MEGADETH – same
Nach 17 Studioalben und mehr als 50 Millionen verkauften Tonträgern setzt Dave Mustaine nun einen Schlussstrich unter seine über 40 Jahre andauernden Karriere. Neben einem aus privaten Gründen bedingten Rückzug aus dem Business, gibt der Ausnahmegitarrist auch gesundheitliche Probleme an. Eine chronische Entzündung in seiner linken Hand wird ihm auf lange Sicht das Gitarrenspiel unmöglich machen. Nach einer ausgiebigen Tour soll dann endgültig Schluss sein. Um es vorweg zu nehmen: das selbst betitelte Abschiedsalbum ist ein würdiger Abschluss einer beispiellosen Karriere mit ausnahmslos allen Höhen und Tiefen. Nach dem enttäuschenden „Super Collider“ (2013) kam man mit den letzten beiden Studio Alben nach und nach wieder in die Spur.
Das rasante und doch komplexe „Tipping Point“ ist der perfekte Opener und zeigt, dass die Thrash Metal Legende „still alive and well“ ist. Auch das leicht punkige „I Don’t Care“ fügt sich nahtlos ein. Speziell bei den Gitarrenduellen zeigt sich, dass mit dem Wintersun Gitarristen Teemu Mäntysaari ein dicker Brocken ins Netz gegangen ist. Der junge Finne ist doch glatt der beste Sidekick an der zweiten Gitarre seit Marty Friedmann. Das ironisch klingende „Hey God“ ist dann eher im Midtempo angesiedelt, aber dennoch bandtypisch. Wer möchte angesichts der aktuellen Weltlage nicht nach Gott rufen…? Übrigens klingt Dave hier fast wie Alice Cooper. „Led There Be Shred“ ist dann wieder ein urtypischer Uptempokracher der Neuzeit, wofür wir alle auch die „späten“ Megadeth lieben. Mit „Puppet Parade“ und dem noch melodischeren „Another Bad Day“ wird der Bandsound der früheren und mittleren Neunziger gehuldigt. Spätestens hier merkt man, dass der Gesang von Dave sich nach der Krebserkrankung wieder stark verbessert hat und er auch auf Albumlänge hervorragend singt.
Apropos „Countdown To Extinction“, hier wurde der Signature Sound für Songs wie „Another Bad Day“ (der Refrain geht einem nicht mehr aus dem Kopf) oder „I Am War“ (dito) bereits 1992 entwickelt. Trotz hohem Wiedererkennungswert und sehr melodischer Ausrichtung verhindert das hypnotische Riffing, der Groove und oft gegenläufige Gitarrenmelodien (beinahe „schizophren“), dass die Kompositionen verwässern oder gar zu reinen Balladen werden. Bei „Made To Kill“ wird noch ein letztes Mal die Axt ausgepackt. Ein knackiges Drumintro eröffnet diesen Song. „Obey The Call“ ist sehr düster und schleppend, klingt geradezu militärisch. Die zweite Hälfte gerät dann musikalisch zur Raserei und bildet einen gelungenen Übergang zum abermals melodischen, aber stoischen „I Am War“. „The Last Note“ ist der letzte reguläre Song und textlich sehr persönlich ausgefallen. Ein weiterer Midtempotrack mit gesprochenem Intro und Outro samt Akustikgitarre. Passend hierzu der „Flamenco Part“ im Mittelteil. Diskussionswürdig ist sicherlich das Cover von „Ride The Lightning“, an dem Dave damals anscheinend maßgeblich kompositorisch beteiligt war. Für den Verfasser dieser Zeilen ist es ziemlich erfrischend, diesen Klassiker mal mit „schrägem“ Gesang zu hören. Diese wahrscheinlich blasphemische Aussage sei ihm verziehen, da er nicht zu den allergrößten Metallica Fans der Welt gehört. Ob man das so machen kann, oder darf, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aus Ermangelung an echten Krachern in der zweiten Hälfte der Scheibe ist das Metallica Cover aber durchaus willkommen. Dies wäre dann aber auch der einzige Kritikpunkt.
Im Vergleich zu den Vorgängeralben hat „Megadeth“ wieder eine größere Hitdichte als zuletzt, und auch die Produktion ist transparenter und druckvoller geraten. Daves Stimme klingt nicht mehr so gepresst. Eigentlich ist der Rücktritt zehn Jahre zu früh, denn in dieser Form dürfen die Jungs gerne noch ein wenig weitermachen.
Wertung: 9/10
Autor: Michael Staude
| Label: | BLKIIBLK |
| VÖ-Datum: | 23.01.2026 |
| Running Time: | 47:13 |
| Format: | CD, Vinyl, Mp3, Tape |
Erhältlich bei:
Idiots Records


