SAVATAGE, NEVERMORE
Pratteln (CH), Z7, 03.08.2026
Die Z7 Summer Stage hat sich mittlerweile zu einer traditionellen Open Air Serie entwickelt, die den Sommer zwischen den Indoor Saisons im Z7 überbrücken soll. Dieses Jahr beglücken uns neben Savatage und Nevermore u.a. auch Saxon oder Rose Tattoo. Ich habe Savatage im vergangenen Jahr drei Mal live gesehen – Oberhausen, Zürich und Barcelona – und alle drei Gigs waren sackstark. Daher war klar, dass ich dieses Jahr zum Open Air Gig ins Z7 pilgern werde. Aufgrund der hohen Außentemperaturen von deutlich über 30°C, sollte es sicherlich ein heißer Gig werden!
Vom ursprünglichen Nevermore Line-up sind nur noch Jeff Loomis (g) und Van Williams (dr) mit von der Partie und ich bin bei Reunionen ohne den prägenden Sänger immer skeptisch. So war ich immer der Meinung, dass sowohl Sanctuary wie auch Nevermore ohne Warrel Dane (R.I.P, 2017) nicht funktionieren würden. Am diesjährigen Keep it True Festival musste ich mich bereits bei Sanctuary eines Besseren belehren lassen. Gleiches sollte heute bei Nevermore geschehen. Sänger Berzan Önen macht einen sensationellen Job und kommt nahe an Warrels Gesang heran, ohne diesen kopieren zu wollen. Zudem ist seine Kommunikation mit dem Publikum sehr sympathisch und sein Stageacting passt bestens ins Bild. Bei der Setlist hätte ich mir noch ein paar Griffe in die tiefere Mottenkiste gewünscht, das heißt zum Beispiel mehr Songs aus den 1990er Jahren. Nichtsdestotrotz will ich mich nicht beschweren, denn einerseits kamen drei Songs vom meines Erachtens bestens Albums der Band „Dead Heart In A Dead World“ zum Zuge, und andererseits viele tolle Stücke der 2000er Jahre der Banddiskographie. Dabei bilden das brutal geniale „Narcrosynthesis“, das melancholische „The River Dragon Has Come“ und das musikalisch toll gesteigerte „Believe In Nothing“ meine klaren Highlights. Williams prügelt dabei alles in Grund und Boden, währenddem Loomis – unterstützt von einem blutjungen Rhythmusklampfer namens Jack Cattoi – gnadenlose Gitarrenwände ins Publikum feuert. Alles in allem verfliegt meine anfängliche Skepsis sehr schnell und ich genieße es, diese tollen Tracks nahe am Original hören zu können. Der Sound ist gut, die Band hat mächtig Bock und freut sich über die immer wieder aufkommenden „Nevermore“ Sprechchöre zwischen den Songs. Für mich die positive Überraschung des Abends, von der ich gerne einen Headliner-Set sehen würde.
Setlist: Ophidian; Beyond Within; Inside Four Walls; My Acid Words; Engines Of Hate; This Godless Endeavor; Born; Believe In Nothing; Narcosynthesis; Moonrise (Through Mirrors Of Death); Enemies Of Reality; The River Dragon Has Come; Sentiment 6.
Eine musikalische Präzisionsmaschine sind Savatage. Was die Band nach langer Bühnenabwesenheit seit dem Frühjahr 2025 auf die Bretter dieser Welt zaubert, ist mehr als bemerkenswert. Einerseits ist es sehr lobenswert, dass man nicht stur jeden Abend dieselbe Setlist herunterleiert, sondern meist mehrere Songs austauscht, so dass es sich auch lohnt, mehr als eine Show einer Tour zu besuchen. Andererseits besticht die Band durch eine unglaubliche Musikalität, welche seinesgleichen sucht. Zwei Gitarristen, die sich perfekt ergänzen, ein Sänger, der nach einer musikalisch schwächeren Bühnenphase mit seiner Band Circle II Circle in den 2010er Jahren wieder zu seiner genialen gesanglichen Qualität der 1990er Jahre zurück gefunden hat, und zwei Keyboarder, die zwar einen Jon Oliva nicht vergessen machen können, mit ihren top Backing Vocals aber für sehr viel Druck und Volumen in den Gesangspassagen sorgen. Vor allem die Kanongesänge bei „Chance“, „The Wake Of Magellan“ oder „The Hourglass“ sind immer wieder Highlights einer Savatage Show. Ich kenne kaum eine Rockband, die solch komplexe Soundelemente derart perfekt live auf eine Bühne bringen kann. Savatage und das Z7 war, ähnlich wie bei den Pretty Maids, Liebe auf den ersten Blick. Seit dem ersten Auftritt im Januar 1996, als Teil der ‚Dead Winter Dead Tour‘, kommt die Band immer gerne hierher, auch weil das Publikum immer voll abgeht. So gehörten Savatage in den späten 1990er Jahren zu den ersten Bands, die das Z7 ausverkaufen konnten. Heute ist die Show zwar nicht ausverkauft (geschätzt vielleicht 80%), trotzdem ist das Konzert während anhaltender Schulferien gut besucht und die Stimmung im Publikum sehr gut. Nach einem kurzen Sturmintermezzo mit ein paar wenigen Regentropfen zum Ende des Nevermore Sets, sind nun die Temperaturen deutlich angenehmer, so dass man sich konzerttechnisch wieder richtig aufheizen kann und Energie hat, voll mitzugehen.
Der erste Teil des Sets beinhaltet eher jüngere Songs der langen Diskographie der Band, währenddem der zweite Teil mehrheitlich Perlen der früheren Schaffensphase der Band beinhaltet. Vor allem der zweite Teil hält ein paar tolle Überraschungen bereit. Einerseits war „Tonight He Grins Again“ seit einer Weile (genauer seit 2003) nicht mehr Teil der Setlist, und auch das geniale „Follow Me“ vom brillanten „Edge Of Thorns“ Albums habe ich live, so glaube ich zumindest, noch nie zu hören bekommen. Der absolute Hammer stellt aber das von Chris Caffery gesungene „Warriors“ dar. Chris kommt hier gesanglich sehr nahe an einen Jon Oliva zu Glanzzeiten heran, so dass einem a) die Kinnlade herunterfällt, und b) zumindest ich recht nahe am Wasser gebaut bin. Einfach genial. Chris hätte meiner Meinung nach durchaus noch den einen oder anderen alten Song singen dürfen, ohne dabei die klasse Gesangsleistung von Zakk Stevens abwerten zu wollen. Das emotional brutale Ende des Konzertes, bestehend aus „Believe“ (mit den vom letzten Jahr gewohnten, eingeblendeten Jon Oliva und Criss Oliva Videosequenzen), „Gutter Ballet“ und dem brillanten „Edge Of Thorns“ wird vom unumgänglichen Allzeitklassiker und Rausschmeißer „Hall Of The Mountain King“ als Zugabe perfekt abgerundet. Hätte man sich einen besseren Gig vorstellen können? Ja, sicher, weil die permanenten Nörgler immer ein Haar in der Suppe finden. Klar, hätte ich mir den einen oder anderen zusätzlichen Klassiker („24 Hours Ago“, „White Witch“ oder „The Dungeons Are Calling“) im Set gewünscht, und hätte dafür sehr gut auf „Taunting Cobras“ verzichten können. Aber hey, das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau. Savatage haben ihre musikalisch außergewöhnliche Klasse wiederum eindrücklich unter Beweis gestellt und mit einer tollen, ausgewogenen Setlist über ihre lange Schaffensphase hinweg, 100% abgeliefert. So bleibt dieser Gig sicherlich nicht der beste, den ich je von Sava gesehen habe, setzt sich in meiner Rangliste aber sehr weit oben fest, und zeigt, dass die Band auch heutzutage noch fett abliefern kann. Ich habe im Nachgang keine negativen Stimmen im Publikum gehört, so dass die Mehrheit der Fans zufrieden nach Hause gegangen sein dürften. Savatage, die Türen des Z7 stehen für Euch jederzeit weit offen!
Setlist: Morphine Child; Dead Winter Dead; Jesus Saves; Lights Out; The Wake Of Magellan; Taunting Cobras; Handful Of Rain; Chance; Temptation Revelation; Prelude To Madness; Warriors; Sirens; Power Of The Night; Strange Wings; Follow Me; Tonight He Grins Again; Unusual; The Hourglass; Believe; Gutter Ballet, Edge Of Thorns; Hall Of The Mountain King.
Autor: Steph Bachmann
Pics: Daniel Strub (great-moments.ch)

