Dortmund Deathfest
Dortmund, Junkyard, 31.07.2026 – 01.08.2026
Tag 1, Freitag, 31.07.2026:
Irgendwer erzählte am heutigen Festivalfreitag was von ausverkauft. Den Eindruck haben wir auch, denn es ist schon sehr voll auf dem Gelände; man kann kaum ein paar Meter geradeaus gehen, ohne anderen ausweichen zu müssen und die Schlangen an den Theken sind nicht gerade kurz. Es hat sich bereits eine lange Personenreihe am Einlass gebildet, als Blood Red Throne schon spielen. Von dem Auftritt der Norweger bekommen wir noch die zweite Hälfte mit und es läuft für die dreißig Grad draußen aber entspannt ab. Der Fünfer hat uns schon mit seinem aktuellen Album „Stiltskin“ überzeugt und kann uns hier so abholen, dass im Anschluss der Gang zum Merch Pflicht wird. (Joxe Schaefer)
Irgendwie muss man lange warten, um die Überdachung zum Merch betreten zu können. Vor uns warten schon meterlang Gäste, die das gleiche vor haben wie wir. Jetzt nicht wirklich schlimm, denn wir können diesmal eh nicht alle Bands in diesem Livereview berücksichtigen. Derweil dringen schon die stumpfen Klänge von Voorhees aus Metz aus der Halle. Hier gibt es gar keine Sitzmöglichkeiten. Wer Probleme mit der Wirbelsäule hat, oder sich sonst mal kurz entspannen möchte, muss auf dem Betonboden Platz nehmen. Die Franzosen haben drei Alben und locken mit ihrem coregefärbten und rohen Geriffe so einige Fans an, dass es zu eng wird, auf dem Boden zu sitzen. Man wird in der Dunkelheit auf dem Boden hockend auch leicht übersehen und angestolpert. Dafür klimatisiert wahrscheinlich eine aus einem alten Setra-Bus ausgebaute Druck Raumlüftung die Halle, denn zu warm ist es hier erträglicherweise gar nicht. Zwei Minuten vor Kaffeezeit ist Schluss, dem hätten wir nun gerne noch länger lauschen können. (Joxe Schaefer)
Leider müssen die Gäste, besonders Gesundheitsbedachte, Antialkoholiker und Autofahrer auf heiße Getränke verzichten. Bei dem Wetter nicht sooo schlimm, aber dass es an keiner der Theken keinen Kaffee zu erwerben gibt, darf schon als weiterer Kritikpunkt angeführt werden. Richten wir nun unsere Neugier darauf, wie wohl Beheaded aus Malta mit ihrem brutalen Zeug live klingen. Sie selbst stellen sich als aus Italien kommend vor. Ein schräges Klassikorchester vom Band wird alsbald durch fetter Tiefengrooviges ersetzt. Der kontinuierliche Durchstampfer „Embrace Your Messiah“ folgt nach der Ansage, das Tempo runter zu fahren, worüber niemand meckert. Warum auch, der Tiefengroove stimmt ja definitiv. Letztendlich legte der südeuropäische Fünfer einer der besten Gigs des Festivals hin. Das Abgreifen des aktuellen „Ghadam“ Vinyls am Merch war nach den vierzig Minuten ein Selbstläufer. (Joxe Schaefer)
Um zehn vor vier wird ein synthetisches Brummelintro für Omnivortex abgespielt, die ganz ohne Backdrop auftreten. Danach versorgt uns die Truppe mit technischem Zeug. Die Techseite des Bandsounds tritt in den Hintergrund, da der straighte Hammer der Drums den Weg weist. Sie haben zwei Alben raus und fegen los wie die Feuerwehr. Die Mannen aus Helsinki zeigen sich etwas dünner im Sound, aber liefern die Highspeed straight. Der Vierer der bunten Gitarren, sie greifen auf die Korpusfarben Blau, Gelb und Fastweiß zurück, haben ihren Drummer für die Vocals. Zwischen seinen Bellvocals gehen die Arme hoch, wenns mal kurz leiser wird. Sie kommen offenbar sehr gut an, die Publikumsreaktionen sind gar nicht so zurückhaltend. Auch wenn ihre neue Platte „Throne Of Absolute Chaos“ bloß eine EP geworden ist, wurde das Vinyl im Anschluss eingesackt. (Joxe Schaefer)
Wer nicht erst bis zum Party.San Open Air warten will, das nächste Woche stattfindet, kann 200 Stab Wounds aus Ohio schon hier live begutachten. Danach beginnen drinnen Celestial Scourge aus Norwegen, doch unser nächster Fokus liegt auf Sanguisugabogg aus Ohio. Zwar steht die Meute dicht gedrängt vor der Stage, doch die Luft wird bei sich bewegender Menge auf festgetretenem Kiesboden immer staubhaltig. Shouter Devin, unter anderem noch bei Earthburner aktiv, kann ein paar Worte Deutsch und bringt sie auch an. Für seine Tiefengrowls zieht er seine Ellenbogen zwar sehr hoch, doch Core ist im Gehörten nicht enthalten. Die Amideather grooveprügeln und bolzen sich mitreißend durch ihr Programm von einer Auswahl aus drei Alben und geben amtlich Karbid, auch mit Tattooverband am Unterschenkel von Shouter Devin. Tempomäßig nicht, aber von der Durchschlagskraft her setzen sie schon klare Ausrufezeichen. Auf jeden Fall bleibt schlussendlich festzustellen, ihr Auftritt war leichter zu genießen als ihr Bandname. (Joxe Schaefer)
In der runtergekühlten Halle erwartet uns nun thrashiger Death. Wahrscheinlich hatten die hier auf dem Schrottplatz noch ein Aggregat aus einem alten Setra-Bus, oder die ‚Kaiser‘ von Al Bundy. Rise Of Kronos aus Hamburg beruft sich auf einen Fundus von fünf Alben und tritt einheitlich in Legio Titanum Kutten auf. Es hängen Totenschädel, Ketten und Zeugs am Mikrofonständer, und sonst bemerken die Augen noch rote Bretter und Facepaints. Zu munteren Seitenwechseln und üppig Gepose bekommen die Ohren ruppige Schrotungen der Doublebass. Basser und Shouter Tom liefert hellere Growls und stiftet in der nicht ganz vollen Halle zum Pit an, der doch rüpelhafter ausfällt, als die Mucke. Aber zu Boden Gegangenen wird sofort aufgeholfen, doch wem das eine Stufe zu ruppig war, geht nach weiter außen zum Tresenbereich. Dort übrigens gibt es glücklicherweise keine Biere der großen Marken, sondern Astra, in dem wohl kein Glyphosat nachgewieden wurde. Kann man mal erwähnen, während auf der Stage nach dreißig intensiven Minuten schon Schluss ist. (Joxe Schaefer)
Mit Benediction entert die erste lebende Legende des Festivals die Bühne, sehr zur Freude der Old School Fraktion. Leider ist der Sound während des gesamten Gigs ein gutes Stück zu dumpf geraten, darüber hinaus lassen die Engländer aber kaum Wünsche offen. Zum Einstieg gibt es direkt „Nightfear“ vom überragenden „Transcend The Rubicon“-Album, und das Publikum geht direkt ordentlich mit. Leider fehlt natürlich Dave Ingram am Mikro, wird aber durch Dave Hunt, der ja bereits in der Vergangenheit den Posten der Vocals bei Benediction inne hatte, würdevoll ersetzt. Stimmlich ist der Gute recht nah an seinem Namensvetter, optisch bedingt durch sein nicht mehr vorhandenes Haupthaar natürlich eher weniger… Als er ein Entombed-Shirt im Publikum erblickt, lässt er es sich nicht nehmen der Audienz mitzuteilen: „There are three things in life that are safe: Death, Taxes and the first three Entombed-Albums!“ Nach einem Finale aus diversen Klassikern (ältester Vertreter: „Subconscious Terror“) lässt die Band sich gebührend feiern, und ich bin erstaunt und froh, dass keiner von ihnen während des Gigs in der prallen Sonne keinen Hitzschlag erlitten hat. (Felix Schallenkamp)
Asphyx gehören wie Benediction zu den ältesten noch aktiven Vertretern des Genres und verfügen dazu noch über den so ziemlich geilsten Frontman der Szene. Martin van Drunen ist mit seinem Stageacting und seinem unfassbaren Organ wie immer eine Bank und der perfekte Death Metal Entertainer. Los geht’s mit „Vermin“, dem Opener des Debütalbums (inklusive Intro), und die Meute dreht trotz Verschleißerscheinungen (verursacht durch Hitze, kaum Schatten und so gut wie keine Sitzmöglichkeiten auf dem Gelände) noch mal auf. Die Holländer nehmen das Publikum mit auf eine Reise quer durch ihre Discographie und fast vier Jahrzehnte Death Metal Geschichte. Zum Abschluss kommen natürlich noch die obligatorischen Highlights „The Rack“ und „Last One On Earth“, die bei mir immer noch Gänsehaut verursachen. Ein würdiger Abschluss des ersten Festival-Tages (zumindest was die große Bühne angeht)! (Felix Schallenkamp)
Tag 2, Samstag, 01.08.2026:
Im Anschluss an den Headliner des gestrigen Abends spielten noch Pighead statt Korpse in der Halle, und nach einer knappen Mütze Schlaf stehen wir nun pünktlich zu Jungle Rot aus Wisconsin wieder vor der Draußenbühne. Jeder einzelne des Vierers wird schon bejubelt, als er während des Intros auf Bühne kommt. Offensichtlich hat ihr Auftritt vor einem Jahr in Essen bleibende Spuren hinterlassen und wir sind gespannt, welche Songs der Vierer diesmal aus den zwölf Alben für die Setlist rausgepickt hat. „A Burning Cinder“ vom selbstbetitelten Album ist schon mal dabei und die Frage, ob Oldschool in the House wär, scheint nur darauf ausgelegt zu sein, ein sattes „Yeah!“ zu ernten. Die Menge wird bei wummernden Bässen, die bis hinten drücken, gepackt und mitgerissen, und das trotz der Mittagshitze. Ja klar, die Haudegen wissen wie das geht. Die Audienz reckt die Arme und vorne ertönen Jungle Rot-Rufe. Da waren vierzig Minuten einfach zu wenig. (Joxe Schaefer)
Drinnen geht es weiter mit Messticator. Man kann sie eindeutig an dem Backdrop, zwei großen Aufstellern, sowie dem Buchstaben M aus Stahl am Mikrofonständer erkennen. Sie spielen thrashiger und haben bereits zwei Alben am Start. Dass auch Death in ihrem Stil ist, muss hier wegen des Names des Festivals nicht explizit erwähnt werden. Und schon wieder wird mit einem Intro eingestiegen, diesmal eins mit Spoken Words aus tieferer Sohle. Die Halle wird nicht ganz voll, obwohl aber die Mucke stimmt. Klar und bassbetont kommen die Hamburger, außerdem mögen sie offensichtlich das markante Machine Head Gedächtnisquietschen. Es regiert schön die Thrashschiene und es scheppert an allen Ecken. Alles sehr gut bis dahin, als Tiefenvox-Shouter Thomas angibt, jetzt ein Schlachtfeld zu brauchen. Denn dazu werden aufgepustete Schwerter in die Menge geworfen. Allerdings wird damit mehr in der Luft rumgefuchtelt. Ganz schön Kindergarten, sagt ausgerechnet die Dame mit dem Gutalax-Shirt neben mir. Doch auch wir müssen uns jetzt überlegen, ob wir uns gleich am Merch noch das Vinyl abgreifen… (Joxe Schaefer)
Ganze neun Alben haben Cryptopsy aus Montreal schon raus, aber immerhin sind sie schon seit Anfang der Neunziger aktiv. Deswegen wissen die alten Hasen auch genau, wie das geht, den Pulk zu pushen, auch wenn von der alten Truppe inzwischen bloß noch Drummer Flo übrig ist. Da lassen nicht nur ihre hohen Geschwindigkeiten die Menge zappeln, sondern auch die korrekte Songauswahl, sowie punktuiert gesetzte Moves. Shouter Matt growlt in beiden Stimmlagen durch und schraubt sich die Rübe ab, wozu viele Gesten seine Performance unterstreichen. Da gibt es nichts zu meckern, auch wenn der Grünbass optisch etwas poppig wirkt. Für nur kleine Pausen sorgen die Intros zwischendurch. Die Sprühdusche aus den über den Platz gespannten Schläuchen hilft etwas gegen Staub und Temperaturen. Das Geschrote zündet wie erwartet, da sollte niemand enttäuscht werden, zumal man wie zu sehen trotz Hitze unmöglich stillstehen kann. Die brutalen Tech-Deather haben einen fünfter Mann mit auf der Bühne, der locker bis zum Auftrittsende mit dickem Gehörschutz durchbangt und auch die Schlussworte unter die amtliche Vorstellung macht. (Joxe Schaefer)
In der dunklen Halle sorgt für die nächste halbe Stunde eine Band aus dem nicht zu weit entfernten Umkreis für das weitere Programm. Bei Fleshworks aus Osnabrück rockt es und klingt etwas nu. Die Branded Skin Members machten vor fast zwanzig Jahren ein neues Fass auf und holten sich Shouter Dirk dazu. Der Fünfer hat seitdem drei Alben rausgehauen und die Einheit weiß, die Menge zu packen. Spätestens bei Anblick von Shouter Dirk mit seiner Metzgerschürze kommt uns Debauchery in den Sinn. Er animiert die Halle, die gut voll geworden ist, und kann das Publikum erreichen. Als er zum Stagediven einlädt, kommt aber bloß eine Crowdsurferin vorne an, die dann durch den Fotograben raus geht. Die Stilistik zieht sich durch und groovt so geradlinig wie eben auch die oben genannten Schwaben. Basser Jens drückt sein Instrument in den Bühnenboden und Dirk nutzt sehr gerne das Podest vorn der Bühnenmitte, um mit den Fans zu interagieren. So wurde ebenfalls optisch einiges geboten, nur leiden haben wir danach von Misery Index draußen in der Staubwüste nicht viel mitbekommen. (Joxe Schaefer)
Große Freude macht sich bei uns breit, denn jetzt stehen unsere Faves von Carnal Tomb Gewehr bei Fuß. Wir sind deswegen so sehr gespannt, weil die Berliner vor zwei Jahren im Don’t Panic zu Essen sehr fett ins Mett gehauen haben, und es zu erwarten steht, dass sie es heute wieder tun. Das war wohl auch einer unserer Hauptgründe für den diesjährigen Kartenerwerb für das Dortmund Deathfest. Nach dem brummigen Synthintro mit Glockenspielen haut ihr Gitarrist und Fronthüne ein amtliches Moin! als Begrüßung raus. Das kommt an, das macht richtig Laune. Bejubelt wird auch der Moment, als die Drums „Run To The Hills“ anspielen. Was ein geiles Brett, da gehen von selbst die Arme hoch, wie das Gitarrist Liran zuvor noch vormachte. Die Frau im Shirt von Gutalax neben uns verausgabt sich völlig, und steht gar nicht mehr still, da hat die Band mit ihren drei Alben wohl etwas richtig gemacht. Zum Schluss gibt es noch einen Pit, sehr geil! Für uns die Band des Tages, wenn auch bloß fünfunddreißig Minuten für diese Klasseband wesentlich zu kurz war! (Joxe Schaefer)
Eine der coolsten Institutionen im amerikanischen Death Metal sind noch immer Immolation aus New York. Seine tiefe Macht von bereits zwölf Alben drückt der Vierer der abendlichen Sonne entgegen und führt den Schrottplatz durch die Setlist. Das coole „Form Of Terror“ mit dem Schreisolo ist natürlich dabei. Die komplett in Schwarz gekleidete Einheit bringt die zweite Single vom aktuellen „Descent“-Album „Bent Towards The Dark“ zum Finale und punktet abermals mit sympathischen Ansagen, denn Bassist und Shouter Ross Dolan labert nicht zu viel und kommt auf den viel zitierten Punkt. Ein ziemlich cooler Auftritt, an diese fünfzig Minuten werden wir uns noch erinnern. (Joxe Schaefer)
Obwohl grad Embrace Your Punishment aus dem nördlichsten Frankreich die Halle coremäßig brutal zerlegen, liegt unser Hauptfokus schon auf dem Headliner aus Tampa. Tatsächlich haben wir es bis zum heutigen Tag geschafft, Deicide noch nie live zu sehen. Eigentlich verwunderlich, denn in unseren Gegenden war die Einheit aus Florida schon einige Male unterwegs. Die getragenen Shirts von Deicide auf dem Gelände haben wir nicht gezählt und über die Discographie von über dreizehn Alben wird im Vorfeld unter den Fans weniger diskutiert, wohl aber über Gagen und Auftrittszeiten, denn dies soll die teuerste Band hier auf dem Festival sein. Die Spielzeit von einer Stunde, und das scheint dem Vierer um Mainman Glen Benton schon Priorität zu haben, soll für gewöhnlich nicht länger ausfallen. Und die wird, um es schon vorweg zu nehmen, auch heute nicht überschritten. „Also wenn die live gut sind, hol ich mir ein Bier“, hören wir noch einen Spruch, als es auf der Bühne schon losrappelt. Die Menge steht sehr dicht bis hinten, jeder hat seinen Fokus stabil nach vorn gerichtet, wo grad schon „Forever Hate You“ vom „Insineratehymn“ Album zum Besten gegeben wird. Basser und Shouter Glen kautzt mit heller und dunkler Growlstimme, und zwischendurch tippelschreitet er gern immer wieder rückwärts zurück bis zu den erhöht positionierten Drums. Zum dritten Song „Carnage In The Temple Of The Damned“ sehen wir den Sprücheklopfer mit einem Bier in der Hand. Das war ja irgendwie klar, zumal ja grad alle Anwesenden seelig sind. Der Sound stimmt und die Atmosphäre im Pulk ist wie erwartet super. Ein korrekter und stramm durchgezogener Zeitplan prophezeit nach fast einer Stunde das Ende der Show auf der Draußenbühne. Da wird noch „Homage For Satan“ vom „The Stench Of Redemption“ Album gebracht, das nun auch schon zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Dazu werden auf und über der Bühne noch einmal reichlich Feuerstöße nach oben geschossen, und das wars dann. Das war so beeindruckend, dass wir Stillbirth in der Halle nur noch am Rande mitbekommen haben. Wie am Abend zuvor machen wir uns nun schon mal auf den Weg zur Aftershowparty ins Cafe Banane, wo nebenan bei Idiots Records noch ein Nachtverkauf angekündigt ist. (Joxe Schaefer)
Autoren: Felix Schallenkamp, Joxe Schaefer
Pics: Joxe Schaefer

