AUDREY HORNE – achilles
Nanu, ein Review von den modernen Hard Rockern bei X-Crash? Tut das denn Not? In Anbetracht der Lage der Nation einerseits, aus Ermangelung an einem neuen Journey Album oder gar eines Sommeralbums andererseits – ja, das tut es! Aber der Reihe nach. Auf den ersten drei Veröffentlichungen frönten die Norweger noch arg dem modernen Alternative Sound. Mit ihrem Überflieger Album „Youngblood“ (2013), ihr angeblich bestes, änderte sich der Stil in Richtung Classic Rock bzw. Hardrock und wurde auch für Metaller und Hardrocker hörbar. Dieser Tage erscheint ihr mittlerweile achtes Studioalbum, von dem selbst unser Cheffe der Meinung ist, wenn auch nicht sein Genre, dass es stark ausgefallen sei. …quod est demonstrandum. Mit dem treibenden Opener und Titelstück wird schon mal gut vorgelegt. Der Clou erfolgt aber bei den drei folgenden Stücken, die allesamt süchtig machen. Selbst ‚Lärmfindende‘ laben sich zuweilen an den Melodien wie eine Horde Ameisen an einem zerbrochenen Honigglas.
Den Anfang macht „In The Eye Of The Hurricane“, welches über eine ohnehin schon starke Bridge verfügt und mit dem Refrain, der auch aus einem Proberaum in Hannover hätte stammen können, den Vogel abschießt. Sonderlich einfallsreich ist das jetzt nicht, aber dieses Mal sehr effizient. Auch die Gitarrenköpfe richten sich wahlweise nach Niedersachsens Hauptstadt oder gar nach East London. “Vampire“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber eigenständiger und hat im Solopart deutliche 86er-Maiden-Referenzen. Dann folgt der Gute-Laune-Hit „God Damn Beautiful“, welcher mehr an die Schweden The Nightflight Orchestra oder Eclipse erinnert. Allerdings kommt diese Rocknummer völlig ohne irgendwelches Keyboardgedöns oder 80s Vibe aus. Hier hat übrigens Bassist Espen Lien den Leadgesang übernommen. Auch seine Basslinien treten hier deutlich in den Vordergrund, was dem Song eine leicht punkige Note verleiht. Mit „Pretty Little Lies“ folgt dann die großangelegte Ballade, die Zeit zum Verschnaufen lässt und nicht mehr so happy tönt wie noch der vorherige Titel. Im Mittelteil wird einem vor Augen bzw. Ohren geführt, welch tolles Gitarren-Gespann Ice Dale (auch bei Enslaved) und Thomas Tofthagen sind. Hier spielen sie sich, wie die ganz ‚Großen‘, gegenseitig ihre Leads zu und nehmen zum Ende der Ballade etwas von der Schwere. Nach dem kurzen und martialischen Instrumental „Prodrom“ wird das Tempo wieder deutlich angezogen. Das mitreißende „Insanity“ hat einmal mehr einen Ohrwurm-Refrain und riecht an allen Ecken und Enden nach Maidens „Hallowed Be Thy Name“. Selbstverständlich wird hier nicht dreist drauflos kopiert, sondern es sind ja lediglich die Reminiszenzen, die geschickt mit dem bandeigenen Stil verwoben werden, wobei etwas Großartiges zu Stande kommt. Gerade auf der B-Seite sind genügend metallische Spurenelemente vorhanden, dass auch die letzten Kompositionen vom „Metalschutzbeauftagten“ getrost ohne Bedenken durchgewunken werden können. „Hell Is Eternity“ ist solch ein weiterer Kandidat. Eine hypnotische Bassline, geschickte Breaks und ja, ein Killerrefrain, und noch mal ja, maideneske Gitarrenparts, machen aus diesem Song einen übergroßen Sieger. Gleiches gilt für das folgende „Six Feet In The Ground“, welches direkt nach dem Solo abrupt endet. „Running Through The Night“ ist noch straighter und energischer ausgefallen, enthält Gangshouts im Refrain, und erinnert in instrumentaler Hinsicht eher an Judas Priest, Accept oder AC/DC. Das abschließende, hochmelodische „New Star Falling“ beendet mit „Thin Lizzy“-Feeling die B-Seite und das innere Blumenpflücken auf der bunten Melodienwiese des Classic Rock.
Ob hier alles Metal ist oder nicht, ist völlig egal. Alle Songs sind (sehr) gut gemacht, hörenswert und absolut mitreißend … manchmal braucht man eben auch was fürs Herz!
Wertung: 9/10
Autor: Michael Staude
| Label: | NAPALM RECORDS |
| VÖ-Datum: | 04.09.2026 |
| Running Time: | 44:11 |
| Format: | CD, Vinyl |
Erhältlich bei:
Idiots Records


