MORTY PILOT, MASACRE, THE NIGHT ETERNAL, KNIFE
Essen, Turock, 04.07.2026
Das Riesenbackdrop kündigt es an, Knife legen als Opener los, die wir wesentlich weiter hinten im Programm erwartet haben. Der Laden füllt sich noch, aber dennoch herrscht schon gut Stimmung vor. Ein Pit bildet sich auch sehr früh, ein sicheres Zeichen, dass die Hessen hier und heute viele Freunde vereinigen konnten, und auch dafür, much too soon aufspielen zu müssen. Aushilfsbasser Jannik passt auch ganz gut zur Band, spielt aber sonst bei Dust Bolt und Insomniak. Knife wirken auch auf dieser Bühnengröße, gestern in Epe war es etwas enger. Im Turock wird heute noch Geburtstag gefeiert, weswegen der obere Bereich für Normalsterbliche gesperrt war. Blöd nur, dass wir deswegen zunächst keinen Kaffee bekamen, den es halt nur oben gibt. Doch da konnte man noch etwas arrangieren. Schwein gehabt. Shouter Vince pusht die Meute und poliert im Acting seinem Schweizer Freund die Glatze, der fast alle Konzerte der Band besucht und dabei immer Stagefront Mitte steht. Wahrscheinlich wird hinter dem Tresen auch gerempelt, weil mittendrin ist irgendjemand an den Schalter für das Putzlicht gekommen, das für eine Zeit die Hütte brutal erhellt. Das ganz neue „Nightmare“ vom nächsten Album wird ebenfalls wie gestern angekündigt, während man das markante „White Witch Black Death“ sofort erkennt. Dafür bekommt Essen das Whiplash Cover wohl aus Zeitgründen nicht. Nach zweiundvierzig Minuten übernimmt eine Rückkopplung den Ausklang.
Wer der neuen Platte von The Night Eternal schon mal lauschen durfte, der weiß, das Teil wird amtlich aufmischen und die Ruhrpottler deutlich weiter nach vorn bringen. Natürlich werden davon ein paar neue Stücke schon gespielt, und eine der Auskopplungen wird von den Fans bereits mitgesungen. Sänger Ricardo, mal wieder mit einer offensichtlichen Beinverletzung auf den Brettern, kommentiert die Reaktion mit „wie geil ist das denn?“ Auf seine Frage, ob wir Bock auf ein fettes Drumsolo haben, hätte die Antwort so oder so ausfallen können, das wäre wahrscheinlich eh gebracht worden. Die Stimmung ist sehr gut. Nur macht eine Auftrittszeit von bloß fünfunddreißig Minuten schon den Eindruck, eingekürzt worden zu sein.
Wer den Leif kennt, der mal bei Dew Scented geshoutet hat, weiß auch, dass er mal in Kolumbien gewohnt hat. Darauf weist er in seiner Ansage für den Headliner des heutigen Abends auch hin, bevor er die Bühne für Masacre aus Medellin freigibt. Nach dem Intro bekommen wir es nun mit einer der ältesten Death Metal Bands aus Südamerika zu tun, in der an den Posten Gitarre und Vocals noch Originalmitglieder aus 1988 dabei sind. Juan und Alex haben durch Jorge, Wilson und Alvaro drei weitere Members, mit denen sie in dieser Band schon sehr viele Jahre zusammen spielen. Ihre groovige Urgewalt füllt den Raum und der Fünfer haut ins Mett. Es knallt und ballert hier im Stall, der Funke springt über und Masacre-Rufe erschallen unüberhörbar. Der Fünfer kann was, Pits entstehen und offensichtlich sind alle froh, einem ihrer seltenen Konzerte in unseren Breiten beiwohnen zu können. Zum 1989er Demotrack „Imperio Del Terror“ entsteht dann der Megapit, klar, geht nicht mehr anders. Alex stiftet noch ‚Deaf Metal Forever‘ Rufe an, die drei plakativen Worte stehen auch als Backprint auf ihren Shirts am Merch. Den Gästen gefällt das und es werden deutlich Masacre-Rufe laut. So gehört das Vinyl abgegriffen, welches hier natürlich available ist, denn es wurde reichlich Merch aufgefahren. Doch es muss nach fast einer Stunde Spielzeit Schluss sein, denn eine Band steht noch an, bis weiter in die Nacht für den musikalischen Rahmen zu sorgen.
Wer die Nachspieler und Eigeninterpretierer von Morty Pilot schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass sie nicht einfach bloß eine weitere Coverband sind, die zum drölfzigsten Mal die selbe vorhersehbare Setlist von „Breaking The Law“ und „Jump“ bis „Summer Of 69“ runterdudeln. Statt dessen bekommen wir ab halb zwölf geschmackssichereres Zeug wie Dios „Rainbow In The Dark“, oder die „Wrecking Crew“ von Overkill. Außerdem haben die Oldenburger auch deftigeres Material wie „Inner Self“ von Sepultura am Start, für das die Jungs auch die Roughness haben.
Autor & Pics: Joxe Schaefer

