THE NIGHT ETERNAL – cold velvet

„Jetzt geht es rund!“ sprach der Papagei und flog in den Ventilator. Ähnliches dachten sich wohl auch die Hoffnungsträger aus Essen und begaben sich in das relativ unbekannte The Sound Of Church – Studio nach München, welches vom Secrets Of The Moon Gitarristen Michael Zech betrieben wird. Denn eines ist sicher: Der dritte Longplayer ist wahrlich eine „runde“ Sache geworden. 2018 ist das Quartett (jawoll- immer noch ohne festen Basser) aus dem Pott an den Start gegangen und hat sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung stetig weiterentwickelt. Und siehe da: alle acht neuen Kompositionen schmiegen sich wie Samt an Ohr- und Frontallappen.

Von Federlassen kann hier also absolut nicht die Rede sein, ebenso wenig wie von Nestbeschmutzung, denn es reiht sich Hit an Hit. Trotz des lukrativen Deals beim geschichtsträchtigen Metal Blade Label gibt man sich bei der Wahl des Produzenten qualitätsbewusst und bodenständig. Diese Wahl erweist sich als goldrichtig und zeigt auch von der produktionstechnischen Seite, dass ein Genre noch lange nicht „auserzählt“ ist. Und so ist die Produktion druckvoll und transparent, atmosphärisch dicht und luftig zugleich ausgefallen. Je nachdem wie es das Liedgut oder die Instrumentalisierung verlangt. Absolut keine Produktion von der „Stange“. Und diese bildet den Nährboden für die einhergehende Weiterentwicklung des Bandsounds, bzw. des Songwritings. Selbstredend bleiben die metallischen Wurzeln weiterhin erhalten, dennoch wird der einst nur latent vorhandene Hang zu Gothic Rock immer mehr präsent. Ähnlich wie bei den US-amerikanischen Unto Others (ehemals Idle Hands) versprühen die neuen Kompositionen gewisse Vibes der Achtziger: The Mission, Sisters Of Mercy und Konsorten lassen schön grüßen. Diese Weiterentwicklung steht den neuen Songs ausgesprochen gut zu Gesicht und gibt „Cold Velvet“ einen gewissen Drive. Songs wie der Album-Opener „Where This World Ends“, „Eurydice (Don’t Look Back)“ oder „Caught In Spell“ sind todsichere, auf den Punkt komponierte Hits, zu denen es sich im Club umme Ecke bestimmt auch vorzüglich „schwofen“ lässt.

Und so geht der Hitregen munter weiter. Manche der folgenden Songs wirken ein wenig komplexer, laufen aber trotzdem bei einer Zeit von fünf Minuten durchs Ziel. Den Höhepunkt bildet für den Federführenden dieser Zeilen das vielschichtige und atmosphärische „Dance On Crimson Ground“, welches mit sieben Minuten die längste Nummer des Albums ist. Übrigens sind die Jungs jüngst auf Platz 17 der hiesigen Albumcharts eingestiegen. Weitere Erfolge sind der Band unbedingt zu wünschen. Vielleicht auch dann, wenn nach der nächsten Mauser wieder vermehrt Adlerfedern nachgewachsen sind.

Wertung: 8,5/10
Autor: Michael Staude

Label:METAL BLADE RECORDS
VÖ-Datum:21.08.2026
Running Time:52:32
Format:CD, Vinyl, Mp3, Tape

Erhältlich bei:
Idiots Records

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