MORTAL SIN, VELOZZA, HIDDEN INTENT, BLOOD ATONEMENT
Oberhausen, Kulttempel, 14.08.2026
In der jüngeren Vergangenheit haben Blood Atonement in unserer Gegend bereits für einige Ausrufezeichen gesorgt. Und wer sie schon mal live gesehen hat, kommt gerne wieder und tut das noch einmal. Es geht voran bei den Ruhrpottlern, das Debütalbum ist in der Mache und ein neuer Gitarrist ist seit drei Monaten dabei. Der Chris war auch schon mal bei Darkness und tritt heute im fetten Maidenshirt auf. Die Hitze draußen ist schon nicht mehr schön, das kann man nur mit Humor nehmen. Den hat auch der Opener des heutigen Abends, denn deren Intro klingt nach Schlager. Der Fünfer bangt wie Sau und wechselt von Anfang an flink die Bühnenseiten. So wollen wir das! Basser Mike ist für ein paar Zwischenbrüller gut und post erstmal ausgiebig vor dem Ventilator am Bühnenrand, es sind ja deutlich über 30 Grad draußen. Shouter Christoph hat im Acting derbe zugelegt, und performt jetzt mit dem halben Mikrofonständer, welcher Chuck von Testament letzte Woche in Köln fehlte. Ob da tatsächlich ein Zusammenhang bestehen könnte, war uns in den sechsunddreißig fett treibenden Holzhammerminuten des scharfkantigen Gigs Mumpe. Ein Auftakt nach Maß!
Weiter geht’s im Programm. Die Limburger von Velozza haben zwei Alben raus, „Humanity“ ist das aktuelle. Eine angenehm harte Thrashgewalt füllt die Halle und die Niederländer geben an, es wäre ihre erste Show in Deutschland ever. Dann mal herzlich willkommen! Die markanten Drums von „Wall Of Sin“ mischen gut auf, bei einer Menge vor der Bühne, die richtig Bock hat. Für Bewegung im Pulk lieber eine mittelmäßig gut gefüllte Konzerthalle, als wenn es proppevoll ist, wie letzte Woche bei Testament in Köln. Obwohl noch zwei Klassebands von weit her anstehen, hätten mehr Tickets verkauft werden müssen. Schieben wir das kleine Manko mal auf die Temperaturen draußen. Der Vierer zeigt sich sehr auf Zack und beackert munter alle Bühnenseiten. Da fallen die weißen Tennissocken zur Hochwasserhose von Gitarrist und Shouter Joost gar nicht weiter ins Gewicht, und sind zum Exodus-Cover „War Is My Shepherd“ bereits vergessen. Sehr schnell vergehen die vierzig Minuten, so kann es weiter gehen.
Wie nennt man das, wenn etwas im Zelt versteckt wird? Die dritte Band des heutigen Abends nennt sich Hidden Intent und reiste aus Adelaide an, in unseren Breiten zu touren. Sie schauen seit ihrer Gründung 2011 auf vier Alben zurück, sind also keine blutigen Anfänger mehr. Diesmal wird immerhin schon mal ein gespieltes Intro abgespielt, wenn es auch vom Band kommt. Der Dreier gibt amtlich Gas und Bassist und Shouter Chris steht in Lemmystellung vorn mittig am Mikrofonständer. Je nachdem wo Gitarrist Phil grad agiert, bleibt die Bühne rechts oder links leer. Vor der Bühne wird es noch nicht zu voll, dabei bringen die Down-Under Thrasher das Pfund, und die Arme gehen hoch bis hinten. In den Soli fehlen derweil die Riffs, aber nun ja, so ist das nun mal mit nur einer Gitarre. Doch schön dicht kommt ihr Sound auf jeden Fall. Vor allem und auch viel besser als auf Platte, weil sie live echt alles geben. Und weil ihr Material deutlich besser als angemessen rüberkommt, sollte da doch vom Publikum noch mehr gehen, zumal die Halle mit extra aufgestellten Riesenpropellern, einer hat mehr als einen Meter Durchmesser, gut durchventiliert wird. Dem Aufruf zum Pit wurde aber Folge geleistet. Der Men At Work-Hit „Down Under“ unterstreicht im Nachspann nach sechsundvierzig Spielminuten noch einmal die Herkunft der Band. Alle Daumen hoch!
Einige von uns erinnern sich noch an den Auftritt von Mortal Sin in Essen, als sie 2011 als Support von Overkill in der Zeche Carl auftraten. Inzwischen haben sie kein neues Album mehr rausgetan, es blieb bis jetzt bei fünf Alben, werden hier aber dennoch von ihren Fans sehnsüchtig erwartet. Das Logo des Quintetts aus Sydney hätte gerne etwas größer projiziert werden können, ist aber nebensächlich, wenn man Speedmonster wie „Blood, Death, Hatred“ und geile Leads von „Deadman Walking“ ins Ohr gedrückt bekommt. Die Band bringt sehr viel Action und hat sichtlich Spaß, so wird das Gebange schon vor der Tempoanhebung von „Into The Fire“ flächendeckender und die Audienz spendet deutliche Hey-Rufe. Shouter Mat Maurer, der auch schon mal live bei Hidden Intent ausgeholfen hat, kann von Anfang an nicht für einen Moment still stehen, die Menge vorm Pult auch nicht. Zu „Voyage Of The Disturbed“ sehen wir einen Stagediver, dann folgt vor „Blood Of My Enemies“ die Bandvorstellung und es gibt deftige Mortal Sin-Rufe zum Bandhighlight „Lebanon“. Der Song bringt echt nochmal einen Ruck mehr in den Pulk. Andy hat seinen Basskorpus ganz in Gaffatape eingeklebt, doch das Gerät hämmert oder nagelt zuverlässig, was auch immer, ist auch grad bei einem solchen Highlight von Song völlig egal. Schließlich machen „I Am Immortal“ und „Mayhemic Destruction“ zum Schluss nach etwas über 75 Minuten den Deckel drauf und wir erleben nochmals etwas Pitaction. War echt dringend notwendig, die Australier wieder live zu sehen. Hoffentlich bald wieder, dann aber bitte mit neuer Platte! Ein sehr, sehr geiler Konzertabend mit vier sehr guten Auftritten geht damit zu Ende. Das hätte ein ‚Thrash Speed Burn‘ Abend werden müssen …
Autor & Pics: Joxe Schaefer

