MEGA COLOSSUS – watch out
Die mega-sympathischen Jungs aus Raleigh/North Carolina sind einfach zu gut, um ignoriert zu werden. Das gilt sowohl an der Livefront, wie die jüngste Tour erneut beweist, als auch mit dem gerade erschienenen Album „Watch Out!“ Beschäftigt man sich eingehender mit ihrem bisherigen Schaffen, stellt man fest, dass von Veröffentlichung zu Veröffentlichung eine Weiterentwicklung einherging, ohne den Bandsound zu verwässern. Diese Entwicklung fand mit dem starken Vorgänger „Showdown“ (2024) seinen vorläufigen Höhepunkt. Nach wie vor zelebrieren Mega Colossus weiterhin ihren „Adventure Metal“ und heben sich wohltuend von anderen Bands des US Metal Genres ab. Stets melodisch, positiv, mal komplex, mal heavy, spieltechnisch auf höchstem Niveau … so kann es gerne weiter gehen! Aufgeblasene Produktionen sind ebenfalls Fehlanzeige.
Los geht die musikalische Tour de force mit dem zunächst schleppenden „The Bad Thing“, das sich glücklicherweise nach gut anderthalb Minuten in eine Uptempo Nummer a la „Razor City“ mausert. Zugegeben, ein etwas sperriger Anfang, mit dem man aber recht schnell seinen Frieden macht. „Battle Front“ ist dagegen eine urtypische Bandhymne und zurecht die erste Single-Auskopplung. Dieser Song enthält alles was ein Mega Colossus Hit ausmacht: Cooles Eröffnungsriff, ein etwas vertrackter Rhythmus, großer Refrain, tolle Gitarrenarbeit und das Ganze im gehobenen Tempo. Beim folgenden „Tag Your Friend“ wird das Tempo sogar noch ein wenig mehr angezogen und schlägt in dieselbe Kerbe. „Good Hunting“ ist ein richtiger Gute-Laune-Song, der umgehend ins Ohr geht. Große Melodien und durchdachte Instrumentalparts lassen auch bei einer über siebenminütigen Laufzeit keinerlei Langeweile aufkommen.
Dieser Trend setzt sich auf der B-Seite fort. Hier tummeln sich gleich drei weitere Songs mit längeren Laufzeiten und komplexen Strukturen. Die letzten beiden Kompositionen sind wohl das, was man allgemein unter einem „Grower“ versteht. Aber der Reihe nach. Zunächst wird mit dem höchst melodischen „The Halls Of Mystikos“ erneut in Classic Rock Gefilden gewildert. Der Leadgesang übernimmt übrigens zum ersten Mal Bassist Anthony Micale. Dieser macht seine Sache ausgesprochen gut und fügt dem Klangkosmos des Kolosses eine weitere Nuance hinzu. Der Publikumsliebling „Wicked Road“ vom letzten Longplayer „Showdown“ ist ein guter Anhaltspunkt. An dieser Stelle ist es mal umgekehrt: die Heavy Parts sind die „Zutaten“ in einem Classic Rock Song. Nicht anders herum! Recht verhalten, beinah balladesk, beginnt „Here Lies You“ und nimmt nur langsam an Fahrt auf. Der schöne Mittelteil und das tolle Gitarrensolo machen dann aber diese ungewöhnliche Nummer ebenfalls zum Gewinner. Übrigens hat dieser Song live ganz vorzüglich funktioniert . Wie auch das abschließende „Bloodless“, welches übrigens mit weit über acht Minuten nicht nur der längste Song des Albums ist, sondern auch der zweitlängste ever. Hier werden ebenfalls keine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, dafür ist dieser Albumrausschmeißer wieder bandtypischer und heavier ausgefallen. Zum Ende hin werden die wunderschönen Gitarrenharmonien fast maidenmäßig in die Länge gezogen und lassen den Zuhörer etwas ratlos zurück. Irgendetwas fehlt zum Schluss … ein richtiger Kracher zum Beispiel. Live im Don’t Panic zu Essen wurde übrigens die gesamte B-Seite live dargeboten, was super funktioniert hat. Damit es dann aber nicht zu entspannt wurde, folgte das alles zerstörende „Razor City“ als Zugabe.
Daher gibt es im Albumkontext leichte Abzüge in der B-Note. Natürlich trotzdem kaufen! Am besten im Coloured-Vinyl mit Poster, Download Code und allem Pipapo. Hier stimmt das Gesamtpaket! Die Jungs haben eure Unterstützung verdient … und keiner von ihnen zählt zu den MAGA-Spinnern oder hat sich despektierlich über die Demonstranten in Minneapolis in den sozialen Medien geäußert. Aber das nur am Rande …
Wertung: 8,5/10
Autor: Michael Staude
| Label: | CRUZ DEL SUR MUSIC |
| VÖ-Datum: | 06.03.2026 |
| Running Time: | 44:10 |
| Format: | CD, Vinyl, Mp3 |
Erhältlich bei:
Idiots Records


