HELLRIPPER, SCHIZOPHRENIA, SARCATOR, CARNIVORE A.D.

Dortmund, Junkyard, 07.04.2026


Das Billing des heutigen Konzertabends liest sich gar nicht mal so schlecht. Nur die eröffnende Band wirft noch immer ein paar nicht ganz unberechtigte Fragen auf. Die alten Fans wissen nur zu genau, dass es nie wieder Carnivore geben kann. Aus verschiedenen Gründen. Das ist schon mal Fakt. Das bedeutet auf der anderen Seite aber nicht automatisch, dass es niemand schafft, an ein solches Feeling heranzureichen. So nennt man sich ohne Originalmitglieder nun Carnivore A.D. und  klingt auch so in der schon ziemlich vollen Hütte. Voll, weil leider sehr viele dicht gedrängt am Eingang stehen bleiben und nicht weiter vor gehen. Man spiele „in Memory of their Friends from Brooklyn“, verkündet das Basser und Shouter Baron Misuraca, der stimmlich schon nah an Pete Steele reicht und diesen mit dem bereits ebenfalls verstorbenen Gitarristen Keith Alexander besonders hervorhebt. Tatsächlich hat man grad eine EP veröffentlicht, von der man das kurze „I Stand Alone“ zockt. Das klingt schon ein wenig nach dem alten Material von Carnivore, wie es diese Band heute live spielt, und so kommt das Trio schon gut an. Aber zum Schluss, nachdem die Band die Bühne verlassen hatte, ruft original nur eine Person kurz nach Zugabe, und … tatsächlich kommen die Drei noch für einen Song zurück, nämlich für „Sex And Violence“. Während einer durchgehender Rückkopplung bedankt man sich nach vierzig Minuten tausend Mal, auch mit Shakehands.


Glücklicherweise durften wir bereits schon zweimal Livezeuge werden, welche Energie in den jungen Thrashern von Sarcator aus Trollhättan steckt. Das war einmal auf dem Burning Q, schon so in etwa kurz nach Mittag, und einmal auf dem Ragers Elite in Hamm. Und ob die Jungs grad zwanzig wären, fragen sich hier grad so einige Besucher. Ihr erbarmungslos aggressiver, tighter und zackiger Highspeed im Hochdruck beeindruckt sehr und animiert früher oder später jeden in seinen Knochen. In Sachen Action übrigens auch, denn flinke Seitenwechsel mit Klampfen in Angriffshaltung gehen nicht spurlos an der Audienz vorbei. Dabei kann es passieren, dass man sich mal kurz auffe Fresse legt. Aber dann lässt man sich nichts anmerken, wie bei Basser Felix. Gemessen an dem Gewusel in der Menge müsste das Publikum mehr reagieren als mit stattlichen Hey-Rufen, aber es ist auch ein Dienstag heute. Das Material ihres dritten und jüngsten Albums „Swarming Angels & Flies“ kann was und der schlaue Metaller sackt sich die Scheibe zur Nachbereitung am heimischen Player ein. Wie schnell vierzig Minuten vergehen. Für viele die Band des Abends. Hut ab!


Für einen DJ ist es Frevel, einen Song mittendrin auszublenden. Erst recht dann, wenn es sich dabei um einen unsterblichen Klassiker handelt. Doch genau das passiert um zwei Minuten vor neun Uhr mit „Are You Ready“ von Thin Lizzy, und das zu Gunsten des Intros für die nächste Band. Die Belgier von Schizophrenia betreten die Bühne und bekommen zunächst vom Mann an den Reglern nur rotes Bühnenlicht. Mit nicht ganz so viel Action wie bei der Band zuvor, jedoch mit ordentlich Arschtritt und ausgiebigen Soli, die auf den Punkt kommen, gewinnen sie die Gunst der Anwesenden. Auch noch mit der Energie der Band zuvor ist es jetzt nur logisch, dass in der Menge Circle Pits entstehen. Die Becken an den Drums hängen sehr hoch wie damals bei Screamer, wenn das mal nicht auf die Knochen des Drummers geht. Wie auch auf dem Der Detze Rockt Festival und dem bereits oben erwähnten Ragers Elite, wo wir diese Antwerpener bereits live erleben durften, wird auch hier in Dortmund die Frage nach einem Cover von Morbid Angel gestellt, und „Maze Of Torment“ gezockt. Obwohl die Death Thrasher an dieser Stelle vorhersehbar sind, haben sie in achtundvierzig Minuten abgeräumt. Damit sind allerspätestens jetzt die Weichen für den Headliner gestellt.


Man muss schon sagen, diese vier Bands ergeben zusammen ein passendes Billing, welches von einem quantitativ hohen Zuspruch von Beiwohnenden für einen Dienstagabend bestätigt wird. Dass die Logos der Bands projiziert werden, und somit herkömmliche Textilbackdrops heute entfallen, sollte in diesem Artikel vielleicht noch Erwähnung finden. Einen steilen Aufstieg auf der Karriereleiter, in Kreisen der härteren Metaller, konnte die finale Band in den letzten Jahren verzeichnen. Wir sahen sie unter anderem im Vorprogramm von Sodom und sogar Jag Panzer, bei Letzterem auch auf dieser Bühne, allerdings als Opener. Schon zu den ersten Takten von Hellripper entsteht ein Pit und bei „Goat Vomit Nightmare“ kommt der erste Stagediver. Die Arme gehen hoch bis zum Pult, auch wenn bei „Mortercheyn“ vom neuen Album ein kurzer Einsatz der Cowbell da etwas wie Slapstick wirkt. Mit ihrem Programm macht das Quartett keine Gefangenen, denn Songs wie die Opening Tracks „Hunderprest“ und „The Nuckelavee“ der letzten beiden Platten sind sichere Banger. Die Zugabe wird gebracht, ohne vorher die Bühne zu verlassen. Wenn viele Besucher heute auch Sarcator als Band des Abends gesehen haben, muss den Schotten von Hellripper ein mehr als anständiger Gig bescheinigt werden. Mit den sympathischen Worten „Enjoy Your Life …!“ werden wir nach fünfundsechzig Minuten in die Nacht entlassen. Mehr als schottische Höflichkeit …

Autor & Pics: Joxe Schaefer