WINGS OF STEEL, PHOENIX RISING

Heerlen (NL), Nieuwe Nor, 12.06.2026


Diese kleine, neu wirkende Halle im Viereckstyle und mit viel verbautem Stahl befindet sich bei Kerkrade, also unweit hinter der Grenze. Das glatte Interieur wirkt steril und beinhaltet, abgesehen vom vorderen Cafe drei Staltühren weiter, keine Sitzmöglichkeiten, dafür aber mit einer garantiert überall sehr gut spürbar funktionierenden Klimaanlage. Es ist Friday Night, und es wird viel Priest aus der Konserve abgespielt, bevor es losgeht. Die opening Band hat ihr Banner schön hoch aufgehangen, und wir können vor Beginn schon viele Phoenix Rising Shirts im Raum erkennen. Das stürmische Intro erklingt und die Mönchengladbacher starten mit “Sunset Hero“ in den Set, als sich die Lokalität durch die schweren Eingangstüren noch füllt. Bei den intensiven und kräftigen Strahlern kommen die leuchtenden Farben von Peters Gitarren gar nicht richtig raus, die coolen Soli bei der knallig kalten Raumakustik aber schon. Ungewohnt, die englischsprachigen Ansagen von Shouter Ralf, aber die Mitklatsch Animationen funktionieren beim überwiegend holländischen Publikum schon sehr gut. Am Schlagzeug sitzt heute Vince, der sich die Songs in Kürze draufgeschafft hat und ein auffälliges Eric Carr Shirt trägt. Der Vierer spielt „Outlaw“ als drittes und kommt nach „Another Heartbeat“ beim schnelleren „Heart Attack“ noch mehr in Fahrt. Ralf guckt sich die hohen Basstöne zu „Slaves Of The New World“ aus der Nähe beim Arbeitsgerät von Basser Michael ganz genau an, wie sie grad frisch gezupft werden. Dann werden wir Zeuge eines perfekten Tapping Solos von Peter im vorletzten Track „Evil Dwarf“, und Ralfs Animationen zum Mitklatschen funktionieren bis in die hinteren Reihen. Offensichtlich ist die Menge grad sehr gut aufgewärmt, und das in der durchklimatisierten Halle. Die Auftrittszeit von einundvierzig Minuten endet mit dem Klassiker „Angel Of Darkness“ vom ersten Album. Wer in nächster Zeit die Gelegenheit bekommt, Phoenix Rising live sehen zu können, der sollte sie nutzen, denn die Jungs sind derzeit in bestechend guter Form. Die hier Anwesenden dürfen sich deswegen hervorragend durchgerockt auf die nächste Band freuen.


Dann um halb zehn ist es noch etwas voller im Saal geworden, obwohl die Fussball Weltmeisterschaft in Nordamerika gerade läuft. Oranje spielt wohl grad nicht, und so schauen wir auch mal lieber auf die Musik. Es ist das erste Konzert der Tour und ihr zweites in Holland. Wings Of Steel haben zusätzlich ein kleines Mischpult in der Mitte der Halle nur für die Lichtsteuerung aufgebaut, und ihr Banner über der Bühne noch höher aufgehangen. Höher sind auch die Vocals, die nicht zu laut eingestellt wurden und bei denen alle Peaks sitzen. Gitarrist Parker tritt gleich ohne Shirt an und liefert am vordersten Bühnenrand reichlich Posen, nicht nur für Fotografen. In den leiseren Teilen und zu progressiven Marschierdrums erdenkt sich das Gehirn immer wieder Queensryche Stimmungen, die auch was für Lethal und Crimson Glory Fans sind, um die beiden anderen Vergleiche auch noch zu nennen. Etwas von alten Exxplorer erkennt man auch mit drin, stellen wir später noch fest, falls sich noch jemand an deren „Symphonies Of Steel“ Album erinnert. Der Fünfer stellt als Einheit schon was dar und post nicht einfach bloß rum, sondern konzentriert sich gut eingespielt auf die Songs des aktuellen „Winds Of Time“ Albums, dessen epischer Titeltrack in Gänze gezockt wird. Älteres Material wie „Stormchild“ findet ebenfalls Berücksichtigung, wie auch „Fall In Line“. Die Ansage zu Letztgenanntem geht raus mit einem Mittelfinger und fetten ‚Fuck Off‘ an alle, die unsere Brüder und Schwestern in den Krieg schicken. Ein klares Statement zur derzeitigen politischen Weltlage und ein Zeichen, dass unter dem Dach des Metals untereinander die Welt in Ordnung ist. Nach etwa fünfundsiebzig Minuten kommt das Quintett zum Schluss und entlässt die Menge mit seinem Anthem.

Autor & Pics: Joxe Schaefer