ANTHRAX – cursum perficio
Glatte zehn Jahre sind seit dem letzten Longplayer der New Yorker Mosh-Könige vergangenen, und jetzt liegt Anthrax Album Nummer 13 mit seit dem Vorgänger unverändertem Line-up endlich vor. Zunächst fällt das recht ungewöhnliche Cover-Artwork ins Auge. Ein surrealistisches Gemälde, das optisch so gar nicht zur Band passen will, bei genauerem Betrachten aber einige Verweise auf die Cover vergangener Platten enthält. Am deutlichsten wird dies bei der Uhr von „Persistence Of Time“. Dieses Album dient auch sehr gut als Referenz für den musikalischen Einstieg von „Cursum Perficio“, denn der Opener nach dem Intro „Persistence Of Memory“ ist ebenso wie besagtes 1990er-Album eher zurückhaltend, überzeugt aber durch seine Hooklines. Die folgenden drei Songs wurden bereits vorab veröffentlicht. „It’s For The Kids“ ist mein Highlight der Scheibe, geht ab wie Sau und enthält einen Moshpart, den Anthrax zu ihren besten Zeiten kaum besser hinbekommen hätten. Grandios! Leider hat dieser Song, der als erster der Vorab-Auskopplungen auf die Menschheit losgelassen wurde, die Erwartungen aber auch ein wenig zu hoch geschraubt. Das immer noch flotte „Everybody’s Got A Plan“ ist nicht mehr ganz so stürmisch, überzeugt aber ebenfalls auf voller Linie, und auch das vielschichtige, teils recht atmosphärische „The Edge Of Perfection“ punktet. Danach flacht das Album leider ein wenig ab und bietet zwar gutklassigen, aber eher unspektakulären Standard. Die Qualität ist da, aber so richtig hängen bleibt eigentlich nichts. Einen Kontrast setzt noch einmal „Watch It Go“, der härteste und schrägste vertretene Song. Dieser beginnt mit einem brachialen, extrem stumpfen Riff, welches dann zunächst asynchron zu den Gesangslinien und den ebenso brachialen Drums läuft, bevor sich beim Refrain alles wieder trifft. Später kommen noch ein paar ganz gute Mosh-Parts dazu, aber insgesamt find ich den Song eher schwierig. Da haben andere schon deutlich erfolgreicher mit Dissonanzen gearbeitet. Das abschließende „My Victory“ ist wieder deutlich eingängiger geraten, aber auch eher unspektakulär. Nach zehn Jahren Pause und den wirklich sehr starken Vorabsongs hatte ich irgendwie gehofft, dass Anthrax mit „Cursum Perficio“ ganz vorne beim Rennen um das Album des Jahres mitmischen würden, aber dafür hätte die gesamte Scheibe das Niveau der ersten vier Songs (Intro nicht mitgezählt) halten müssen. Von einer Enttäuschung kann man aber nicht sprechen, denn die grundsätzlichen Trademarks sind vorhanden. Scott Ians unverkanntes Riffing sitzt, Joey Belladonna ist gut bei Stimme und an der Produktion gibt es auch nichts zu meckern. Knappe acht Punkte kann ich hier insgesamt guten Gewissens vertreten.
Wertung: 8/10
Autor: Felix Schallenkamp
| Label: | NUCLEAR BLAST RECORDS |
| VÖ-Datum: | 18.09.2026 |
| Running Time: | 53:43 |
| Format: | CD, Vinyl, Mp3 |
Erhältlich bei:
Idiots Records


