METAL CHURCH – dead to rights

US-Metal Fans haben es dieser Tage gut. Nicht nur, weil sie sehr geschmackssicher unterwegs sind, sondern auch, weil gleich drei legendäre Bands dieses Genres mit neuem Stoff um die Ecke kommen. Den Anfang macht die altehrwürdige Institution aus dem Nordosten der USA. Nach dem traurigen Tod von Übersänger Mike Howe (R.I.P.) war die Band arg ins Straucheln geraten und so verwundert es nicht, dass sich das Bandkarussell wieder einmal gedreht hat.

Gitarrist/Hauptsongwriter/Kämpfernatur Kurdt Vanderhoof, einzig verbliebenes Originalmitglied, möchte es nochmal wissen und hat eine schlagkräftige Truppe um sich geschart, die es in sich hat: Schlagzeuger Ken Mary (u.a. Fifth Angel, Flotsam & Jetsam), Dave Ellefson (Ex-Megadeth!) am Bass und Sänger Brian Allen (Ex-Vicious Rumors). Lediglich Zweitgitarrist Rick van Zandt ist vom letzten Line-up übrig geblieben. Mit dem Verlust von Mike Howe ging eine Kurskorrektur einher: man tendierte fortan in eine deutlich härtere Richtung. Der 2023er Dreher „Congregation Of Annihilation“ war kein schlechtes Album und Sänger Marc Lopez (u.a. Ex- Meliah Rage, Ex- Ross The Boss) hat seine Sache gut gemacht, aber irgendwie konnte man den Richtungswechsel nicht als „Back To The Roots“ verkaufen und die Luft war raus.

Der erneute Neubeginn mutete zunächst an, dass hier eine weitere, seelenlose Supergroup mit „Namedropping“ entstünde. Immerhin spielt der ehemalige Bassist von Megadeth jetzt bei Metal Church. Die zehn neuen Kompositionen sind dann aber doch zu überzeugend und verhalfen übrigens der runderneuerten Band zu einen beachtlichen 13. Platz in den hiesigen Media Control Album Charts. Als besonders cooler Move erweist sich die Verpflichtung von Ex-Vicious Rumors Sirene Brian Allen für den Sängerposten. Vor gut 15 Jahren verhalf dieser den ebenfalls strauchelnden Kaliforniern mit dem  Album „Razorblade Killers“, zumindest für eine Weile, zu einem kleinen Comeback. Und so verwundert es nicht, dass gleich das Eröffnungsdoppel stark an Vicious Rumors erinnert. Dabei hat „Brainwash Game“ alles was einen Metal Church Song ausmacht. Gerade zu charakteristisch sind die Parts, oft im Mittelteil, wo das Tempo gedrosselt wird und sich immer mehr Melodien einschleichen, bis ein Drumfill die Komposition wieder in eine härtere Richtung lenkt. „F.A.F.O.“ ist sogar noch ein bisschen flotter und kommt ohne einen solchen Mittelteil daher. Quick and dirty wie es so schön heißt.

Der Titelsong ist dagegen komplexer, weniger schnell und versprüht noch mehr Metal Church Vibes, weil Brians Stimme hier sehr nahe an die des legendären Ursänger Dave Wayne (R.I.P.) heran kommt. Dass Dave Wayne das selbstbetitelte Debüt (1984) und dessen Nachfolger „The Dark“(1986) eingesungen hat, sollte ein jedes (Metal) Kind wissen! Klugscheisser wissen auch, dass es 1999 ein Comaback-Album („Masterpeace“) mit Dave am Mikro gegeben hat, und welches trotz ausbleibenden Erfolges im Nachhinein gut gealtert ist! Doch zurück zur Gegenwart!

Mit dem folgenden „Deep Cover Shakedown“ schwimmt man sich endgültig von etwaigen Vergleichen mit den bereits erwähnten Kaliforniern frei. Es sind nämlich gerade die langsameren Songs, die das gewisse Etwas bei Metal Church ausmachen. Spätestens hier muss man auch das variable und akkurate Drumming von Neuzugang Ken Mary hervorheben. Auch wenn der Vergleich hinkt: Es ist schön, dass der Gute hier nicht alles in Grund und Boden prügelt wie etwa bei Flotsam & Jetsam, sondern absolut songdienlich agiert und trotzdem kraftvoll zuschlägt…ähnlich wie es einst Kirk Arrington (leider auch schon tot…R.I.P.) vermochte. Im weiteren Verlauf des Albums tummeln sich Songs, die allesamt das Niveau locker halten. Insgesamt bekommt man zehn blitzeblank produzierte Nummern mit hohem Wiedererkennungswert, die Ohr, Herz, Frontallappen und Faust erfreuen. Besonders dann, wenn Brian uns den Dave Wayne macht!

Fazit: Beschäftigt man sich eingehender mit der gesamten Band Diskografie, wird man feststellen, dass es kein wirklich schlechtes Metal Church Album gibt. Dafür aber immer wieder mal ein Ausreißer nach oben – zuletzt mit „Generation Nothing“ (2013), welches viel besser als sein direkter Vorgänger war. Und ein solches ist „Dead To Rights“ dann heute auch geworden. Vielleicht sogar besser als die Comeback Alben mit Mike Howe, die ebenfalls hinter den zugegebenermaßen hohen Erwartungen zurück geblieben sind… und DAS will was heißen. Selbstredend sind die ersten fünf Göttergaben unerreicht, aber mit der Metal Kirche ist wieder zu rechnen…mehr denn je!

Wertung: 8,5/10
Autor: Michael Staude

Label:RAT PAK RECORDS
VÖ-Datum:10.04.2026
Running Time:47:11
Format:CD, Vinyl, Mp3

Erhältlich bei:
Idiots Records