Frost & Fire V
Ventura (USA), Bombay Bar & Grill, 24.- 25.10.2025
Sieben lange Jahre lange habe ich die Jungs von Night Demon bekniet, ihr legendär gewordenes, eigenes Festival wieder durchzuführen. Und meine Hartnäckigkeit hat sich schlussendlich ausgezahlt, denn die fünfte Ausgabe des Festivals fand Ende Oktober 2025 in Ventura, der Heimstadt des Trios, statt. Nachdem die letzte Ausgabe des Festival im Oktober 2018 im Ventura Majestic Theater vonstattenging, haben Night Demon auf die Kritik der Fans gehört, und das Festival wiederum ins kleine, aber feine Bombay gelegt. Im Bombay haben zwar nur um die 200 Nasen Platz (im Majestic mehr als 1000), man ist im Bombay aber nicht den ganzen Tag eingesperrt und kann jederzeit schnell zurück ins Hotel, oder etwas essen gehen. Zudem ist die Küche des Bombay sehr gut, so dass man auch vor Ort essen kann. Diese Ausgabe des Frost & Fires ist vom Line-up her vielleicht die Unattraktivste, aber ich liebe dieses Festival aufgrund seines Konzeptes. Im Gegensatz zu den meisten anderen Underground (Metal) Festivals steht beim Frost & Fire die Qualität der Musik im Fokus und nicht der maximale Gewinn des Festivals. Alle Bands spielen über das Equipment, das Night Demon zur Verfügung stellt, nota bene ihr Equipment. Alle Bands bekommen dieselben Licht- und Soundbedingungen. Kaum Helfer vor Ort, praktisch alles läuft über das heimische Trio. Das sind Voraussetzungen, die in der Festivallandschaft seinesgleichen suchen. Ich bin bereits zur Türöffnung um 15:00 Uhr vor dem Bombay und betrete als dritter zahlender Zuschauer den Innenbereich. Dort werde ich gleich von Haunt Frontmann Trevor mit einem freundlichen „Happy Frost & Fire, Man!“ begrüßt. Man fühlt sich gleich heimisch hier im familiären Umfeld des Festivals. Man merkt, dass im Süden Kaliforniens Regen sehr unwahrscheinlich ist, denn der Merch-Stand aller Bands befindet sich auf der Terrasse des Bombays ohne Dach. Die Bierpreise im Bombay sind mit 11 US$ auch höher als im Normalbetrieb (9 US$), aber deutlich billiger als im Majestic Theater, wo vor sieben Jahren ein Gerstensaft deutlich mehr kostete. Zudem ist auch die Bierauswahl im Bombay deutlich breiter, und das Essen vorzüglich.
Eigentlich sollten um 16:00 Uhr Wally World, die als Ersatz für die mittlerweile aufgelösten Sabre gebucht wurden, ihren Set starten, von Wally, Sänger/Gitarristen und Namensgeber der Band, ist aber noch weit und breit nichts zu sehen. Als er dann endlich auftaucht, ist keine Hektik oder Eile ersichtlich. In einer Seelenruhe wird die Klampfe eingestöpselt und um 16:22 Uhr erklingt endlich der erste Akkord aus dem Verstärker. Die Band spielt erfrischenden Hardrock/Blues Rock, was aber lediglich zu Höflichkeitsapplaus seitens des Publikums führt. Eigentlich warten alle auf den großen Hit („Raise Some Cain“ aus dem Jahr 2011) der Band, der die Veteranen zumindest viral in ein anderes Universum katapultiert hat. Dieser Song hat auch die entsprechenden Eier, um auf dem Frost & Fire gespielt zu werden. Wally eiert aber weiter an seinem Sound herum, und beschwert sich, weil er sich anscheinend nicht hören kann. Hey Jungs, wenn man schon zu spät dran ist, sollte man sich darauf konzentrieren, noch möglichst viele Songs spielen zu können. Nach drei Songs ist endgültig Schicht im Schacht, ohne dass ihr Hit angestimmt wurde. Blood Star haben ihren Set im Hinterraum des Bombays bereits begonnen. Als erfahrene Band mit Herren im fortgeschrittenen Alter sollte man eigentlich erwarten können, dass man die Grundprinzipien des Musikbusiness gelernt hat. Das ist hier aber weit gefehlt. Die Band aus San Diego, die eigentlich trotz lukrativen Angeboten z.B. aus Japan, selten außerhalb der San Diego Gegend live auftritt, ist schlussendlich zu spät daheim losgefahren. Ja, der Verkehr in L.A. ist an einem Freitagnachmittag eine Katastrophe, aber das weiß sogar ich. Also wäre Wally früher losgefahren, wär er auch pünktlich da gewesen und die Band hätte ihre Stagetime auch optimal nutzen können. Na ja, wer’s bis in fortgeschrittene Alter nicht gelernt hat, lernt’s nimmer mehr. Ganz klar, die Enttäuschung des Festivals. Gerüchten zu Folge ist der Schlagzeuger noch auf der Bühne aus der Band ausgestiegen…
Wie man’s besser macht, zeigen Blood Star im Backroom. Die Band um Visigoth Klampfer Jamison haut einen agilen, musikalisch starken Auftritt raus. Der Sound der Band ist und bleibt mehrheitlich nicht meine Baustelle, aber ich muss eingestehen, dass mir der heutige Auftritt sehr gut gefällt. Im Gegensatz zu den Auftritten auf dem Up The Hammers und bei der letzten Ausgabe des Frost & Fire in 2018, passt die kleinere Bühne besser zur Band. Das Quartett wirkt kompakt und gut eingespielt. Zudem gefällt mir die Stimme von Sängerin Madeline sehr gut. Ihre Stimme empfinde ich als sehr angenehm. Keine Sirene, sondern jemand, deren Gesangsmelodien sich im mittleren Frequenzbereich bewegen und einem auf die Dauer nicht auf die Nerven gehen. Ich hätte einen Best of Set erwartet, aber die Band spielt neben den besten Songs ihres Debütalbums „First Sighting“ (2023) auch zwei bisher unveröffentlichte Songs („Tower Road“ und „Demons“). Als Auflockerung integriert man elegant das Lee Clayton Cover „Silver Stallion“, welches als Single im 2021 veröffentlich wurde, bestens ins Set. Wenn man nicht auf Anhieb merkt, dass die Band ein Cover spielt, und dem Track eine eigene Note verleiht, ist das immer ein großes Kompliment. Fremdkompositionen wie eigene Songs klingen zu lassen, ist eine große Kunst und genau das gelingt Blood Star hier! Ausgezeichnetes Cover! Basser Noah bekommt sein Grinsen heute nicht mehr aus dem Gesicht. Man könnte meinen, die Mundwinkel wären hochgetackert. Die Stimmung im Hinterraum des Bombays ist ausgezeichnet und es wird recht schnell klar, dass nicht wenige der anwesenden Fans auch wegen Blood Star zum Frost & Fire Festival gereist sind. Das abschließende „Cold Moon“ beschließt einen musikalisch kompakten, und viel umjubelten Auftritt. Die erste Duftmarke ist gesetzt.
Setlist: All For Nothing, Fearless Priestless, Tower Road, Silver Stallion, No One Wins, Wait To Die, Going Home, Demons, The Fear, Cold Moon.
Haunt haben bereits auf dem letzten Frost & Fire vor sieben Jahren gespielt und seitdem habe ich die Band um Sänger/Gitarrist Trevor nicht mehr live gesehen. Die Band ist eine Veröffentlichungsmaschine und haut mindestens ein Album pro Jahr raus. Leider ist auf diesen Alben recht viel Füllmaterial drauf, so dass sich der Kauf nicht immer lohnt. Heute haut die Band aber einen Best of Set raus und daher genieße ich ihn umso mehr! No Fillers, just Killers! Dabei liegt der Fokus auf den frühen Alben der Band und die beiden jüngsten Alben „Dreamers“ (2024) und „Ignite“ (2025) werden in der Setlist nicht berücksichtigt. Genau die richtige Strategie für einen Auftritt auf einem Underground Festival. Mit dem Klassiker „As Fire Burns“ von der Debüt-EP „Luminous Eyes“ (2017) startet das Quartett aus Fresno in seinen Set. Bei der Ansage zum vierten Song meint Trevor, dass die Mehrheit diesen Song kennen würde, ein Fan brüllt dann „Frost & Fire“, was aber nur zu Hälfte stimmt, aber auch super gepasst hätte. „Hearts On Fire“ vom „Mind Freeze“ Album (2020) ist sehr melodiös, man kann herrlich mitgrölen und der Song besitzt einen coolen Mittelteil, der zum Mitmachen animiert. Ich liebe diesen Song! Jetzt brennt das Feuer im Bombay lichterloh. Der anschließende Midtemporocker „Refelectors“ ist ein echt guter Livesong, der die Fäuste nach oben bringt. Die Abschluss-Doublette aus dem jüngsten Song des Sets „Fight The Good Fight“ vom „Golden Arm Album“ (2023) und „Burst Into Flame“ vom gleichnamigen Debütalbum (2018) zeigt eindrucksvoll, welches Potential die Band eigentlich hat, wenn sie sich auf ihre Trademarks, melodische Metal Songs mit Schmackes zu schreiben, konzentrieren würde. Vor allem „Fight The Good Fight“ hat echtes Hitspotential und ist gar radiotauglich. Die heutige Darbietung der Band ist grundsolide, kompakt und kommt sympathisch rüber. Wenn die Alben durchgehend die musikalische Qualität des heutigen Sets hätten, würde das dem Erfolg der Band sicherlich nicht schaden. Aber heute gibt es nichts zu meckern – 1A Songauswahl und eine musikalisch gute Performance machen die Band zu einem der Highlights des diesjährigen Frost & Fire Festivals. Alles richtig gemacht.
Setlist: As Fire Burns, Flashback, It’s In My Hands, Hearts On Fire, Refelectors, Luminous Eyes, Winter’s Breath, Fight The Good Fight, Burst Into Flame.
Die nächste Band hat seit vier Jahren nicht mehr live gespielt und unternimmt auf diesem Festival quasi einen „Reunion“ Gig. Ich habe Blade Killer bisher noch nie live gesehen, kenne und mag aber das Material und besitze auch ihre Tonträger. Vor allem bei den schnelleren und melodiösen Songs merkt man, dass die Band viel Maiden gehört hat und diese Elemente auch elegant in ihren Sound einbaut. Beeinflussung ja, Kopie nein, bringt es wohl gut auf den Punkt. Der Blickfang der Band auf der Bühne ist Basserin Kelsey, Sänger Carlos ist für mich aber das musikalische Highlight. Er trifft jeden Ton und lässt auch seine Matte amtlich fliegen. Der Kerl ist übrigens auch ein exzellenter Schlagzeuger, hat er doch die Debüt-EP selber eingetrommelt. Das Quintett spielt einen coolen Best of Set, welcher ohne Coversongs auskommt. Man merkt, dass die Band zwar einiges an Bühnenerfahrung hat, aber doch ein Weilchen nicht mehr live aufgetreten ist. Trotzdem sind Blade Killer eine Bereicherung für das diesjährige Frost & Fire, passt der Sound doch perfekt zum Festival Konzept. Das Quintett aus L.A. startet mit dem EP Klassiker „Raise Your Fist“ in seinen Set, einer meiner Lieblingstracks der Band, bevor man mit „Let Go“ auch das Debütalbum „No Risk“ beehrt. Die Fäuste sind oben! Die melodischen Gitarrenlicks sind ein Trademark der Band, welches bei diesem Song bestes zur Geltung kommt. Die NWoBHM ist im Sound der Band omnipräsent und wird zur Perfektion im Stile von Maiden und Priest fortgesetzt. Sänger Carlos verleiht der Band durch seine charismatische Stimme ihre eigene Note. Das schön gesteigerte „In The Arms Of The Devil“ ist ein weiterer meiner Lieblingstracks, der live super rüber kommt und bei dem Carlos seine Livequalitäten unter Beweis stellen kann. Das anschließende, schnelle „Midnight Sinner“ bringt amtlich Bewegung in die ersten Reihen vor der Bühne. Die Band beschließt ihren coolen Set mit dem schnellen und eingängigen EP Track „On The Attack“. Die Band ist für’s 2026er Hell’s Heroes gebucht, das heißt es wird sicher nicht wieder vier Jahre dauern, bis man die Band auf der Bühne bewundern kann. Der heutige Auftritt war auf jeden Fall sehenswert und musikalisch kompakt und stark. Bei den anstehenden Slough Feg wird es soundmäßig nicht so geradlinig weiter gehen.
Setlist: Intro, Raise Your Fist, Let Go, Made Of Steel, Rush Of Thunder, Lost Angels, In The Arms Of The Devil, Midnight Sinner, High Risk, On The Attack.
Auch Slough Feg haben auf dem letzten Frost & Fire schon gespielt. Zudem habe ich einige Festivalauftritte des Quartetts aus der Bay Area gesehen, zuletzt im vergangenen März als Headliner der Warm-up Show des Up The Hammers Festivals in Athen. Ähnlich wie bei Blood Star passt die Band besser auf kleinere Bühnen. Für Sänger/Gitarrist und einzigem verbliebenen Originalmitglied der im Jahre 1990 (damals noch unter dem Namen The Lord Weird Slough Feg) gegründeten Band, Mike Scalzi ist die Bühne dann doch zu klein und er muss seinen Bewegungsdrang einerseits im Publikum, andererseits auch auf der Terrasse beim Merch der Bands ausleben. Ich habe bisher noch keinen Musiker auf der Terrasse des Bombays live musizieren sehen. Coole Sache! Das Kabel für seine Klampfe müssen die Fans abkabeln, so dass er weiterhin mit dem Amp verbunden bleibt. Musikalisch ist der Sound der Band schon gewöhnungsbedürftig und teils recht sperrig. Die Band macht diese Sperrigkeit aber mit viel Enthusiasmus und Sympathie wett. Interessanterweise startet man heute mit dem Thin Lizzy Cover „Angel Of Death“, bevor man dem Publikum einen aktuellen Song, das speedige „Knife World“ um die Ohren haut. Die Leidenschaft mit der die Musiker am Werke sind, ist deutlich erkennbar. Das Quartett aus der Bay Area spielt einen guten Mix durch ihre lange Diskographie, legt den Hauptfokus aber glücklicherweise auf mein Lieblingsalbum „Traveller“ (2003), welches mit vier Songs in der Setlist berücksichtigt wird. Diese werden mehrheitlich an den Schluss des Sets gelegt. Von der aktuellen EP „Traveller Supplement 1: The Ephemeral Glades“, die im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht wurde, kommen lediglich zwei Songs „Knife World“ und „Ephemeral Glades“ zum Zuge. Wenn man den Publikumszuspruch betrachtet, macht die Band damit alles richtig und spielt einen guten Festivalauftritt, bei dem sich die Fans nicht über die Setlist beschweren können. Metaller, welche die Band aber noch nicht kennen sollten, bekommen einen guten Querschnitt zu hören. Genau so spielt man Festivals! Dabei zeigen Slough Feg, dass man doppelläufige Gitarrenharmonien in seinen Sound einbauen kann, ohne zwingend an Maiden zu erinnern. Denn diese Band hat seinen eigenen Sound schon lange gefunden und das kreative Trio macht seit zwanzig Jahren zusammen Musik. Es drücken auch immer wieder Black Sabbath im Sound durch, so dass ein interessantes Soundgewand entsteht, welches ich sehr genieße. Underground Metal at its best. Der Abschluss dieses coolen Sets bildet wiederum ein kultiges Cover und zwar Legends „The Wizards Vengeance“, welches man auf dem 1998er Album „Twilight Of Idols“ auf Vinyl gepresst hat. Slough Feg ist immer wieder eine tolle Liveband, die zu überzeugen weiß, und die heute zu den Highlights des Festivals gezählt werden darf. Die Mehrheit des Publikums ist nun aber heiß auf die Organisatoren…
Setlist: Angel Of Death, Knife World, Sky Chariots, Uncanny, Eumaeus The Swineherd, New Organon, Ephemeral Glades, Vargr Moon, Traders And Gunboats, Tiger! Tiger!, The Final Gambit, The Spinward Marches, High Passage/Low Passage, The Wizard’s Vengeance.
Auch Night Demon haben länger keine Show in ihrer Heimatstadt gespielt. Dementsprechend aufgestachelt ist das Trio heute. Ein lahme, energiearme Night Demon Show wird es nie geben, aber heute hat speziell Armand noch mehr Hummeln im Hintern als sonst. Ich habe ihn selten derart heftig seine Matte fliegen lassen sehen. Frei nach Grave Digger – „Headbanging Man“. Da „The Chalice“ heute nicht auf der Setlist steht, hat Rocky seinen Auftritt während dem „Riddle Of Steel“ Intro. Er zückt dabei einen Dolch, aber im Gegensatz zur Cart & Horses Show in London leuchten die Augen von Eugene auf dem Backdrop nicht rot auf. Es folgt dann das „Cursed Of The Damned“ Album, welches am Stück dargeboten und durch zwei Tributes jedoch sehr cool unterbrochen wird. Einerseits folgt nach dem Intro zu „The Howling Man“ nicht der erwartete Song, sondern „Back Sabbath“, was super gut zusammen passt. Im Anschluss an den Ozzy-Tribut geht’s übergangslos mit „The Howling Man“ weiter. Ich liebe diese Triplette, weil sie perfekt passt. Zwischen „Livin‘ Dangerous“ und „Mastermind“ folgt die nächste kurze Überraschung, und man schiebt einen kurzen Ausschnitt von „Snow Blind“ von seinem Soloalbum ein, denn der Song gilt als Tribut an den vor Kurzem verstorbenen Ace Frehley. Bei diesem kurzen Intermezzo übernimmt Armand den Gesang und zeigt eindrücklich, dass er neben der Axt- und Schlagzeugakrobatik auch ein ausgezeichneter Sänger ist. Beim anschließenden „Killer“ hat auch der axtschwingende Eugene (das Maskottchen auf dem Albumcover, von dem vor Kurzem eine Actionfigur veröffentlicht wurde) seinen Auftritt. Die heutige Ausgabe von Eugene ist deutlich agiler und richtig axtschwingend, im Gegensatz zur Darbietung des Maskottchens bei den Sommerauftritten in Europa. Nachdem das Album am Stück durchgespielt ist, bedankt sich Jarvis obligat anständig beim Publikum und das Trio beendet seine Heimshow mit „Black Widow“ und dem gewohnten Rausschmeißer „Night Demon“. Das Trio ist und bleibt live eine Macht. Vor Freunden und Familie ist das Trio noch enthusiastischer als sonst. Die Publikumsresonanz war trotzdem etwas reserviert. Zwar geht vor der Bühne amtlich die Post ab, aber „Night Demon“ Sprechchöre zwischen den Songs kommen erst gegen Ende des Sets auf. Da bin ich schon etwas anderes aus Europa gewohnt. Na ja, andere Länder, andere Sitten. Trotzdem, Night Demon haben klar gezeigt, wer heute Herr im Hause ist und liefern zusammen mit High Spirits am Folgetag die beste Darbietung auf diesem Festival ab.
Setlist: Riddle Of Steel (Intro), Screams In The Night, Curse Of The Damned, Satan, Full Speed Ahead, The Howling Man (Intro), Black Sabbath, The Howling Man, Heavy Metal Heat, Livin‘ Dangerous, Snow Blind, Mastermind, Run For Your Life, Killer, Save Me Now, Black Widow, Night Demon, Lookin‘ Out For No. 1 (Outro).
Wer nach Night Demon auf die Bühne muss, hat es nie leicht. Aber wenn man nach einem sackstarken Heimauftritt der Band auf die Bühne muss, ist es fast unmöglich, das Level zu halten. Das mussten schon Tyrant beim Frost & Fire III 2017 schmerzlich feststellen. Und so ist es auch bei Bitch heute Abend, auch wenn man Betsy und Band zugestehen muss, dass sie im Gegensatz zu Tyrant einen grundsoliden Set aufs Parkett des Bombay’s legen. Wenn man bedenkt, dass die Dame mittlerweile auch 68 Jahre alt ist, liefert sie eine beachtliche Darbietung ab. Zwar ist der Auftritt nicht ganz so gut wie am Frost & Fire III im 2017, trotzdem muss man Betsy Respekt zollen für den heutigen Auftritt. Gundsätzlich ist sie bestens bei Stimme und für ihr Alter auch in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Von der Setlist her macht die „Band“ alles richtig und baut die Klassiker elegant in den Set ein. So startet die Dame aus L.A. mit den echten Klassikern und schiebt mit „Never Come Home“ einen Demo Song von 1982 gleich nach „Right From The Start“ nach. Mit „Damnation Alley“ kommt dann einer der bekanntesten Songs zum Zuge. Betsy singt fehlerfei, und auch ihre Band ist bestens eingespielt. Trotzdem kommt nicht die gleich gute Stimmung auf wie zuvor bei Night Demon. Geil ist das Medley aus den Klassikern „Leatherbound“/“Live For The Whip“/“Be My Slave“, wo nochmals richtig Stimmung aufkommt. Den Abschluss dieses guten Auftritts bildet wie gewohnt das Elton John Cover „The Bitch Is Back“. Ein musikalisch grundsolider Set, der Spaß gemacht hat. Das Eigentor schießt Betsy aber selber, als sie Kit Ekman das Interview für den Night Demon Podcast verweigert. Starallüren, ohne ein Star zu sein, ist eine ungern gesehene Tugend. Ihr Gitarrist Chris Cardenas ist da weniger wählerisch, nutzt die Gratiswerbung und gibt bereitwillig Auskunft.
Setlist: Right From The Start, Never Come Home, Damnation Alley, Black Candle, My Power Bomb Baby, Devil Made You Do It, Riding Thunder, Turn You Inside Out, Rock ’n‘ Roll Musician, Make It Real, Leatherbound/Live For The Whip/Be My Slave, The Bitch Is Back.
Nach Bitch werden wir recht schnell aus dem Bombay hinaus komplimentiert. Wie wird man Metaller möglichst schnell los? Man legt irgendwelche Schrottmusik auf und das möglichst laut. Wie uns Diego, der Besitzer des Bombay erklärt, hat er freitags und samstags Events mit Stammkundschaft, die in der Regel gegen 23:00 Uhr beginnen. Wenn er diese Events auch nur für ein Wochenende aussetzt, kommen diese Gäste nicht mehr. So muss die Aftershowparty ins nahe Gibson’s verlegt werden, wo mit Dirty Tricks und Angel Fury nochmals zwei gute, junge Bands spielen.
Der zweite Tag beginnt mit einem Bier am Ventura Peer mit meinem guten Freund Kit Ekman und einem anschließenden Mittagessen mit anderen US Freunden (Sandra und Mike, Sean, Chris und natürlich the one and only Kit Ekman), die ich länger nicht mehr gesehen habe. Zudem werden neue Kontakte nach Arizona und Seattle geknüpft. Das Land ist zwar riesig, die Szene im Underground Metal aber trotzdem überschaubar. Bevor der Startschuss im Bombay fällt, machen wir noch einen Abstecher in die Ventura Coast Brewery, die gleich um die Ecke ist und immer wieder durch gute Bierkreationen brilliert. Los geht’s heute pünktlich (!) um 16:00 Uhr mit Hands Of Goro aus San Francisco. Bei genauerem Blick auf die Band sticht heraus, dass der Bass von Slough Feg Basser Adrian Maestas geschwungen wird, der bei Hands Of Goro auch für den Gesang zuständig ist. Aber auch Klampfer Tom Draper ist kein unbeschriebenes Blatt, agiert dieser doch auch bei den L.A. Metallern von Pounder und war für ein paar Jahre bei Spirit Adrift tätig. Zudem war der gebürtige Brite auch bei Angel Witch oder Carcass live aktiv. Interessanterweise finde ich eine Woche später heraus, dass wir mit Craig Behrhorst (Ruffians) einen guten gemeinsamen Freund haben. Die Metal Welt ist klein. Der Sound von Hands Of Goro ist mehrheitlich direkter und weniger vertrackt als jener von Slough Feg, auch wenn beim einen oder anderen Soundelement eine gewisse Nähe zu Slough Feg besteht. Im melodiösen „Uncanny“, vermeintlich der beste Song der Band, stellt sich als cooles Slough Feg Cover heraus. Hands Of Goro schaffen es aber, dem Song mehr Direktheit und Drive zu verleihen als in der etwas vertrackten Slough Feg Version. Wenn man nicht weiß, dass es sich hier um ein Cover handelt, merkt man es nicht, denn der Song ist schon deutlich anders als das Original. Die Gitarren Leads könnten aus der Frühphase der Eisernen Jungfrauen stammen, was den Song wirklich adelt. Zu meiner Verwunderung besteht die Hälfte des Sets aus bisher unveröffentlichten Songs, während die zweite Hälfte der Songs vom selbst betitelten Debütalbum, welches im März 2024 auf die Menschheit losgelassen wurde, stammt. Jarvis hat immer wieder ein gutes Händchen, coole, in Europa noch unbekannte Undergroundbands zu buchen (siehe Hell Fire, Pounder, Bewitcher oder Riot City in der Vergangenheit), und so sind Hands Of Goro eine weitere positive Überraschung für mich dieses Jahr. Der Tag startet heute also deutlich besser und positiver als der gestern, denn Hands Of Goro liefern einen grundsoliden, musikalisch starken Auftritt ab.
Setlist: Intro, 21st Century Plague, Love Child, Demonizer, Uncanny, Pain Giver, The Peaks Of Gozan, Backbreaker, Goro Loves Cocaine, Archduke Of Fear.
Night Cobra kenne ich vom Namen her und ich habe das „Dawn Of The Serpent“ (2022) auch in meiner Autorotation. Trotzdem kenne ich das Material nicht im Detail, weil ich mir das Zeugs immer nur als Hintergrundmusik reinziehe. Das coole Quartett aus Houston spielt tight auf und macht live um einiges mehr Spaß als auf Tonträger. Auch optisch passen die Jungs bestens ins Konzept. Der obere Teil des Mikroständers von Sänger Bekka Larson (ex-Gitarrist von Eternal Champion) ist in Form einer Kobra gehalten. Passt also. Bekka hat zusammen mit Basser Trevi mit Venomous Maximus im Jahr 2017 bereits im Bombay auf dem Frost & Fire III, ebenfalls auf der Bühne im vorderen Teil gespielt. So schließt sich für die zwei quasi der Kreis. Der Gesang von Bekka gefällt mir ausgezeichnet, ist dieser doch im mittleren Frequenzbereich angesiedelt und kommt einerseits präzise und andererseits druckvoll rüber. So ballert man dem Publikum Bandklassiker wie „Escape From Earth“ oder das schnelle, aber eingängige und zum Mitsingen animierende „Chains Of The Beast“, beide von der 2019er EP „In Praise Of The Shadows“, um die Löffel. Das Highlight des heutigen Sets stellt aber das Judas Priest Cover „Turbo Lover“ dar, welches das Bombay erstmals richtig zum Kochen bringt. Der zweite Festivaltag ist nun endgültig lanciert.
Das nächste Quartett, welches erst 2022 gegründet wurde, hat bisher 2 EPs (2022 & 2023) und einen Longplayer (2024) veröffentlicht. Intranced aus L.A. ist die Band von ex-White Wizzard Sänger James-Paul Luna und Fortress Gitarrist Fili Bibiano. Es kommen heute Songs von allen Tonträgern der Band zum Zuge und der Fokus des Sets liegt natürlich auf dem aktuellen Album „Muerte Y Metal“. Mir gefällt der Sound der Band, welcher stark vom ausgezeichneten Gesang lebt, sehr gut. Neben seinen Qualitäten als sehr guter Sänger besticht James-Paul auch als guter Frontmann, der in seinem an einen Zauberer erinnernden Umhang, auch zum Blickfang der Darbietung der Band wird. Man merkt in Südkalifornien die Nähe zur mexikanischen Grenze nicht nur aufgrund des Einflusses im kulinarischen Bereich, aber auch in den Texten von Intranced, bei denen immer wieder spanische Textelemente (siehe „Muerte y Metal“ oder „La Fuerza Negra“, um nur zwei Beispiele aus dem heutigen Set zu nennen) eingebaut werden. Mir gefallen vor allem das zügig vorgetragene „Upside Down“ und das speedige „Intranced“, beide von der selbstbetitelten EP. Beides sind sehr coole Nummern bei denen man auch den Bass sauber heraushören kann. Der agile und musikalisch robuste Auftritt der Band ist kurzweilig, unterhaltsam und macht richtig Spaß. Eine weitere interessante Entdeckung des diesjährigen Frost & Fire Festivals.
Blind Illusion sind eine Thrash-Institution und die Band gehört zu den echten Veteranen der Bay Area Thrash Szene. 1978 in der Bay Area gegründet, gehören sie zu den Gründervätern der Bay Area Thrash Szene. Allerdings dauert es zehn Jahre und dutzende von Line-up Wechseln, bis 1988 endlich das Debütalbum erscheint. Da ist der Zug um den Drive der Bay Area Thrash Szene, selbst in der dritten Welle zu nutzen, bereits vorüber. Zu den illustren Mitgliedern der Frühphase gehört unter anderem auch der spätere und immer noch aktuelle Heathen Sänger Dave White (1979-1985, auch als Drummer). Später sind auch andere Bay Area Veteranen wie Doug Piercy (ex-Heathen, 2017-2024) oder Andy Galeon (ex-Death Angel, 2020-2024) teil des Line-ups. Marc Biederman’s aktuelle Sidekicks sind allerdings alle erst seit letztem Jahr dabei, so dass Marc das einzige verbliebene Originalmitglied der Band bleibt. Irgendwie schade, hätte ich doch gerne Andy Galeon wieder live gesehen und getroffen. Das letzte Mal habe ich Andy bei einem The Butlers Gig im 2016 in Oakland gesehen. Heute macht die Band alles richtig und spielt das Debütalbum „The Sane Asylum“ aus dem Jahre 1988 am Stück. Man spielt die Klassiker und präsentiert somit auf diesem Underground Festival das relevante Material. Als einzige Thrash Band wirkt man etwas Fehl am Platz, aber als echte Legende hat das Quartett natürlich seine Berechtigung, auf dem Frost & Fire zu spielen. Trotzdem will der Funke bei mir nicht wirklich springen. Als eine der wenigen Bands habe ich hier den Eindruck eines zusammengewürfelten Haufens, der vielleicht noch nicht ganz eingespielt ist, trotzdem aber einen druckvollen Livesound generieren kann. Respekt dafür! Das sind alles super Musiker, die aber wohl noch einen Moment brauchen, um wirklich zu einer Einheit zu werden. Cool, die Band mal auf einer kleinen Bühne live gesehen zu haben, aber Legendenstatus hin oder her, habe ich etwas mehr erwartet.
Setlist: The Sane Asylum, Blood Shower, Vengeance Is Mine, Death Noise, Kamikazi, Smash The Crystal, Vicious Visions, Metamorphosis Of A Monster.
Der Early Moods Gig ist sicherlich einer der skurrilsten, den ich je gesehen habe! Ich kannte weder die Band, noch ihre Musik im Vorfeld und bin durchaus angetan von dem, was mir da heute zu Ohren kommt. Der stark von Black Sabbath beeinflusste Sound gefällt mir auf Anhieb. Beim Opener „Spellbound“ kommen mir aufgrund der Dissonanzen als erstes The Night Eternal in den Sinn, vor allem beim speedigen Anfang. Während des dritten Songs begebe ich mich zum Bier holen an die Bar, und als ich zurück komme, steht da ein anderer Sänger auf der Bühne. Ich frage meinen Kumpel Chris, was passiert sei, und er meint, der Sänger sei plötzlich verschwunden, und jemand anderes hätte das Mikro übernommen. Night Demon Klampfer Armand weiß dann genauer Bescheid. Anscheinend ist dem Sänger Albert schlecht geworden, so dass er nicht weiter machen konnte. Wie ich im Nachhinein gehört habe, musste er ins Spital und es ging ihm anscheinend wirklich schlecht. Schlussendlich nichts Schlimmes, aber wir alle kennen das – manchmal geht’s einem plötzlich derart schlecht, dass man denkt, es geht zu Ende. Das war wohl sein Moment. Zum Glück für die Band kann ein mitgereister Fan der Band das Mikro übernehmen und den Set weiterführen. Und ehrlich gesagt macht „Mr. Unbekannt“ optisch einen besseren Job als der Stammsänger der Combo, zumindest vom Stageacting her. Auf der Setlist stehen noch weitere Songs, aber ich glaube, nach sechs Songs ist dann Schluss. In Anbetracht der Tatsache des Sängerausfalls nicht schlecht. Ich habe mich im Nachgang etwas genauer mit der Band aus L.A. auseinandergesetzt und das Material gefällt mir eigentlich ganz gut. Eine der unkonventionellsten Bands des Festivals, deren Sound mir gut gefällt. Wer auf Black Sabbath beeinflusste Mucke steht, sollte hier mal reinhören. Hoffentlich geht es Albert mittlerweile wieder gut und die nächsten Auftritte der Band kommen ohne solche Intermezzi aus.
Setlist: Spellbound, Defy Thy Name, Return To Salem’s Gate, Blood Offerings, Early Moods, Walpurgis, A Sinner’s Past, Damnation.
Wie mir Javis später bei einem Bier erzählt, hat er das Festival um die nächste Band aus Chicago herum aufgebaut, weil die Jungs unbedingt in der Region spielen wollten. Man kann ein Festival um deutlich schwächere Livebands herum aufbauen. Ich habe High Spirits am Pyrenean Warriors Open Air im September 2023 das letzte Mal live gesehen, und bereits dort wussten sie zu überzeugen. Heute sind sie die klar beste Band des Tages, denn hier stimmt einfach alles. Tolle Songs, gute Soundqualität, großartige Musiker und der berühmte Funke der ab der ersten Note auf’s Publikum überspringt. High Spirits sind eine Melodiemaschine! Nach der etwas kuriosen Darbietung von Early Moods direkt zuvor, kann man als Band mit Songs zum Mitsingen nur gewinnen. Die Band hat Bock, die Songauswahl ist grandios und das Publikum ist bereit, mitzugehen. Das Quintett aus Windy City strahlt dabei eine derart positive Energie aus, dass man gar nicht ruhig stehen bleiben kann. Nach der ultrakurzen Vorstellung „My Name is Chris and these are my friends“ startet die Band mit „Flying High“ in ihren tollen Opener. Generell reiht sich Hit an Hit in der Setlist, welche Songs der ganzen Bandhistorie umfasst. Mit „In The Moonlight“ und „One Day Closer“ stehen zwei weitere meiner Lieblingssongs in der ersten Hälfte des Sets. Die Band ist dabei ultra tight und es sitzt jede Note perfekt. Es sind diese Fakten, die eine Band zu einer guten Liveband machen, und High Spirits funktionieren bei mir primär live. Ich mag die Songs auch auf Konserve, aber live mitzusingen und mitzugehen, ist nochmals eine andere Baustelle. Die guten und fette Backingvocals der Seitenfraktion passen bestens und verleihen den Songs live viel Druck und Professionalität. Das klingt alles sehr harmonisch und die melodischen, aber keineswegs cheesigen Songs werden in Perfektion ins Publikum gefeuert. Die Band schaue ich mir jederzeit wieder gerne live an.
Setlist: Flying High, This Is The Night, In The Moonlight, Restless, One Day Closer, Full Power, I Need To Know, Another Night In The City, Do You Wanna Be Famous, Now I Know, When The Lights Go Down, High Spirits, Nights In Black.
Und dann ist es Zeit für die allerletzte Show von Cirith Ungol! Oder doch nicht? Ursprünglich war es geplant, die Band am Frost & Fire in Ventura zu Grabe zu tragen, aber die beiden älteren Herren in der Band wollen nicht aufhören. Wie mir Rob bereits ein Jahr zuvor auf der Fahrt zur Paiste Gong Fabrik nördlich von Hamburg erzählt hat, will er nicht aufhören. Bei den Urmitgliedern der Band herrscht zu viel Spaß an der Musik, um aufzuhören. Nein, das ist keine Business Entscheidung, das ist eine Entscheidung des Herzens und der Liebe zur Musik. Im Vergleich zu den letztjährigen Headliner Sets in Europa ändert sich wenig an der Setlist. Einzig „Paradise Lost“ muss zugunsten von „Legions Arise“ über die Klippe springen. Interessanterweise, und wie cool ist das denn, ist Jim Barraza (Gitarrist von Cirith Ungol von 1988 bis 2023) im Publikum und schaut sich den Gig seiner ehemaligen Band, die er nicht freiwillig verlassen hat, an. So ganz ohne Spuren geht es sicherlich nicht an ihm vorbei. Ich habe mich am Vortag länger mit Jim unterhalten und er scheint in deutlich besserer, gesundheitlicher Verfassung zu sein. Es war cool, Dich wieder getroffen zu haben, Jim. Alles Gute! Musikalisch haut Armand die Riffs stilsicher und mit viel Druck raus und verleiht den Soli mit seinem unnachahmlichen Stil eine eigene Note. Trotzdem klingt es klar nach Cirith Ungol, vor allem dann, wenn Tim seine einzigartigen Vocals über die Songs legt. Egal was die Seitenfraktion werkelt, das charakteristische Drumming von Rob und der einzigartige Gesang von Tim machen daraus unnachahmlich Cirith Ungol. Warten wir es mal ab wie es mit den Veteranen weiter geht. Heute Abend legt das heimische Quartett einen grundsoliden Gig auf’s Parkett, der musikalisch wenig Wünsche offen lässt. Armand’s Gitarrenspiel ist druckvoll und ich ziehe immer wieder meinen Hut wie er dem Sound als einziger Klampfer derart viel Volumen verleihen kann. Auch wenn ich es schade finde, dass Greg und Jim nicht mehr an Bord sind, muss man aus der qualitativen Sicht zugestehen, dass die aktuelle Version der Band die musikalisch stärkste ist. Da können die Nörgler mir noch so auf den Sack gehen, Fakt bleibt Fakt. Die neueren Songs wie „Sailors On The Seas Of Fate“, „Looking Glass“ oder „Forever Black“ fügen sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein. Man muss vor Tim und Rob den Hut ziehen, dass sie auch mit fast 70 Jahren noch einen qualitativ hochstehenden Headliner Set bewältigen können. Es gibt immer wieder kurze Unterbrechungen zwischen den Songs, um vor allem Drummer Rob eine kurze Verschnaufpause zu gönnen. Dann kurz vor Ende des Sets lässt Jarvis die Bombe platzen. Cirith Ungol werden nicht aufhören, hauptsächlich weil die beiden Urmitglieder die Band nicht auflösen möchten. Man kann dazu stehen wie man will, ich finde es gut! Im Anschluss beendet die Band mit „Join The Legion“ sowohl ihren Set als auch den Hauptteil des Festivals.
Setlist: Legions Arise, Atom Smasher, I’m Alive, Sailors On The Seas Of Fate, Blood & Iron, Chaos Descends, Frost & Fire, Black Machine, Looking Glass, Forever Black, Death Of The Sun, Master Of The Pit, King Of The Dead, Down Below, Join The Legion.
Ähnlich wie am Vortag werden wir wieder darum gebeten, das Bombay möglichst zügig zu verlassen. Die skurrile Kundschaft des Folgeanlasses steht bereits draußen vor der Tür. Wir haben zwei friedliche Tage im Bombay erleben dürfen. Bei der Folgeveranstaltung am Samstagabend im Bombay gibt es dann anscheinend mächtig Ärger. Wie mir zu Ohren kam, gab es aufgrund einer heftigen Schlägerei vor dem Club einen größeren Polizeieinsatz in den frühen Morgenstunden. Die Besucher des Frost & Fires lassen das Festival wiederum im Gibson’s um die Ecke friedlich ausklingen. Mit Arti und Serpent spielen nochmals zwei coole Bands. Vor allem Arti gefallen nicht nur mir sehr gut, sondern auch den Organisatoren des Hell’s Heroes Festivals. Wie ich vernommen habe, soll die Band im April 2026 in Texas auf’s Billing rutschen. Und so endet die fünfte Ausgabe des Frost & Fires. Es waren wiederum zwei tolle Tage in familiärer Atmosphäre. Zwei friedliche Tage, die in guter Gesellschaft bei konstant guten Darbietungen der Bands rasend schnell vorbei gegangen sind. Vielen Dank an Jarvis, Armand und Brian für die super Organisation. Es war nicht alles perfekt, aber trotzdem supercool. Der Charm des Festivals kompensiert die kleineren Hick-ups bestens. Im europäischen Herbst ein Festival im kalifornischen Spätsommer genießen zu dürfen, war sehr entspannend. Dieses Festival bleibt mein Lieblingsfestival, besonders aufgrund der familiären Atmosphäre, kombiniert mit der Do-it-yourself Attitüde und dem Fokus auf musikalische Qualität. Wenn es eine nächste Ausgabe des Festivals geben sollte, versuche ich sicher wieder dabei zu sein.
Autor & Pics: Steph Bachmann

