CAUSAM, IFFERNET, SUNKEN
Basel (CH), Valhalla, 10.12.2025
Im Vorfeld schrieb mir mein ehemaliger Chef aus Dänemark, was ich am 10. Dezember machen würde. Wenn ich keine Pläne hätte, solle ich mir doch Sunken anschauen, eine dänische Black Metal Band, bei der einer seiner aktuellen Mitarbeiter spielen würde. Gesagt, getan, ich reserviere mir diesen Abend und pilgere ins Valhalla. Mit 15 CHF im Vorverkauf und 20 CHF an der Abendkasse, bewegt sich der Ticketpreis in einem sehr moderaten Bereich. Ich schlage kurz vor 20:00 Uhr im Valhalla auf und die erste Person, die ich im Valhalla treffe, ist prompt Jonas Fragthman, eben jener Mitarbeiter meines ehemaligen Chefs. Nach einem kurzen Schwatz geht’s auf der Bühne kurz nach 20:00 Uhr mit der ersten Band los. Für einen Mittwochabend ist das Valhalla mit um die 50-70 Nasen doch anständig gefüllt. Man trifft den einen oder anderen Kollegen und nicht ganz unerwartet, ist das Baden in Blut Merchandise bei den Fans gut vertreten heute, und auch der Metal Maniacs Markgräflerland e.V. (der Verein, welcher das Baden in Blut organisiert) ist mit einer amtlichen Delegation erschienen.
Mit dem Opener ihres Debütalbum „Doomsday Rapture“ (2021) legen Causam aus dem Kanton Bern druckvoll los. Ich kenne die Band nicht, ihr atmosphärischer Black Metal, der mit viel Blast unterlegt ist, gefällt mir aber auf Anhieb. Die Band wurde erst 2020 gegründet und hat bisher zwei Alben veröffentlich, die vom Underground sehr gut aufgenommen wurden. Die Bühne ist mit zahlreichen Knochenreliquien dekoriert, die Bandmitglieder tragen alle Corpse Painting und sind (Kunst)blutverschmiert. Die mit viel Leadgitarren unterlegten Songs könnten auch von einer etablierten skandinavischen Band stammen. Aber spätestens beim ins Mikro geröchelten „Merci Viu Mau“ merkt man, dass das Quartett eben aus der Region Bern stammt. Irgendwie passt Gegrunze und Berndeutsch nicht so richtig zusammen, aber egal, es wird ja englisch gegrunzt, dann spielt das keine Rolle. Und bühnentechnisch und soundmäßig macht die Band alles richtig. Die Fäuste sind schnell oben und das beachtlich zahlreich erschienene Publikum macht amtlich mit. Man präsentiert einen repräsentativen Querschnitt durch die zwei Alben, die man jedem Black Metal Fan wärmstens empfehlen kann. Tight und sauber werden die Songs ins Publikum gefeuert, und ich nehme mir vor, mich im Nachgang noch genauer mit den Jungs auseinanderzusetzen. Ein sehr guter Start in den Abend.
Setlist: Intro, Wasteland Utopia, Far Away From This False World, Creed, Abandon, Black Death, The Great Famines, Prime Evil.
Auch die Franzosen von Iffernet sind für mich ein unbeschriebenes Blatt. Das Duo aus Rouen in der Normandie hat bisher zwei Alben veröffentlicht, „Iffernet“ (2019) und „Silences“ (2022). Die beiden Musiker lärmen sich mittels Gitarre und Schlagzeug durch ihren sehr primitiven, auf das Minimum reduzierten Black Metal. Wenn man nur zu zweit ist, kann man keinen breiten Soundteppich legen. Den „Gesang“ teilen sich die zwei, wobei mir die tiefen Growls von Drummer David Hémery (Nemri oder schlicht N.) deutlich besser zusagen, als das hohe Gekeife von Gitarrist Benoît Sourd (schlicht B. benannt auf den Tonträgern). Ich kann mich wenig zu den gespielten Songs äußern, da ich das Material nicht kenne. Die Songs sind aber beim Blick auf die Tracklisten der Alben in der Regel sechs bis sieben Minuten lang, für mich bleiben die akustischen Darbietungen der Band sehr eintönig und zu undifferenziert, zumindest für meine Lauscher. Das Gerumpel des Duos ist zwar sauber gespielt, aber ist mir auf die Dauer zu langweilig. Beim Publikum stoßen die beiden Musiker aber durchaus auf positiven Resonanzen. Gut so, Musik ist zum Glück Geschmacksache.
Ganz anders als das Gelärme der Franzosen zuvor kommt der vielschichtige Sound von Sunken aus Aarhus daher. Der atmosphärische Black Metal der Dänen trifft meinen Musikgeschmack deutlich besser, als alles andere, was ich heute Abend zuvor gehört habe. Musikalisch kann ich eine Nähe zu den Landsmännern von Afsky feststellen. Diese Nähe ist dann wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass Basser Jonas und Klampfer Simon zum Live Line-up von Afsky gehören. Was mir bei beiden Bands, Afsky und Sunken, gefällt, sind die ruhigen, oft durch Akustikgitarren getragenen, langsamen und nicht selten sehr melancholischen Songelemente. Sunken wurden bereits 2013 gegründet, wobei es dann bis ins Jahr 2017 dauert, bis das Debütalbum „Departure“ auf die Menschheit losgelassen wird. Was auffällt, sind die teils sehr langen Songs und so werden heute in der guten Stunde, welche die Band auf der Bühne steht, lediglich fünf Songs gespielt. Durch die erwähnten langsamen Elemente, ist es als mit dem Material nicht vertrauter Zuschauer manchmal schwierig zu erkennen, wann die Songs zu Ende sind. Und so kommt öfter Applaus aus dem Publikum auf, obwohl das Stück noch nicht zu Ende ist. Ähnlich wie bei Afsky wird bei Sunken auf Dänisch „gesungen“. Im ganzen Gegrunze nimmt man diesen Punkt nur selten bewusst wahr. Aufgrund der Nähe des Dänisch zum Altnordisch (schwedisch und norwegisch sind da deutlich weiter weg), empfinde ich die Texte als durchaus passend zum melancholischen Sound. Das Quintett startet mit dem Opener des aktuellen Albums „Lykke“ (2025) und schiebt dann gleich einen weiteren Song dieses Albums nach, bevor man einen Song des Vorgängeralbums „Livslede“ zum Besten gibt. Der vierzehnminütige Rausschmeißer des aktuellen Albums beschließt den offiziellen Teil des Sets bereits nach nur vier Songs. Das lautstarke, sichtlich angetane Publikum bittet die Dänen aber nochmals zurück auf die Bühne. Mit dem tollen, über zwölfminütigen „Ensomhed“ (zu deutsch Einsamkeit) beschließen Sunken einen coolen Mittwochabend. Musikalisch ist das sauber gespielt und sackstark umgesetzt, das blau-violette Licht auf der Bühne ist aber der Albtraum eines jeden Fotographen.
Setlist: Din Røst Malede Farver I Luften; Glædesfærd; Dødslængsel; Når Livet Går På Hæld; Ensomhed.
Autor & Pics: Steph Bachmann

