LEX LEGION – same
Lex Legion ist eine „neue“ Band oder auch ein Projekt, bei dem das Line-up mehr als aufhorchen lässt und gleichermaßen hohe Erwartungen oder Skepsis wecken kann. An den Gitarren: Andy LaRoque & Pete Blakk, am Bass: Hal Patino, an den Drums: Mickey Dee.
Wir haben es hier also, bezogen auf die Instrumente, mit dem vollständigen Lineup der erhabenen Alben „Them“ und „Conspiracy“ von keinem geringeren als King Diamond zu tun, wobei Andy LaRoque und Mickey Dee ja bereits seit des Königs Solo-Debüt „Fatal Portrait“ in seinem Dienst waren. Für den Gesang fiel die Wahl auf Nils K. Rue von Pagan’s Mind. Also King Diamond ohne King Diamond? Erwartungsgemäß bleiben Parallelen nicht aus, und so richtig kann ich diese Frage nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Das liegt schon alleine am charakteristischen Stil von Gitarrengott (jawohl!!!!) Andy LaRoque. „When The Stars Align“ erinnert mich von seinem Anfangsriff her tatsächlich ein wenig an „The Candle“, „(I Am) The Resurrected“ sogar noch ein wenig mehr an „The Possession“. Es gibt zahlreiche atmosphärische Gruselpassagen, und sobald die Gitarren das Feld übernehmen, ist sowieso ziemlich klar, wer hier am Werk ist. Mickey Dees Power-Drumming tut sein Übriges. Trotzdem hat „Lex Legion“ auch ein hohes Maß an Eigenständigkeit, denn Nils K. Rue deckt mit seiner kraftvollen Stimme von mittleren bis ziemlich hohen Tonlagen zwar alles ab, unterscheidet sich aber deutlich von King Diamond, der wesentlich exzentrischer und extremer zur Sache geht, und damit stark polarisiert. Als devoter Untertan des dänischen Königs gehörte ich tatsächlich erst eher zur Skeptiker-Fraktion, aber ich wurde eines Besseren belehrt.
Die Scheibe ist ein absoluter Grower, wächst mit jedem Durchlauf und entfaltet sich zu einem echten Highlight. Viel besser kann man harten, gelegentlich leicht progressiv angehauchten und ebenso atmosphärischen wie kitschfreien Metal (nix Keyboards!) eigentlich kaum machen. Man hört zu jeder Zeit, dass hier absolute Vollprofis am Werk sind, die es trotz des fortgeschrittenen Alters und der langen Pause geschafft haben, ein spannendes, homogenes, frisches und mitreißendes Album zu erschaffen. Mein Favorit ist der Song „Dreams Of Darkness“, bei dem ich spätestens beim dreigeteilten Refrain Gänsehaut kriege. Großartig ist auch das abschließende, ruhige Instrumental „Far Away“, das tatsächlich so eins zu eins auf „Conspiracy“ hätte stehen können. Die Produktion ist übrigens eine der besten, die ich im klassischen Metal-Bereich seit langem gehört habe! Druckvoll und transparent, so dass jedes Instrument den benötigten Raum hat, und ohne dass die ganze Chose irgendwie komprimiert klingt. Ein wenig schade ist höchstens die relativ kurze Spielzeit. Aber dafür haben wir hier ein großartiges und außerordentlich kurzweiliges Album, das man ohne Probleme besser zweimal hintereinander hören kann, als so manches vollständige Album alter Helden am Stück.
Wertung: 9/10
Autor: Felix Schallenkamp
| Label: | MNRK HEAVY |
| VÖ-Datum: | 12.06.2026 |
| Running Time: | 34:36 |
| Format: | CD, Vinyl, Mp3 |
Erhältlich bei:
Idiots Records


