BLOODSTAIN – same
Bloodstain sind eine blutjunge Band aus Schweden, die sich ganz klar dem Sound der goldenen 80er verschrieben hat. Der mehr als offensichtliche Haupteinfluss sind hier ganz klar die Frühwerke von Metallica, was die Truppe nicht nur akustisch, sondern auch optisch offen zur Schau trägt. Nicht nur, dass Sänger und Gitarrist Oskar Lindroos ein wenig klingt und aussieht wie Hetfield als Teenager (oder kurz danach), auch die vorab veröffentlichten Videos zeigen Nachahmungen aus alten Metallica-Clips, die mich beim ersten Anschauen schon ein wenig schmunzeln ließen. Man darf die Jungs aber nicht als bloßes Plagiat abstempeln, denn sie bringen auch genug Eigenes mit und variieren ihre erwähnten Einflüsse mit klassischerem Metal-Stoff. Gelegentlich kommen sogar dezente Einflüsse aus dem Sleaze-Metal dazu.
Der schmissige Opener „Annihilation Line“ ist mit seinem eingängigen Refrain ein gutes Beispiel dafür, wobei man ganz zu Beginn bei den „Ohohoo-Passagen“ erstmal eher irgendein Wacken-Wikinger-Zeug erwartet. „Something Sinister“ kommt etwas kerniger rüber, enthält aber auch wieder einen Refrain, den man sehr schnell im Ohr behält. „I Am Death“ ist dann fast Metallica pur. Nach dem Anfangsriff nimmt der Song richtig Fahrt auf und klingt fast wie eine Neuauflage von „Creeping Death“. Nach diesem Dampfhammer folgt mit „Carved Into Stone“ eine Ballade, die tatsächlich sehr gut und kitschfrei gelungen ist. So etwas habe ich von jungen (Thrash) Bands schon lange nicht mehr gehört. Bei „Taint Me“ wird’s wieder thrashig. Der Anfang klingt fast wie „Dyer’s Eve“, und später kommt noch ein sehr cool eingebautes Slayer-Zitat in Form des Doublebass-Parts aus „Angel Of Death“, bei dem ich beim erstmaligen Hören echt grinsen musste. Und es geht weiter mit Zitaten: „Disdained“ beginnt mit dem Anfangs-Takt von „Back In Black“, erinnert danach aber von seiner Rhythmik an „Sad But True“. „Lies Bleeding Through“ gibt wieder ordentlich Gas und enthält in der Mitte einen sehr geilen, melodischen Gänsehaut-Gitarrenpart. Überhaupt ist die Gitarrenarbeit auf der Scheibe extrem geil und ausgereift, und qualitativ von den vielfach zitierten Vorbildern gar nicht so weit weg. Auch die letzten drei Songs lassen nichts anbrennen. Vor allem der Rausschmeißer „Banner Of Supremacy“ knallt nochmal ordentlich.
Fazit: In einer Zeit, in der viele junge Bands (gerade im Thrash-Bereich) oftmals bewusst räudig und undergroundig klingen, machen Bloodstain genau das Gegenteil. Das junge Quartett aus Schweden klingt definitiv sehr eingängig und massenkompatibel. Dabei sind sie aber so gut, dass man es ihnen nicht übel nehmen kann. Die Jungs sind arschgeile Musiker und haben das Talent, richtig gute Songs, Melodien, Riffs und Refrains zu schreiben, die sofort hängen bleiben, aber nach zig Durchläufen auch nicht langweilig werden. Aufgrund dieser hohen Qualität ist es auch völlig okay (und eigentlich sogar ziemlich cool), dass sie den ein oder anderen Einfluss schon sehr deutlich verwurstet haben, denn das Gesamtwerk ist wie schon erwähnt eigenständig genug und sollte von jedem qualitätsbewussten Headbanger angecheckt werden. Die Produktion passt zum Gesamtbild und lässt ebenfalls keine Wünsche offen. „Bloodstain“ ist ein großartiges Debütalbum, und ich hoffe, die Jungs werden den Erfolg ernten, den sie verdienen! Von mir gibt es neun fette Punkte!
Wertung: 9/10
Autor: Felix Schallenkamp
| Label: | THREEMAN RECORDINGS |
| VÖ-Datum: | 25.09.2026 |
| Running Time: | 42:27 |
| Format: | CD, Vinyl, Mp3 |
Erhältlich bei:
Idiots Records


