GLACIER, ZODIAK
CH-Zürich, Dynamo, 19.08.2026
Nach dem ersten Schweizer Gig von Glacier auf dem Starlett Stock im Mai 2024 beehren uns die US Metaller gut zwei Jahre später wieder, dieses Mal in Zürich. Es ist ein heißer, hochsommerlicher Mittwochabend, und ich befürchte, dass Glacier im Dynamo vor einer Handvoll Fans spielen würden. Aber weit gefehlt, auf die Metal Fans ist Verlass und man schwitzt lieber in einem Liveclub als sich in den erfrischenden Gewässern des Landes abzukühlen. Und so ist das Dynamo beim heimischen Support Act Zodiak bereits sehr gut gefüllt. Ich bin wieder einmal völlig unvorbereitet und werde von Zodiak an diesem Abend sehr positiv überrascht. Da ich mich um meine Freunde von Glacier kümmern musste und dann auch noch von der Elias Fraktion (Sänger und Schlagzeuger) von Sin Starlett „aufgehalten“ wurde, habe ich einen Teil des Sets der sympathischen Zürchern verpasst. Was ich aber zu Ohren bekommen habe, hat mir sehr gut gefallen. Derart gut, dass ich Joxe den Link zum zur Zeit nur digital verfügbaren Two-Track Demos geschickt habe, was zu einem Review des Demos geführt hat. Die zusätzlichen Songs, die mir zu Ohren kommen an diesem Abend, gefallen mir noch deutlich besser als die zwei Demosongs. Der Rausschmeißer des heutigen Sets erinnert dann deutlich an Amethyst, von denen ein Teil der Band im Publikum anwesend ist. Schon komisch, wenn man Amethyst ähnliche Klänge von der Bühne vernimmt, die vermeintlich dafür zuständigen Musiker aber im Publikum stehen… Seien wir ehrlich, wenn man Amethyst als Einfluss und Referenz der Musik angeben kann, hat man sicherlich einiges richtig gemacht, gehören die fünf Schweizer zu den angesagtesten Underground Acts Zentraleuropas. Das Dargebotene von Zodiak wirkt manchmal noch etwas hüftsteif und die Kommunikation mit dem Publikum wirkt noch etwas unsicher, aber musikalisch kann das heimische Quartett voll überzeugen und bringt nicht nur die angereiste Fanfraktion hinter sich, sondern die Mehrheit des Publikums. Nicht schlecht für eine nur bei absoluten Insidern bekannten Band. Von den Jungs kann man sicherlich noch einiges erwarten. Das aktuell nur als digitale Version erhältliche Demo soll demnächst auch als physikalischer Tonträger erscheinen, und ein Album dürfte dann auch in Griffweite liegen.
Die kleine Tour rund um das Trveheim Festival vom kommenden Wochenende läuft gemäß Bandaussage ziemlich gut. Und auch heute sind einige Fans gekommen, um dem traditionellen US Metal des Quintetts zu huldigen. Das Line-up von Glacier ist nun seit einigen Jahren konstant und die fünf Amis sind eingespielt und ultra-tight. Die ruhige, fast stoische aber ultra-präzise Spielweise der zwei Mikes (Maselbas, Gitarre und Podrybau, Vocals) wird durch die agile Bühnenpräsenz von Basser Alex (Jump!) und Klampfer Vincent komplettiert. Über allem thront Adams Power Drumming, welches das Uhrwerk des Gletschers bildet. Hier stimmt musikalisch einfach alles – sowohl die Qualität der Musik als auch das Stageacting. Leider ist Mike’s Stimme aufgrund eines Infektes etwas angeschlagen, was aber lediglich bei „Sands Of Time“ stimmlich bemerkbar wird. Ansonsten klingt der Gesang deutlich besser als die leicht krächzenden Ansagen. Die Band hat mächtig Bock und sichtlich Spaß, dem Publikum einen tollen Querschnitt durch die Klassiker und neuere Songs präsentieren zu können. Es gibt nur wenige Bands, die nach langer Abstinenz die Lücke zwischen der Vergangenheit mit den Bandklassikern und der Neuzeit mit (vermeintlich) neuem Material schließen können. Glacier gehören zu den ganz wenigen Ausnahmen. Auch wenn mit Sänger Mike Podrybau nur ein Mitglied der Urbesetzung übrig geblieben ist, liefern die neuen Glacier auch tolles neues Material. Es kommt dem Quintett sicherlich zu Hilfe, dass gewisse Urmitglieder weiter am Songwritingprozess der Band beteiligt sind, und dass zusätzlich ein breiter Fundus an alten, unveröffentlichten Songs auf Halde liegt, auf die zurückgegriffen werden kann. In Kombination mit der jungen, wilden „Backing Band“ entfaltet sich eine einzigartige Konstellation, die wirklich qualitativ an die Ganztaten der Vergangenheit anknüpfen kann.
Wie bereits auf der Spanien Tour 2023, findet mit „As Giants Play“ ein Song des anstehenden Albums Einzug in den Set. Dieses neue Album ist nun seit einiger Zeit in der Mache. Wie mir Drummer Adam berichtet, sind seine Drumparts seit über einem Jahr eingeprügelt. Hoffen wir, dass das Album nun im Laufe der nächsten zwölf Monate das Licht der Welt erblicken wird. Bei der Qualität, die Glacier sowohl auf Tonträger wie auch auf der Bühne an den Tag legen, muss man sich um das neue Album sicherlich keine Sorgen machen. Heute kommt zum Glück auch „Speak No Evil“ von der legendären Debüt-EP zum Zuge, sicherlich einer meiner absoluten Lieblingssongs der Band. Gegen Ende des Sets fragt Vincent in Richtung Soundboard, ob man noch Zeit für einen oder zwei Songs hätte. Glücklicherweise geht der Daumen hoch für zwei Songs, und so kommen wir in den Genuss von „The Temple And The Tomb“ und dem ultimativen Klassiker „Vendetta“. Letzteres bildet den idealen Abschluss eines tollen Gigs, der diesen Abend gebührend abschließen sollte. Ich freue mich auf den Trveheim-Gig am kommenden Samstag, der aufgrund des starken Publikumszuspruchs zu einem echten Triumphzug werden sollte.
Setlist: When Heaven’s At Hand; Into The Night; Ride Out; As The Giants Play; Speak No Evil; Live For The Whip; Eastern Guns; Eldest And Truest; Ready For Battle; Devil In Disguise; Sands Of Time; The Temple And The Tomb; Vendetta.
Autor & Pics: Steph Bachmann

