VICIOUS RUMORS

Dortmund, Cafe Banane, 17.06.2026


Vor noch nicht so langer Zeit haben wir Vicious Rumors im Don’t Panic zu Essen live gesehen, natürlich laut und elektrisch. Heute hat sich die Band ihre Barhocker ganz hinten vor dem Terrassenausgang des engen Cafe’s Banane aufgestellt, die daher geschlossen bleibt, um die Nachbarn nicht mehr als nötig zu belästigen. Aber soo laut wird es heute auch nicht, ist ja schließlich eine Akustikshow, übrigens die europaweit einzige überhaupt. Der Einlass beginnt schon um sieben Uhr und wir können schon mal ein zünftiges „Hellrazor“ im Soundcheck genießen. Dann um Viertel nach acht ergreift Bandleader Geoff für eine Ansage das Wort und erklärt, dass es noch immer ein Rock Konzert sei und ruft seine Bandmates einzeln auf die Bühne. Im Weiteren handelt es sich dabei um Wyatt Cooper Percussion, Denver Cooper Gitarre, Robin Utbult Bass und an den Vocals Chalice. Aus bekannten Gründen ist Drummer Larry nicht mehr mit dabei. Die Band sitzt nun anständig und brav vor der Fensterwand, während niemand aus dem Publikum in der Mitte stehen und den außen Sitzenden die Sicht versperren will.

Der Sound ist gut und der typische Vicious Rumors Stil ist trotz fehlender Verzerrung voll erkennbar. Der Fünfer spielt „Digital Dictator“ als erstes und gleich danach „Abandoned“. Dazu gibt Geoff an, der alle Ansagen tätigt, es nicht mehr erwarten zu können, wieder an die elektrischen Gitarren zu kommen. Ein Song wie „You Only Live Twice“ beginnt zwar nicht laut, schreit aber dann danach, oder anders herum gefragt, welchen Song dieser Band ruft laut nach einer akustischen Performance? Genau, nämlich keiner! Der Applaus fällt jeweils mehr als höflich aus, für einen Abend in mitten der Woche gar nicht mal so schlecht. Auch die Aufforderung an alle Anwesenden, mal zu brüllen, klappt prima. Im Anschluss an „Murder“ vom ersten Album erfahren wir, dass „March Or Die“ definitiv noch nie mit Akustikgitarren gespielt worden sei. Nach „Ship Of Fools“ sprechen sie vom 14. Studioalbum und spielen davon „Dogs Of War“, in dem Geoff einige Vocals mitsingt. Sein Sidekick Denver an der zweiten Gitarre zockt die Soli inbrünstig, als ginge es um sein Leben.

Auch wenn man nicht so auf unplugged steht, muss man zugeben, eine coole Show gesehen zu haben, bei der man besser anwesend war. Am Wochenende will man noch auf dem Graspop in Belgien spielen, gibt Geoff an, doch dem Kalender nach müssten sie vorher auch noch in Osnabrück anhalten. Nach dem Track „Down To The Temple“ war die Show dann kurzfristig vorbei, das musste es dann wohl gewesen sein. Es gehen die Türen wieder auf und endlich kommt wieder Luft in die Bude. Gut eine Stunde unplugged – für eine großartige Band mit noch großartigeren Songs konnte man diese Erfahrung mal machen.

Autor & Pics: Joxe Schaefer