “Thor” eröffnen Wizard den zweiten Tag des Ruhrpott Metal Meetings 2017. Mir gefällt der eingängige und dennoch sehr, sehr rockige Sound. Es folgen drei Titel vom aktuellen Album “Fallen Kings”, die keine großartige Stilrichtungsänderung erkennen lassen und sich nahtlos an die darauffolgenden Band-Klassiker “Dark Wings” und “In The Sign Of The Wizard” anfügen. Nach “Wizard Until The End” vom aktuellen Album und “Defenders Of Metal” ist der Auftritt dann schon wieder beendet. Wer klassischen Metal liebt, weiß, was er mit Wizard hat. Guter Auftritt, Veteranen wie mir gefällt das! (Wolfgang Haupt).


Die Wuppertaler Band Universe gibt es nun auch schon eine gefühlte Ewigkeit, veröffentlichte sie doch bereits 1992 ihr Debüt „Bad Child“. Nach einem weiteren Longplayer („Is There Something?“, 2003), stellt der 2015er Output „Mission Rock“ die aktuell letzte Veröffentlichung dar. Nach der starken Darbietung von Wizard vor der gut besuchten Flöz Stage ist es für Universe nicht einfach, die Meute bei der Stange zu halten. Mit ihrem 70er-lastigen Hardrock sind sie auf der Flöz Stage auch eher ein Fremdkörper, da hier mehrheitlich der härteren Gangart unserer geliebten Musik gefrönt wird. Trotz guter Soundqualität und amtlichen Bemühungen der Band will der Funke tatsächlich nicht so richtig auf das Publikum überspringen, und ein Großteil des Publikums verzieht sich in den Vorraum, beziehungsweise wandert vor die Ruhrpott Stage, um auf Death Angel zu warten. Trotz der etwas zaghaften Publikumsresonanz machen Universe das Beste aus der Situation und bieten einen qualitativ hochstehenden Querschnitt durch die Schaffensphase der Band feil. Dabei wirkt die Band eigenspielt, wobei die jahrelange Erfahrung als gekonnter Liveact merkbar zum Zuge kommt. Ein sehr solider Auftritt, der durchaus etwas mehr Zuspruch seitens des Publikums verdient gehabt hätte. (Steph Bachmann).


Am Samstag um 16:00 Uhr eröffnet dann auch die Hauptbühne für den zweiten Tag des Ruhrpott Metal Meetings. Was könnte besser zum Start geeignet sein als eine der energetischsten Thrashbands, die die Bühnen dieser Welt beackern? Death Angel werden schon beim Intro mit Sprechchören begrüßt – Thrash im Ruhrpott eben, das ist immer ein bisschen wie beim Fußball – legen aber, vielleicht der frühen Tageszeit geschuldet, mit “Father Of Lies” vom aktuellen Album für ihre Verhältnisse fast ruhig los. Die Truppe ist gerade auf Tournee mit Annihilator und Testament. Wahrscheinlich ist der Bio-Rhythmus deswegen bei ihnen um diese Zeit eigentlich noch auf Kaffee und Frühstück eingestellt, Marc wünscht dem Publikum jedenfalls erst mal einen guten Morgen. Mit “The Dream Calls For Blood” wird es fixer, aber so ganz ist der Moshpit noch nicht. Die Jungs auf der Bühne sind es schon, Marc frühstückt erst einmal einen Schluck aus der Gin-Flasche, bevor es mit “Claws In So Deep” weiter geht. Der Gin hat wohl seine Energie (oder Promille) auf den Moshpit übertragen, dieser wird merklich wilder und die Power treibt wiederum die Band an. Marc feuert die Menge an, alles zu geben, das Intro von “The Ultra-Violence” (warum spielen die eigentlich fast nie den ganzen Song?) tut ein Übriges, damit dann zu “Thrown To The Wolves” amtliches Chaos in der Halle ausbricht. Der geneigte Thrasher macht nun dort weiter, wo er gestern Abend bei Overkill aufgehört hat. Der Gin muss mit Quasselwasser gestreckt sein, oder Marc hat ein so starkes Mitteilungsbedürfnis, dass man in dem Song eine Pause einlegt, bei dem der Moshpit aufgefordert wird, noch wilder zu werden. Kaum bearbeiten Rob Cavestany, Ted Aguilar – dieser mit einer saucoolen LED-Gitarre – Damien Sisson und Will Carrol wieder ihre Instrumente, wird der Aufforderung gern nachgekommen. Mit “Mistress Of Pain” geht es zurück zum ersten Album, Crowdsurfer fliegen zu der mächtigen Version durch die Turbinenhalle, die Messlatte für die Tournee-Kollegen wurde gerade sehr hoch gelegt. So muss Thrash Metal sein. Mit “Seemingly Endless Time” wird es nun etwas grooviger. Gut, es sollen ja nun heute noch ein paar Bands spielen, da muss noch ein bisschen von der Halle stehen bleiben und man kann nicht alles direkt abreißen. Mit “The Moth” gibt es den Opener der aktuellen Platte als Rausschmeißer und man fragt sich, warum diese Show schon vorbei ist. Gefühlt hat die Band doch erst fünf Minuten gespielt. Auf diesem Level kann der Tag gerne weitergehen. (Jens Wäling).


Nach einem tollen Auftritt von Death Angel auf der Ruhrpott Stage, ist es für Erazor auf der Flöz Stage alles andere als einfach, die Messlatte oben zu halten. Das trashige Black Metal Gedresche (die Band Homepage heißt nota bene auch gedresche.de) war sichtlich nicht jedermanns Sache. Nichtsdestotrotz kämpfen sich die fünf Lokalmatadoren sehr gut und qualitativ hochstehend durch ihren Gig. Die Band hat während ihres mittlerweile zwölfjährigen Bestehens neben zwei Demos auch zwei Longplayer, „Erazor“ (2010) und „Dust Moments“ (2015) veröffentlicht. Speziell das aktuelle Album „Dust Moments“ ist ein echter Knaller und einige Songs dieses Werks kommen heute live in einem sehr kompakten Kleid daher. Die Band agiert tight und sehr spielfreudig. Generell ist der Sound vor der Flöz Stage deutlich besser und transparenter als jener auf der etwas größeren Ruhrpott Stage gleich nebenan. Auch wenn die Publikumsreaktionen etwas zurückhaltend sind, gibt die Band amtlich Vollgas und nutzt die 45 Minuten Spielzeit, um gute Eigenwerbung zu betreiben. Mir hat der Gig gefallen und ich werde dem Quintett definitiv eine Chance auf Tonkonserve geben. Cooler Auftritt! (Steph Bachmann).


Die Schotten von Gloryhammer sind nun wirklich nicht mein Ding. Diese cheesige keyboardlastige Metalschiene will bei mir einfach nicht zünden. Aufgrund der Kostüme der Bandmitglieder wähnt man sich eher in einer Karnevalsveranstaltung, als auf einem Metal Konzert. Die Mehrheit des Publikums vor der sehr gut gefüllten Ruhrpott Stage findet den Auftritt von Gloryhammer gut und feiert die Band regelrecht ab. Die Performance und die Bühnenpräsenz der Band sind sehr gut und sogar der Sound auf der Ruhrpottstage ist okay. Es wird dabei ein repräsentativer Querschnitt durch die zwei bisherigen Veröffentlichungen geboten, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem aktuellen Longplayer „Space 1992: Rise Of The Chaos Wizards“ liegt. Da gleichzeitig Erazor und Phantom Corporation auf der Flöz Stage nebenan spielen, widme ich mich lieber dem Geballer dieser beiden Bands. (Steph Bachmann).

Setlist: Infernus Ad Astra; Rise Of Chaos Wizards; Legend Of The Astral Hammer; Hail To Crail; Questlord Of Iverness, Ride To The Galactic Fortress; Goblin King Of The Darkstorm Galaxy; The Hollywood Hootsman; Angus McFife; Universe On Fire; The Unicorn Invasion Of Dundee.


Phantom Corporation sind für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt. Das Quartett um Dew-Sentenced Sänger Leif Jensen und ex-Dew-Sentenced Drummer Marc-André Dieken prügeln gleich von Beginn weg amtlich los. Die Mehrheit des Publikums hat dies jedoch wenig interessiert, denn die Reihen sind doch recht licht und nicht einmal die erste Reihe ist vollständig belegt. Trotzdem ist amtlich Bewegung auf der Bühne angesagt und unsere Gehörgänge werden mit durchwegs gutem Death Metal kräftig durchgeblasen. Im ersten Teil des Sets liegt das Schwergewicht auf dem 2016er Demo „Final Commandment“, währenddem im zweiten Teil auch neuere Songs zum Zuge kommen. Mir haben Erazor klar besser gefallen, als Phantom Corporation und so nutze ich die Zeit zur Futteraufnahme und um einem Blick auf Gloryhammer zu werfen, die gleichzeitig auf der Ruhrpott Stage spielen. (Steph Bachmann).


Die Rheinländer von Orden Ogan heizen als nächste Band auf der Ruhrpott Stage ein. Die Band startet mit dem Bandklassiker „To New Shores Of Sadness“ vom 2008er Album „Vale“ und legt mit „F.E.V.E.R.“ vom 2015er Album „Ravenhead“ nach dem Geschmack der Fans sehr turbulent los. Erst dann geht man zum aktuellen Album „Gunmen“ über und präsentiert den Titeltrack des Albums. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands dieses Festivals kommen lediglich zwei aktuelle Songs zum Zuge, so dass die Band trotz ihrer limitierten Spielzeit von 50 Minuten einen durchaus repräsentativen Querschnitt durch ihrer mittlerweile zwanzigjährigen Schaffensphase vorzeigen kann. Dem Publikum vor der gut gefüllten Ruhrpott Stage hat es jedenfalls gefallen und die Stimmung auf und vor der Bühne war ausgezeichnet. Nach dem 2010er Klassiker „We Are Pirates“ (Running Wild lassen kräftig grüßen) beschloss „The Things We Believe In“ vom „To The End“ Album einen soliden und guten Auftritt. (Steph Bachmann).

Setlist: To New Shores Of Sadness; F.E.V.E.R.; Gunmen; Deaf Among The Blind; Come With Me To The Other Side; Forlorn And Forsaken; We Are Pirates; The Things We Believe In.


Auf Despair darf man dann sehr gespannt sein, spielt die Band um Mastermind Waldemar Sorychta auf der Flöz Stage ihren ersten Gig seit der Auflösung 1993. Die Band hat heutzutage ein ganz neues Gesicht, ist doch neben Waldemar nur noch Drummer Markus Freiwald vom ursprünglichen Line-up mit dabei. Hinter dem Mikro steht kein geringerer als Morgoth Sänger Marc Grewe, der jedoch zu keiner Zeit als Fremdkörper wirkt. Trotz der umarrangierten Songs der 80er und frühen 90er Jahre legt das Quartett einen respektablen Gig auf die Bretter, den die interessierte Meute gierig aufsaugt. Speziell Bassist Marius Ickert sorgt für zahlreiche offene Mäuler. Unglaublich was der Kerl heute basstechnisch auf die Bühne zaubert! Die Band brettert sich gekonnt und sehr solide durch ihren 50 minütigen Set, dessen Highlight ein abschließender Klassiker im Original Line-up darstellt. Dieser Song wird mit Ur-Basser Klaus Pachura und Sänger Andreas Henschel zum besten gegeben, wobei ein großes Foto, welches über die Gitarrenboxen geklebt wurde, an den 2013 verstobenen Gitarristen Marek Greschke erinnert. Ein toller Abschluss eines sehr guten Auftritts, der hoffentlich ein guter Start in die neue Phase von Despair eingeläutet hat. (Steph Bachmann).


Annihilator liefern für mich den geilsten Set des ganzen Festivals ab. Die Frischzellenkur, der sich Jeff Waters mit seinen Jungspunden aktuell unterzieht, steht der Band ausgezeichnet zu Gesicht. Die Halle ist jedenfalls bis zum Bersten gefüllt, als das Quartett aus Kanada die Bühne mit dem aktuellen Song „One To Kill“ entert. Der Sound war für Turbinenhallenverhältnisse gut, und die Band agiert sehr tight und eingespielt. Die Saitenfraktion ist über den ganzen Gig hinweg permanent in Bewegung und sorgt für amtlich Alarm auf der Bühne. Dazu kommt eine Setlist, die im Vergleich zur weitgehend ausverkauften, aktuellen Tour mit Death Angel und Testament um zwei Klassiker („Annihilator“ und „Human Insecticde“) erweitert wird und die einem die Tränen in Augen treiben will. Der Menge wird ein toller Querschnitt der Schaffensphase der Band präsentiert. Aufgrund des starken aktuellen Albums fallen die neuen Songs im Vergleich zu den Klassikern qualitativ nicht ab, auch wenn die Publikumsresonanz bei diesen Songs deutlich zurückhaltender ausfällt. Die Band hat amtlich Spaß in den Backen und der Funke springt sofort auf das Publikum über. Eine solch gute Publikumsresonanz werden nicht einmal Testament einheimsen können. Ein Band, die ihren Set mit einer Triplette bestehend aus „Alison Hell“, „Phantasmagoria“ und „Human Insecticide“ abschließen kann, muss sich vor keiner Konkurrenz fürchten! (Steph Bachmann).

Setlist: Crystal Ann; One To Kill; King Of The Kill, Annihilator; No Way Out; Set The World On Fire; W.T.Y.D.; Twisted Lobotomy; Alison Hell; Phantasmagoria; Human Insecticide.


Nach der energiegeladenen Annihilatorshow geht man fix in die kleine Halle hinüber, um sich zumindest noch die zweite Halbzeit vom Ruhrpott Original Thomas S. aus Buer in Westfalen, besser bekannt als Onkel Tom Angelripper, anzusehen. Als ich ankomme, ist man gerade bei der Eigenkomposition „Bon Scott Hab Ich Noch Live Gesehen“, die auch wie die Sauflieder lautstark mitgesungen wird. Danach geht es zurück zu den ersten Platten der Truppe mit Trinkliedern, die durch den Thrash-Wolf gedreht werden. Der Bierpegel der Anwesenden, meiner auch, ist mittlerweile passend für Nummern wie „In München Steht Ein Hofbräuhaus“ oder „Es Gibt Kein Bier Auf Hawaii“. Hier geht es nun vor allem um den Spaß an der Freude. Toms Band, allen voran Gitarrist Celli (Crossplane) und Drummer Korni grinsen um die Wette. Tom selbst ist mit einem Trinkhorn bewaffnet, war allerdings schon mal besser drauf. Wahrscheinlich hat er sich vor der Show noch das 1:1 seiner Schalker gegen die Gladbacher Borussia angeschaut. In seinem Alter sollte er auch das Schalke-Fan sein besser mal mit seinem Kardiologen abklären…. Das Publikum ist dennoch begeistert, die Flöz-Stage ist damit „ausgetrunken“ und es geht auf der Hauptbühne weiter. (Jens Wäling).


Nach Annihilators Triumphzug liegt die Messlatte für Doro verdammt hoch. Die Halle bleibt weiterhin gut gefüllt, und der Blondschopf aus Düsseldorf war keineswegs gewillt, klein bei zu geben. Mit ein paar wenigen Ausnahmen (z.B. „Raise Your Fist In The Air“, „Wacken Hymne“ oder „Revenge“) soll der heutige Abend mit einer Setlist aus lauter Warlock Klassikern bestückt sein. In diesem Sinne geht es auch mit „I Rule The Ruins“ los. Die Band mitsamt Frontfrau ist von Beginn an in bester Spiellaune und Doro gewohnt bestens bei Stimme. Speziell bei den zahlreichen Warlock Klassikern („Burning The Witches“, „Hellbound“ oder „Eat Meets West“) ist  die Stimmung im Publikum sehr gut, auch wenn man bei weitem nicht an Annihilator herankam, und auch gegen Testament den Kürzeren ziehen soll. Nichtsdestotrotz spielt die Band einen musikalisch astreinen Gig und sowohl Band wie Publikum hat sehr viel Spaß. Bei den wenigen Doro Songs flacht die Stimmung im Publikum jedoch deutlich ab. Da am Ruhrpott Metal Meeting eher die härtere Gangart im Fokus steht, hätte sich Doro die Ballade „Für Immer“ diesmal wirklich schenken können. Gegen Ende des Sets packt man noch eine Coverversion von Priests „Breaking The Law“ aus, wobei Jeff Waters von Annihilator die Axt auf der Bühne schwingt und Doro doch gleich die Show stehlen will. Das abschließende „All We Are“ demonstriert dann nochmals eindrücklich, wofür Warlock früher standen, nämlich geilen und eingängigen Metal. Als Zugabe wurde dann eine tighte Version von „True As Steel“ zum Besten gegeben, bevor „Revenge“ einen guten Auftritt beenden soll. Alles in allem ein solider und guter Auftritt, obwohl viele Anwesende lieber Annihilator oder Death Angel auf diesem Slot im Billing gesehen hätten. (Steph Bachmann).

Setlist: I Rule The Ruins; Raise Your Fist In The Air; Burning The Witches; Fight For Rock; Hellbound; East Meets West; Earthshaker Rock; Für Immer; Wacken Hymne (We Are The Metal Heads); Breaking The Law; All We Are; True As Steel; Revenge.


Am Ende eines sehr gelungenen zweiten Tages beim Ruhrpott Metal Meeting 2017 freue ich mich als 80er-Jahre-Veteran nach so tollen Bands wie Death Angel, Annihilator und ja Doro (rockt live immer noch wie Sau, Hut ab!) auf mein persönliches Highlight Testament. Und ich werde nicht enttäuscht. Die Setlist, unterbrochen von für mich persönlich durchaus nicht langweiligen Soli der einzelnen Musiker, stellt eine Zeitreise durch die Bandgeschichte dar. Insgesamt vier Stücke vom aktuellen Album, dem Titelsong “Brotherhood Of The Snake” als Opener, sind sicherlich nicht übertrieben und lassen eingestreut zwischen Thrashmetal-Klassikern wie “Into The Pit” oder “First Strike Is Deadly” Platz für einen Strauß aus bunten Melodien ihres Schaffenswerks. Im Ernst: die Zeitreise macht nicht nur mir als altem Sack Spaß, sondern sollte auch dem jüngeren, geneigten Zuhörer einen schönen Überblick über mehr als 30 Jahre Testament geben. Eine tolle Show, in der der sehr präsente Frontman Chuck Billy und der Gitarrenvirtuose Alex Skolnick einmal mehr herausstechen. Das Warten hat sich gelohnt, Testament sind für mich der krönende Abschluss eines geilen Ruhrpott Metal Meetings 2017. (Wolfgang Haupt).

Autor: Steph Bachmann, Jens Wäling, Wolfgang Haupt, Joxe Schaefer
Pics: Wolfgang Haupt, Joxe Schaefer