BONDED, FROSTSHOCK, DISPOSABLE HEROES
Haltern, Gildehaus, 30.05.2026
Vor vier Jahren fand das erste Gilde Metalfest statt, damals auch mit den Disposable Heroes. Vom Namen her denkt man hier an eine reine Metallica Coverband, doch der Vierer hat noch so einige Tracks anderer Künstler drauf, die mit Feeling und Charme bei ziemlich treffsicherer Songauswahl interpretiert werden. Eigestiegen wird mit „(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)“ als die Location sich noch füllt. Aber auf die Frage, habt ihr Bock, wird im einem klaren und deutlichem „Yeah“ geantwortet, und zwar schon lauter als erwartet. Das Mitgewippe zu „Born To Raise Hell“ spricht auch für die steigende Partystimmung. So ist das fein und so kann es weiter gehen! So einige der Vocals kommen von links, der Bassmann mit dem coolen Shirt von The Almighty am Mikro heißt Matte. Durch „Going Nowhere“ von Therapy? sind wir jetzt auch stiltechnisch in den Neunzigern, und der Song wird definitiv schon gut bejubelt, für diese frühe Uhrzeit kurz nach 19:00 Uhr. Danach folgt „For Whom The Bell Tolls“, das erste Stück von Metallica heuet Abend, gefolgt von „Symphony Of Destuction“. „Rock ‚n‘ Roll“ von Motörhead und der AC/DC Midtempostampfer „It’s A Long Way To The Top“ kommen jetzt genau richtig, die Menge hat offensichtlich drauf gewartet. Dann dürfen wir uns über ein straight rausgehauenes „Fortunate Son“ von CCR freuen, mit dem Original aus dem Jahr 1969 der älteste Track in der Setlist. Moderner wird’s dann wieder mit „Killing In The Name“. Dass Leads und Soli nicht immer exakt auf den Ton kommen, hat Charme und tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Nach „Running Wild“ von Airbourne wird sich beim Publikum bedankt und „Creeping Death“ als letzter Song angekündigt. Nach fünfzig Minuten ist man am Ende der Setlist angelangt. Es erklingen Rufe nach Zugabe, doch um sich am Zeitplan zu halten, ist leider keine mehr drin. An dieser Stelle sei auch gleich mal ein Lob an die Veranstalter ausgesprochen, wie alles durchorganisiert wurde und wie schnell ein spontan fehlendes Kabel besorgt wird.
Ihre jüngsten Konzerte im Pott und Umgebung haben uns gelehrt, diese Lokalmatadoren sind keine Openerband mehr. Mit diesem Satz fangen wir immer wieder gerne unsere Livereviews von Frostshock an, und ihr Logo-Backdrop wird bald zu klein sein, wenn sie größere Bühnen beackern. Einen zärtlichen Beginn legen sie sich mit ihrem Intro vom Band hin, bevor sich die Thrashlast mal mehr und mal weniger melodisch entfaltet. Erwartungsgemäß sind hier die Publikumsreaktionen vorzüglich, es ist schließlich auch ihr Heimspiel hier in Haltern. Die Hütte hier ist auch gut voll, obwohl draußen sonnige Temperaturen von noch 22 Grad vorherrschend sind. Ebenso starten sehr früh die Pits, die Menge hat echt Bock auf seine Helden. Die Ansagen von Gitarrist und Shouter Flemming werden entweder sehr leise, oder unverständlich gekreischt, aber daran arbeiten sie bestimmt noch. Die actionreiche Show wird optisch von Nebelfontainen unterstrichen. Der Vierer bewegt sich reichlich und nutzt die Podeste, da kann es auch mal passieren, dass man einen Aufsteller umrennt. Vor der Bühne wird es ebenfalls grober, weil immer wieder Pits entstehen. Derweil kämpft der Soundmann bei den glatten Wänden der Halle gegen Brummsounds, weil irgendwann erreicht der Pegel halt sein Limit. Die gespielte Setlist sieht ganz unten noch das Anthem „Frostshock“ vor, und dann noch „Whatever Lies Beyond The Black Sky“ als Rauswerfer. Abschließend lassen sie noch das obligatorische Band vor Publikum-Foto schießen und Schluss. Die Menge ist glücklich, es war bei Frostschock wieder einmal am Vollsten im Saal und wir sehen nach einer Stunde Spielzeit nur zufriedene Gesichter. Man darf von einem Heimsieg sprechen.
Endlich mal wieder Bonded. Zuletzt haben wir die Jungs Ende vergangenen Jahres live in Lünen gesehen. Dort hatten sie einige Gastmusiker mit auf der Bühne, darunter auch Sodom Gitarrist Yorck. Diesmal ist der Mann hier in Haltern am See wieder mit am Start, allerdings zupft er diesmal den tiefen Viersaiter, wie uns der freundliche Ruhrpottler vorher im Publikum getroffen schon mal verrät. Der Bass wurde sogar von Tom als freundliche Leihgabe zur Verfügung gestellt. Weil sich der viel beschäftigte ex-Kreator Basser derzeit noch anderen Themen und Projekten widmet und daher nicht hier sein kann, ergab sich das auf kurzem Meldeweg so, zumal der Ruhrpottmetaller im Allgemeinen und das Sodom-Umfeld im Speziellen schon von einem gewissen Zusammenhalt geprägt ist. „Guten Abend Haltern! Schön, dass ihr hier seid!“ ruft Shouter Manuel zu „Godgiven“, der damals schon bei Path Of Golconda einen großartigen Job gemacht hat. Der ganze Auftritt ist voll mit sympathischen Ansagen, dass es bei „Division Of The Damned“ um Katzen im Schredder ginge, und dass „The Rattle & The Snake“ abginge wie eine Rakete im Arsch. Aber zu „The Holy Whore“ habe er aber keine lustige Ansage, doch es gibt den ersten Pit. Irgendwie ist es nicht mehr ganz so voll wie bei der Band zuvor, aber das spricht weniger gegen Bonded, sondern für Frostshock. Dafür wird es bei den animierten Hey-Rufen sind jetzt furchteinflößend laut. Bonded können was, das ist eh jedem klar, und Haltern bekommt genau das jetzt zu spüren. Wer da grad auf der Bühne steht, sind neben Gitarrist Bernemann (ex-Sodom, muss man nicht mehr näher erläutern) und den beiden bereits Erwähnten übrigens noch Drummer Nils von Motorjesus und Gitarrist Chris von Smorrah. Und wegen der Sodom Kompetenz auf der Bühne wird das Sodom Titelstück „M-16“ gezockt, bevor der auf Platte von Bobby Blitz eingesungene Bonded-Track „Rest In Violence“ ansteht. Der Applaus fällt sehr laut aus und wie erwartet wird noch das saucoole Sodom-Stück „City Of God“ gespielt, in dem es natürlich um Haltern ginge. Rufe nach Zugabe sind die logische Folge, aber das musste es dann pünktlich um halb zwölf gewesen sein. Die Zeitmesser erfassen eine Spielzeit von fast neunzig Minuten und ab jetzt kümmert sich der DJ um das Aftershowprogramm, für das tatsächlich sogar einige Gäste extra angereist sind. Wir verzeichnen ein gelungenes, zweites Gilde Metalfest und freuen uns auf das dritte, das hoffentlich bald angekündigt werden kann. Vielen Dank an alle Mitstreiter, bis zum nächsten Mal!
Autor & Pics: Joxe Schaefer

