SACRED REICH, AQUILLA

Dortmund, Junkyard, 18.08.2026


Ganz klare Kiste haben wir Sacred Reich in den vergangenen Jahren des Öfteren live gesehen. Das sog. ‚neue‘ Album „Awakening“ hat zwar auch schon wieder sieben Jahre auf dem Buckel, über ein weiteres wird nicht wirklich gesprochen, aber dennoch gehen wir wieder zu ihrem Konzert. Weil die ganz einfach live der Kracher sind und Laune machen. Schade nur, dass die dunklen Thrasher von Sarcator nicht mehr auf dem Billing stehen, wie anfangs noch angekündigt. Doch nun ist es soweit. Es ist Dienstagabend und es ist Nordstadt. Nach den heißen Tagen haben wir nun zum Glück den zweiten Tag Regen. Wir erinnern uns noch an das Dortmund Deathfest, das recht warm und staubig vonstattenging. Um kurz vor 20:00 Uhr erklingt Marschmusik aus dem Off und Aquilla aus Warschau sollten loslegen, doch es folgt noch ein weiteres Intro nach. Jetzt machen sie es aber künstlich spannend. Dann kommt der bunt gekleidete Fünfer wenigstens mit Punch und ohne zu viel Trallala, aber mit viel Action plus Gebange zwischen Rauchsäulen. Zwar ist die Halle nicht zu voll, doch zu „Plunder And Steel“ kommen erste Hey-Rufe und noch mehr Arme. Der Fünfer scheint überzeugender zu wirken, die erste Single „Creed Of Fire“ vom aktuellen Album „Sentinels Of New Dawn“ spricht eine klare Sprache, dass später sogar die eher schnulzigen statt hymnischen Ohoho-Chöre verziehen werden. Mit anderen Drums als vom Original gewohnt, steigen sie in die erstklassig gewählte Scorpions Coverversion „Robot Man“ ein, in dem leider auch die Gitarren den Spirit nicht kriegen. Weder den von Uli Roth, noch den von Rudolf Schenker. Unverschuldet addiert sich noch das Manko, dass ihr melodischer und klassischer Metal nicht ganz so passend zum Headliner wirkt, aber andererseits auch kein Reinfall ist. Auf jeden Fall haben wir vierzig Minuten lang erlebt, dass die Polen wesentlich metallischer sind, als ihre Bühnenklamotten prophezeiten.


Ganz anderes Thema jetzt. Die mit Spannung erwartete Bande aus Phoenix kommt auf die Bühne, sagt „Manifest Reality“ an und brettert los. Wie eine Erlösung wird sofort alles aufgesogen und die Menge reagiert sofort auf Sacred Reich und ihren bassenden Shouter Phil. Na klar, der Mann ist noch immer eine Rampensau sondergleichen. Seine Mitstreiter wissen ebenfalls, wie das geht, als Einheit rüberzukommen, wie der Vierer zu „The American Way“ gemeinsam abbangt. Eine lange Ansage folgt zu „Ignorance“, einem Track, in dem die Menge besonders die Rhythmik feiert. Gitarrist Wiley spielt eine für Thrashverhältnisse ungewöhnliche, telecastermäßige Gitarrenform, doch die Sticker mit dem radioaktiven Symbol und der Gasmaske passen voll ins Bild. Es folgt „Salvation“, in das nicht zuletzt auch wegen Phils sympathischen Ansagen hineingeklatscht wird. Der größte Mitsinger ist dann allerdings wie erwartet „Who’s To Blame“. Ein Vogel zwitschert uns derweil, die Thrasher seien heute noch besser als kürzlich auf dem Headbangers Open Air. Der neue Drummer Eduardo wird vorgestellt und danach in „Crimes Against Of Humanity“ ist das Publikum wieder deutlich zu hören, das auch noch einen anständigen Pit im Speedpart liefert. Fest im Programm sind „Death Squad“ und natürlich das längst etablierte Black Sabbath Cover „War Pigs“. Zum Schluss, wo wir leider schon angelangt sind, werfen sie „Surf Nicaragua“ gleich hinterher. Obs es dazu einen Pit gab? Blöde Frage …! Das waren jetzt siebenundsiebzig Minuten Thrash Deluxe, ohne Netz und doppeltem Boden. Das wird zur Folge haben, dass wir nächstes Mal wieder mit am Start sein werden! Als Abspann wird „What A Wonderful World“ von Louis Armstrong abgespielt und wir resümieren, es war schon ziemlich geil heute …aber Mortal Sin in Oberhausen waren die Tage noch geiler. Mal sehen, was bei Eurynomos am 19.09.2026 in Essen geht. Da werden die Merchpreise jedenfalls angemessener sein als hier, denn für gebrauchte Sacred Reich Drumskins und Becken werden höhere Summen als der Eintrittspreis aufgerufen …

Autor & Pics: Joxe Schaefer