Behind The Mask – Megadeth Dokumentarfilm

Bochum, UCI, 24.01.2026


Von Megadeth ist immer etwas zu erwarten. Außer nach einer längeren Pause von sechs Jahren, bedingt durch die Kehlkopfkrebsdiagnose von Dave Mustaine, brachten sie sonst immer wieder in kürzeren Abständen ein neues Album an den Start. Jetzt ist es das selbstbetitelte Album, ihr siebzehntes, und einen Kinofilm.

Über das Album gibt es verschiedene Meinungen. Den Einen ist es zu lasch, die Anderen schenken den reichhaltigen Eingängigkeiten darauf viele zufriedene Durchläufe. Beide Lager können sich aber zum Schluss darauf einigen, dass trotz des weniger Vorhandenseins ihrer harten, kantigen Parts aus der Frühphase nachvollziehbare und melodische Songs entstanden sind. Es wird von vornherein kein Hehl daraus gemacht, dass es diesmal wirklich das letzte Album sein soll. Und dementsprechend wird die Musik, die in einem schneeweißen Coverartwork verpackt ist, auch promotet. Erstmal gehen wir mit den Befürchtungen in den Saal, dass es sich bei diesem Film mit dem Titel „Behind The Mask“ um einen reinen Werbefilm für das neue Album handeln könnte. Das Artwork mit dem abgelegten Kopfschmuck von Vic Rattlehead deutet eher auf eine Aufrollung der gesamten Bandhistorie hin. Um es sofort nach dem Beginn mit dem bereits im Netz veröffentlichten Clip „Tipping Point“ und Daves erster Sprechphase zu beantworten, es ist sicher beides. Alle narrativen Parts werden in der Originalsprache gezeigt, aber lediglich mit deutschsprachigen Untertiteln versehen. Mal abgesehen von der unsittlichen Kinozeit von 14:00 Uhr müssen wir auf jeden Fall zugeben, dass die Songs hier in Saal 7 des UCI in Bochum wesentlich fetter kommen, als auf einer kleinen PC-Anlage daheim. Dave spricht alle Themen der Band an, auch die unangenehmeren. Von seine früheren Bandmates weiß er kleine Geschichten zu erzählen und bedankt sich dafür, mit so vielen Klassemusikern gearbeitet haben zu dürfen.

Nach dem zweiten Clip „I Dont Care“, bestehend aus Skaterszenen, erklärt Dave über die Absicht, scheißenviel mit dem Album touren zu wollen. Unkenrufen zu Folge sollen es wohl fünf Jahre werden, außerdem wird dabei der Name Metallica offen diskutiert. Und weil die Songs des neuen Albums in chronologischer Reihenfolge gebracht werden, landen wir nun bei dem dritten Clip „Hey God!?“. Der vor einiger Zeit zum Christentum Konvertierte gibt danach an, dass es ist okay sei, an Gott zu glauben. Und wenn nicht, sei das auch okay. Ein weiterer Lyricclip ist „Let There Be Shred“ unterlegt mit Illustrationen von historischen Flyern und alten Tickets. Nebenbei erfahren wir Anekdoten wie, dass Megadeth eine der ersten Bands mit eigener Website waren. Der nächste Track „Puppet Parade“ wurde dann mal mit Livesequenzen unterlegt. Kommt cooler, und Dave erklärt, dies sei wegen seinen verschiedenen Parts der schwierigste Song des Albums. Bei „Another Bad Day“ schauen wir auf optisch unterlegte Schwarz-Weiß-Szenen, dann bekommen wir verkündet, dass das Coverartwork der „Countdown To Extinction“ eigentlich für Y & T hätte sein sollen, denen das aber zu heftig war. Dann wird noch einmal angesprochen, dass Marty Friedmann damals wegen der höheren Tempi nicht mehr sehr glücklich in der Band war, weswegen auf „Cryptic Writings“ auf 120 Bpm gedrosselt wurde. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, wurde „Trust“ ihr erster Nummer eins Hit in den USA. In welchen Charts, wurde nicht angegeben. Der Clip dazu wurde am Tag eines Erdbebens gedreht. Die Lyrics zu „Made To Kill“ sehen wir zu Pegelausschlägen und erfahren danach, dass Megadeth insgesamt 220 Songs im Repertoire haben. Dave spricht über eine 60-Minuten-Setlist und scherzt über ein Medley von einer Stunde, um alles zu spielen. Mit Lyrics vor einer Flamme knallt „Obey The Call“ aus den Speakern, und nach „I Am War“ spricht er über seine Krebserkrankung, dass er jetzt glücklicherweise krebsfrei ist und über den gewonnenen Grammy. Ein sehr persönlicher Song wurde der Abschließer „The Last Note“, nach dem er anmerkt, dass es nun an der Zeit wäre, den Fans etwas zurückzugeben.

Als Bonus wird noch sein Track „Ride The Lightning“ gebracht, in dem James nur die Lyrics mitgeschrieben habe. Dazu führt Dave an, dass er seinen Frieden mit den Members seiner alten Band, die er alle namentlich erwähnt, geschlossen habe. Das Teil in der Megadeth Interpretation kracht kantiger und kommt klar megadethmäßig. Ganz zum Schluss wird mal die Kameraeinstellung geändert und Dave spricht nun vis a vis in die Linse, nennt uns alle Family und sagt fett Danke für alles. Das kommt sehr ehrlich; wir nehmen ihm das ab. Dieser Film, den Dave einfach ‚Album Listening Event‘ nennt, muss man sich nicht dringend auf DVD holen, ist aber definitiv interessant und kurzweilig. Es soll übrigens zwei Versionen dieses Streifens geben, eine von 108 Minuten und eine von 114, was mit dem Vorprogramm oder regionalen Unterschieden zu tun habe. Wir haben nach unserer Vorführung 109 Minuten gemessen. Aber warum der smarte Film eine FSK 16 Einstufung erhalten hat, ist uns schleierhaft.

Autor & Pics: Joxe Schaefer