CIRITH UNGOL – all the shadows

Dass sich Cirith Ungol nicht aufgelöst haben, hat sich herumgesprochen, dass ein neues Album in der Mache ist, mittlerweile auch. Nun, das gute Teil ist mittlerweile längst fertig. Als ich auf dem Frost & Fire V im Oktober 2025 von Armand erste Songs vorgespielt bekam, deutete schon sehr viel auf ein starkes Album hin. Und dass „All The Shadows“ eine derart geniale Granate werden würde, konnte ich aus den wenigen Songs, die ich zu Ohren bekam, noch nicht erahnen. Die ewigen Nörgler werden bemängeln, dass die Magie der ersten drei Alben im aktuellen Cirith Ungol Sound fehlt. Da mag sicherlich ein Funken Wahrheit drin stecken, aber hey, es sind 40 Jahre seit der Veröffentlichung von „One Foot In Hell“ vergangen, die Band hat sich merklich verändert und logischerweise auch weiter entwickelt. Neutral gesehen ist „All The Shadows“ das stärkste Album, das Cirith Ungol bisher veröffentlicht haben. Die Musikalität und soundtechnischen Finessen, die in diesem Album stecken, sind überdurchschnittlich und bemerkenswert. Speziell wenn man bedenkt und weiß, dass Armand John Anthony und Jarvis Leatherby dieses Album zusammen geschrieben haben, das Material eindeutig nach Cirith Ungol klingt und null Bezug zu Night Demon aufweist. Respekt! Und spätestens, wenn Tim zu singen beginnt (zumindest meistens, siehe unten), ist es zu 100% Cirith Ungol.

Ich habe das Album seit Mai in der Dauerrotation und die acht Songs werden nie langweilig. Mein absoluter Lieblingssong war von Anfang an „On Broken Wings“. Der Song ist unkonventionell, super gesteigert und die Melodielinien blieben auf Anhieb im Ohr hängen. Ich musste die Band wirklich fragen, ob bei den Strophen hier Tim singt, denn die Johnny Cash-mäßigen Vocals hätte ich Tim in der Art nie zugetraut. Das Stück beginnt mit einer Akustikklampfe, in dessen Melodieführung der Bass elegant eingebaut wird. Die genialen Leadgitarren Harmonien, die an Metallica zu „… Justice…“ Zeiten erinnern, bereichern dieses Stück ungemein. Mit über sieben Minuten Laufzeit ist es der längste Song auf dem Album. Bei jedem Durchlauf kann man neue Details heraushören, ein echt brillantes Lied, welches zu einem meiner absoluten Highlights der Banddiskographie werden wird.

Aber der Reihe nach. Der Titelsong und Opener ist sicherlich einer derjenigen, der die typischen Cirith Ungol Trademarks trägt, dessen Leadgitarrenmelodien aber sehr eingängig sind und man kaum mehr aus den Ohren bekommt. Auch das anschließende „This Mortal Stain“ folgt der typischen Cirith Ungol Linie der Klassiker, vor allem die filigrane Gitarrenarbeit in den Strophen ist hier erwähnenswert. Auch wenn „Turning Blind“ kein schlechter Song ist, stellt er für mich das schwächste Stück des Albums dar. „Shallow Reflection“ beginnt mit einer coolen schlagzeugbasierten Einleitung, bevor sich der Song zu einem tollen Rocker entwickelt, der mit einem im Ohr hängenbleibenden Gitarrenlick unterlegt ist. Generell liebe ich die Sologitarren in diesem Song. Textlich könnte es hier einen Bezug zum letzten Album geben, denn gegen Ende des Songs höre ich Tim „Dark Parade“ singen. Der Song endet mit demselben tollen Schlagzeugelement, das ihn eröffnet hat. Ganz großes Kino. „Empty Tomb“ zeigt auch die typischen, klassischen Cirith Ungol Trademarks und besticht durch seine Tempowechsel. „Hollow Nimbus“ beinhaltet coole 70er Einflüsse, wie man sie von einer Band aus dieser Epoche erwarten kann. Wiederum zahlreiche Tempowechsel und eine tolle, mehrstimmige Leadgitarrenführung (ich höre gewisse Thin Lizzy Elemente), lassen diesen Song nie langweilig werden. Das abschließende „Venus In Thirds“ beginnt mit einer hämmernden Basslinie und der Song steigert sich in einen groovigen, bandtypischen Rocker. Man kann froh sein, dass die zwei Urmitglieder Tim und Rob die Band nicht auflösen wollten, denn „All The Shadows“ ist für mich ganz klar das Album des Jahres 2026 geworden.

Wertung: 9/10
Autor: Steph Bachmann

Label:NO REMORSE RECORDS
VÖ-Datum:30.10.2026
Running Time:40:50
Format:CD, Vinyl, Mp3

Erhältlich bei:
Idiots Records

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