ARMORED SAINT, DEMON DROWNER

Essen, Turock, 06.08.2026


Gemessen am Riesenbackdrop scheint der Opener häufiger in größeren Hallen aufzutreten, oder hat zumindest Größeres vor. Im Gegensatz zum Headliner des heutigen Abends fällt das Quartett ganz schön aus der Reihe. Oder anders ausgedrückt, es ist nichts von der Stange, was Demon Drowner abliefern. Das lebende Tattoo-Kunstwerk am Mikro ist Shouterin Vera, die mit Sensenattrappe als Mikrofonständer agiert und immer in Bewegung ist. Ihre Ansagen liefert sie in der Tonlage, in der sie auch singt. Sie bekommt die Arme des Publikums hoch und es wird amtlich applaudiert, in „666 Sicker Than You“ sogar mit Ohoho-Parts, dazu liefert Gitarrist Hanno Backings. Drummer Kristoff verschwindet zwar mit seinem Kit in der linken Bühnenecke, doch das Stakkatogerupfe schon im Opener beeindruckt mehr. Etwas schief ist modern; es soll auch gar nichts so ganz gerade klingen, außerdem ballert irgendwas immer. Im Anthem ist es wieder die Doublebass. Man darf sagen, die Newcomer aus Dorsten liefern eigenständiges, weil schwer vergleichbares Metalzeug, das hier und heute allerdings gut anzukommen scheint. Die Band erntet nicht nur für „Barbwire Wound Infection“ sehr viel Applaus, sondern insgesamt für ihre vierzig Minuten, und zum Schluss bekommen wir noch eine Dreierpyramide und Seifenblasen. Bemerkenswert auch ihr Schlusswort, wir sollten noch etwas bleiben, weil gleich spielten noch Armored Saint, die wären extra aus den USA gekommen …


Man kann bald schon sagen, dass Armored Saint und das Turock zusammen gehören, denn häufig waren sie in der Vergangenheit hier, und haben jedesmal amtlich geliefert. Der Mitgröler „Can You Deliver“ folgt allerdings später im Programm. Schöner noch das Wortspiel am Merchandise, wo wir ‚Merch Of The Saints‘ lesen. Die neue Platte „Emotion Factory Reset“ ist raus, ihr Banner hängt, die Aufsteller stehen, die Hintergrundmusik geht aus, das meiste Licht auch und die Menge muss noch etwas warten. Wir sind sehr gespannt auf das Programm. Endlich losgelegt, wird dann mit dem Opener des aktuellen Albums „Close To The Bone“ gestartet. Drummer Gonzo hat seinen Zylinder auf, John trägt eine weiße Hose und die Friese von Joey ist die gleiche geblieben. Die Menge kommt schnell in Schwung, und beim jetzt schon folgenden „March Of The Saint“ singen alle mit. Ältere und neuere Songs wie „Long Before I Die“ und „The End Of The Attention Span“ harmonieren, und das kommt nicht von Ungefähr. Da stehen fünf alte Kumpels auf der Bühne, fünf sehr gut miteinander harmonierende Charaktere, und darin dürfte das Gros des perfekten Zusammenspiels beschrieben sein. Jetzt kommt der Zylinder weg, denn es mit geht mit „Every Man-Any Man“ ans Eingemachte. Die Stimmung ist super und es gibt sehr lauten Applaus bis hinten. In diesem familiären Achtziger Ambiente sehen wir im Pulk auch unheimlich viele Shirts aus der Zeit, wie von Malice, falls die noch jemand kennt. Nun zu „Last Train Home“ zieht John seine Jacke aus, und „Symbol Of Salvation“ bekommt ein Drumsolo mit knallig tightem Sound. Der Frontmann performt nicht nur vorn mittig der Bühne, sondern überlässt seinen Mitstreitern gern mal den ganzen Raum, dass sich bei „Win Hands Down“, „Hit A Moonshot“, und dem wieder im Programm aufgenommenen „Creepy Feelings“ die Bretter vorne austoben können. Zu „Aftermath“ verlässt John die Bühne und singt den Song vom „Delirious Nomad“ Album zwischen den Fans von oben auf dem Balkon. Pünktlich zu „Left Hook From Right Field“ kehrt John auf die Bühne zurück und „Can U Deliver“ wird wieder voll ein Mitgröler. Dann irgendwie bemerken wir spätestens zum grandiosen „Reign Of Fire“, dass wir schon ziemlich am Ende den Konzerts angekommen sind. Den tatsächlichen Schluss setzen dann die beiden Klassiker „Mad House“ und „Chemical Euphoria“, mit Letzterem wurde das „Raising Fear“ Album nach den 105 Minuten auch noch berücksichtigt. Die Kalifornier sind noch immer in sehr guter Form und so darf damit zu rechnen sein, ohne ein Prophet zu sein, dass der Fünfer bald wieder in unseren Breiten aufschlagen wird.

Autor & Pics: Joxe Schaefer