NAPALM DEATH, WHIPLASH, VARUKERS, DOPELORD
Hamburg, Gruenspan, 14.02.2026
Ausgerechnet auf dem Liebchentag stoppt dieser Tourtross in Hamburg. Hier im Gruenspan kommen heute Menschen zusammen, die ihrer Zuneigung zu guter Musik zu feiern wissen. Wer auch immer diese bunte Mischung der Bands zusammengestellt hat, etwas Durchschnittliches oder gar Arschbombiges ist nicht dabei. So eröffnet Dopelord aus Polen den Abend, schön mit Mondoberflächenriffs und breitem Gebrate. Das war schon im Vorfeld klar, denn wenn eine Band so heißt, dann werden die Riffs fett ausfallen. Und für die Verhältnisse im Doom und Stoner werden sie auch keinesfalls zu langsam, meist Midtempo und darüber. Jedenfalls kann dazu niemand stillstehen, die vier Bärte on Stage übrigens auch nicht. Gemessen an der Größe ihres Backdrops beackern sie größere Bühnen, jedoch wird die Band zunächst mit sehr wenig Licht bedacht. Aber ihre Sammlungen von Totenköpfen an den Mikrofonständern sind deutlich sichtbar. Basser und Shouter Piotr sagt ein paar schnelle Stücke an, die 80 Bpm (!!) erreichen sollen, und seine hellere Singstimme wird von Growler Pawel an der Gitarre neben ihm unterstützt. Die letzten Anschläge ihres groovigen Urmassakers gehen in Rückkopplungen über, doch auf einmal wars das schon nach dreißig Minuten. Das muss hier wohl alles stramm geplant sein, denn sie stöpseln sofort aus und rollen ihre Kabel auf.
Inzwischen ist es im Gruenspan ganz schön voll geworden, aber die Balkone bleiben trotzdem geschlossen, und es gibt noch immer Tickets an der Abendkasse. Jetzt geht der Punk ab, im wahrsten Sinne. Denn wie eingangs erwähnt, hat heute jede der vier Bands ihre eigene Stilschublade. Mit wesentlich mehr Bewegung in den ersten Reihen, und bei wesentlich mehr Licht übrigens, kloppen die Varukers drauf, etwa so wie wir das von The Exploited kennen. Die seit 1979 Aktiven kommen letztendlich auf siebenunddreißig Minuten Spielzeit. Aber von den nassen Gesichtern, die danach aus den ersten Reihen nach hinten gehen, will sicher kein Schwein etwas über die genaue Spieldauer wissen. Es war jedenfalls zu kurz!
Als das nächste Intro abgespielt wird, sehen wir auf den Brettern zwei weit voneinander aufgestellte Mikrofonständer, wie wir das inzwischen von Whiplash gewohnt sind. Zuletzt gesehen haben wir sie nämlich so im Turock zu Essen, wie auch auf dem Der Detze Rockt Festival. Die New Jersey Thrasher waren der Hauptgrund für unsere Anreise, das dürfen wir vorweg schon verraten. Darüber, was genau die Setlist in laminierter Form zu Füßen von Gitarrist und Shouter Tony Portaro zu bedeuten hat, kann man spekulieren; sie kommt jedoch auf der Tour bestimmt öfter zum Einsatz. Der Dreier kann sich auf erstklassigen Sound berufen und die Speed von „Spit On Your Grave“ schafft ordentlich Bewegung im Pulk. Als „Power Thrashing Death“ durch ist, hat das Chronometer eine Länge von definitiv kurzweiligen siebenundvierzig Minuten gemessen.
Ganz klar hat Napalm Death die geilsten Shirts am Merch, deswegen muss das fett bedruckte Longsleeve für dreißig Öcken häufig die Besitzer wechseln. Sehr faire Shirtpreise hier. Der Mann an den Reglern fährt jetzt sehr viel Licht, weißes Licht. Obersympath und Shouter Barney Greenway, heute wieder in markanten Hosenträgern, läuft und springt als wäre es das letzte Mal. Wahrscheinlich der most running Singer zwischen Birmingham und der Waterkant. Die Menge würde das auch tun, wenn mehr Platz wäre. So sieht man vom Pult aus erstmal nur wippende Köpfe und fliegende Haare, denn beispielsweise das unverzichtbare „Suffer The Children“ wurde heftig betanzt. Barney spricht sehr freundlich mit den Fans und baut in seinen Ansagen deutsche Worte mit ein. Später muss es vorne wohl zu einem kleinen Zwischenfall gekommen sein, denn die Security holt einen Gast nach hinten zum Ausgang. Sofort reagiert und erklärt Barney, es wäre nicht notwendig sich zu prügeln und liefert eine Anti-Rassismus Ansage gleich hinterher. Die Party mit Punkfaktor geht weiter und wir bekommen noch einige sowohl sehr kurze und lange, sowie langsame und schnelle Tracks auf die Ohren. Was eine intensive Show, was eine geile Liveband. Und als was für ein geiler Livegroover sich das Titelstück „Inside The Torn Apart“ offenbart. Ein Konzert für die Ewigkeit, das wir nicht so schnell vergessen! Vielen Dank Hamburg!
Autor & Pics: Joxe Schaefer

