MASSIVE ASSAULT, TEMPLE OF DREAD, HELLGRAV, NO SHELTER
Münster, Cafe Sputnik, 11.09.2026
Im Umkreis stehen heute so einige coole Veranstaltungen auf dem Livekalendern, darunter das ‚Death And Damnation‘ und das ‚Heavy Metal Fans Festival‘ in Hohenlimburg. Wir entscheiden uns für Todesblei und reisen Richtung Münster, weil dort heute die meisten interessanten Bands spielen, die wir noch nicht live gesehen haben. Aus Emsdetten reisten dorthin No Shelter, um dort ihre Corekante mit Hau drauf und Chaos vorzustellen. Der Fünfer zeigt sich ambitioniert mit zackigen Moves und verdrehten Gitarrenposen zwischen den Riffattacken, auch wenn ihr Sänger vor und nach seinen Parts mit hängen Armen und Kopf runter still steht, während sich Pizzaduft im Laden breit macht. Der Pizzamann heizt also genauso ein, wie man es auf der Bühne tut. Als die Jungs ihre Breaks und Tempowechsel aufziehen und munter flockig ihren Stiefel zocken, wozu sich die ersten Gäste aufwärmen, füllt sich die Hütte noch, da kommen scheinbar noch Züge und Busse an. Bei solch ruppigen Aneinanderreihungen von verschieden schnellem Coregedresche erahnt man vorher nie so ganz genau, wann ein Song endet und ein neuer anfängt. Doch nach siebenundzwanzig Minuten ist Schluss. Erkennt man daran, dass sie sich verabschiedet haben und die Bühne verlassen.
Nachdem für Hellgrav aus Grefrath die Drums komplett umgebaut wurden, legen sie unter dichtem Nebel mit purerem Death Metal los. Der Vierer greift breitbeinig mit Hochgeschwindigkeits Riffgefeuer und Nagelbass an, rasselnd wie ein Kettenpanzer. Das kommt schon mal sehr gut an und reißt mit. Zwar mutet der Titel des neuen Tracks „The Lighthouse In The Dark“ nach einer Ballade an, beginnt auch doomig schleppend, entpuppt sich aber als grobschlächtiger Furchenpflüger. Es groovt und ballert hier im Cafe ganz schön und ihr Shouter wird nicht müde, sich für die Einladung zu bedanken, hier spielen zu dürfen, bis die Walze von Titeltrack des neuen Albums und das „Langschwein“ vom Demo den ziemlich coolen Auftritt beendet. Zwar haben sie ihre aktuelle Scheibe „Dehumanized“ als gesprenkeltes Vinyl in zwei Farben am Merch, doch wir greifen uns das rarere Demotape „Rottomatic“ ab, das es bloß dreißig mal gibt, handnummeriert natürlich. Schade, dass es das Vinyl nicht in Schwarz gibt.
Endlich ist die Zeit für Temple Of Dread gekommen. Sechs Scheiben haben die Death Metaller, und es ist davon fast alles an Vinyl am Merch, leider jedoch kaum in Schwarz. Das schont ungewollt den Geldbeutel eines jeden Fans, der bunte Platten nicht so gerne mag. Noch gar nicht so lange tritt der Fünfer live auf, wohl erst seit zwei Jahren. Und weil die neue Scheibe „Dreadspawn Dominion“ Pflicht ist und abgefeiert gehört, sind wir hauptsächlich angereist. Shouter Jens von Slaughterday, heute ohne umgehangenes Brett, tritt im Shirt von Dio an, trotz deftig uncleaner Shouts schon mal ein Statement, doch der Mann kann auch sehr gut clean singen, haben wir im Soundcheck erlauschen können. Hier und jetzt gibt der Fünfer amtlich auf die Omme, dass früh ein Pit entsteht. Doch die Energie dazu war im Pulk schon zuvor spürbar, so wie alles dicht vor der Bühne steht und sich entladen will. Als „Enforcers Of The Vile“ zunächst als stampfender Bangbatzen losgroovt, wird uns klar, dass hier hingefahren zu sein eine weise Entscheidung war. Was ein geiles Konzert. Aber es ist ja noch nicht Ende, sondern es folgen noch zwei Tracks. „Wir sind nicht hier, die Welt zu retten“, meint Jens, und sagt „World Sacrifice“ an. Pits entstehen jetzt am laufenden Meter, und Rufe nach Zugabe sind nur logisch. Doch leider muss nach 48 Minuten Schluss sein. Schade, das hätte noch gerne so weitergehen können.
Die letzte Band des Abends kommt aus Hoogeveen, ist seit 2001 existent und hat vier Alben raus. Das Aktuelle titelt selbstbewusst „Metal Of Death“ und hat zwei Jahre auf dem Buckel. Massive Assault legen kurz nach elf die Langwaffen an. Die Optik des holländischen Quartetts mit einer Gitarre grenzt sich von allem heute hier Gesehenen ab. Den ganzen Abend schon stehen die Musiker auf der rechten Bühnenseite immer mehr unbeleuchtet im Dunklen, wie wir nun auch nach dem Stampfer „Lost Souls“ feststellen. Doch Basser Jos erkennen wir mit freiem Oberkörper und Adidas Trainingshose, der so einige Growls mit einwirft und noch bei einer Vereinigung mit dem Namen Hamerhaai spielt, wo er auch basst und shoutet. Gitarrist Fredde agiert in Shorts auch ohne Shirt, da sollste erstmal nicht an New Kids Nitro denken. So ganz stockernst nehmen sie sich nicht. Es ist nicht mehr ganz so voll vor der Bühne wie noch zuvor, doch der Vierer holzt über Strecken ordentlich, setzt dann aber wieder kleine Fragezeichen und kriegt für den eingefleischten Oldschooler musikalisch auch nicht ganz die Kurve. Na gut, Temple Of Dread war der Headliner für uns heute, aber das war irgendwie schon vorher klar. Als jetzt aber noch ein Technointro abgespielt wird, ist das ein klares Zeichen, dass von den Holländern das Ruder nicht mehr rumgerissen wird. Das Sputnik Cafe wird auch nicht voller. Wie lange das noch ging, keine Ahnung. Denn wir haben schon mal vorzeitig die Heimreise angetreten.
Autor & Pics: Joxe Schaefer

