Dying Victims Attack Vol. 4
Essen, Turock, 10.04.2026
Tag 1, Freitag, 10.04.2026: Sadistic Goatmessiah, Savage Sword, Fate’s Hand, Vitriolic, Deadly Magic, Schafott, Aggressive Perfector, Century, Scumripper.
Gestern fand nebenan im „Don’t Panic“ die Warm-up-Show zu diesem Festival statt, wo vier Bands schon mal vor einer unwesentlich kleineren Publikumsmenge adäquat anheizten. Für den eigentlich ersten Tag geht es heute dann hier im Turock in die Vollen, wo für den Startschuss nun Sadistic Goatmessiah bereit stehen. Das Trio kann bereits auf ein paar knusprige Gigs im Pott zurückblicken und mit Leads vorweg bollert der Tag auch hier gut los. Wahrscheinlich wurden sie auch deswegen dazu eingeladen, das im September nebenan vor Eurynomos noch einmal zu tun. Oder auch schon im Juni auf dem Der Detze Rockt Open Air. Bassfrau Goatess Of Fire brüllt fette Backings, die hellen Screams kommen aber vom Gitarristen und Shouter mit dem Kurzpseudonym Morbid Goatpriest Of Lust, Filth And Mayhem. Die Menge wird warm mit dem rhythmischen „The Seventh Circle Of Hell“ und dem Track „Euphoria Of Death“, der in kurzen Passagen des Trauermarsches eingebettet ist. Das waren, bevor wir uns versehen, immerhin vierzig Minuten, und ziemlich kurzweilige noch dazu. Deswegen können wir einen zünftigen Einstieg attestieren, zumal die nächste Band schon wieder einen kleinen Tacken runterfährt.
Irgendwie sieht die Bühne mit der roten Rückwand des Turocks ohne Backdrop, wie jetzt bei Savage Sword aus Schweden, etwas nackt aus. Wenn die vier Schweden auf der Bühne auch recht statisch agieren, zeigt „Meant For War“ vom Demo ganz klar, langsam ist das Quartett nicht. Das ballert nämlich auch gerne mal mit der Doublebass, wobei die einzelnen Treter der Bassdrum auch gut das Zifferblatt treffen. Mit dem Schlagzeug statuieren sie viel Markantes, denn „Final Command“ beginnt mit wiedererkennbaren Drums. Auch wenn sie uns mit dem Gesang nicht so aus der Komfortzone holen, was ja nach der eröffnenden Band heute auch gar nicht so einfach ist, haben sie uns in den fast vierzig Minuten nicht vor der Bühne vertreiben können. Wir warten auf das erste Album …
Eine kleine Reise hat die dritte Band des Tages bereits hinter sich. Die Epic Metaller von Fates Hand kommen aus Brisbane und starten erstmal mit einem beruhigenden Intro und viel Nebel. Auch die ersten Rückkopplungen klingen noch zaghaft, ebenso wie die sehr leisen Ansagen. War der Weg von Down Under nach Essen beschwerlich? Erst „Fascination“ vom selbstbetitelten Debütalbum tritt Arsch und wäre daher wahrscheinlich für die siebenunddreißig Minuten der bessere Opener gewesen. Die Vocals klingen wie im Doom, dabei taktet das Tempo ihres Epic Metals deutlich höher. An dieser Stelle sei noch vielen Dank an die freundliche Bedienung ausgesprochen, die so auf Zack ist, meine Bestellung eines Sprudelwassers optisch wie einen Gin Tonic zu servieren. Dafür wurden wir mit Applaus bedacht!
Nun erscheint die nächste Band ohne Backdrop auf der Bühne, wird jedoch von Insidern trotz Facepaints sofort erkannt. Vitriolic Gitarrist und Shouter Gatekeeper Ares tritt in freiem Oberkörper auf, und bleibt die meiste Zeit vor seinem Mikrofon stehen. Was die Speed Blacker zu dritt abfeuern, macht so viel Laune wie eben bei Sadistic Goat Messiah, bei dumpferen Bollerdrums allerdings. Das hier ist jetzt genau das richtige Zeug, von dem man am Merch das Tape abgreift. Das grandios gehobelte „Black Steel Vengeance“, so titelt das aktuelle Album, passt einfach zu einem solchen Tonträger. Das Gesamtergebnis stimmt, sagen die Fans. So will der Dreier aus Tampere das, und so wird es aufgesogen. Die Crowd steht nicht sehr dicht, aber die Arme gehen hoch bis in die letzte Reihe. Echt sehr coole Sache!
Schon als die gerade Gegründeten die EP „… As Nightmares Gorged The Earth“ mit vier Songs fertig hatten, lag man ihnen schon reichlich in den Ohren, bald mal live aufzutreten. Doch weil es noch nicht mehr Material gab, um einen kleinen Slot zu füllen, mussten sich eben alle noch gedulden. Heute ist es nun soweit, der erste Auftritt von Deadly Magic steht an, und der findet natürlich auf dem Dying Victims Attack statt. Der Sound wird nun HHklarer und progressiver, nachdem wir alle von der Band zuvor gut durchgedampfwalzt wurden. Aber man zockt keinesfalls langsam und weichgespült. Der Fünfer hats drauf, setzt sich schließlich aus Gitarrist Mike von Messerschmitt und Sänger Alexis von Hürlement zusammen, die sich noch Gitarrist Thorben, Basser Yannik und Drummer Daniel dazugeholt haben. Während vorne amtlich abgefeiert wird, dürfen wir feststellen, dass der Fünfer so sehr amerikanisch klingt, dass er auch gut auf das Keep-It-True Festival passen könnte. Vielleicht auch deswegen fällt der Jubel recht üppig aus. Die Band wird besonders von den ersten Reihen ausgiebig bejubelt, die diese Dreiviertelstunde wie die Großen gefeiert haben. Alle Daumen hoch!
„Die Freiheit stirbt auf dem Schafott!“ haben Sodom jüngst gesungen, in dem Song „Nicht Mehr Mein Land“ auf dem „Genesis XIX“ Album. Hat mit dem jetzt Stattfindendem nichts zu tun, fällt uns aber jetzt noch als erstes ein, ab gleich jedoch nicht mehr. Unter den Gästen war schon im Vorfeld großes Interesse an der nächsten Band auszumachen. Für einige werden sie sogar zu den Festivalhighlights zählen, um das schon mal vorwegzunehmen. Und das, obwohl ihr letztes Album „The Black Flame“ in Kürze zehn Jahre auf dem Buckel haben wird. Schafott aus Dresden bollern zu viert den raunzigen Kram, tightes Black Thrash Tiefengeschrote über einundvierzig Minuten. In Shirts von Coroner und Living Death können sie eh nichts verkehrt machen. Die drei Fronter haben freie Bahn, da die Growls hinten vom Drummer kommen. Und passiert auch so gut, dass wir von ihrem Basser kein wackelfreies Foto bekommen haben.
Die nächste Band benannte sich nach einem Song von Slayer und hat grad das zweite Album „Come Creeping Fiends“ raus. Außerdem erinnern wir uns noch an ihren Auftritt hier vor zwei Jahren, als ziemlich schnell ein Moshpit entstand. Aggressive Perfector macht positiv aggro richtig was los und wird auch ohne Backdrop erkannt. Zum Quartett aus Manchester wird es wieder ganz schön voll in der Bude und für viele Gäste zählen sie zu den wichtigsten Bands des Festivals. Ihr Basser steht mittig, während Gitarrist, General Holocausto, vom rechten Bühnenrad aus die Vocals schmettert. Songs wie „Cosmic Realms Of Insanity“ und „Onward To The Cemetery“ lassen die Menge für fast eine Stunde abfeiern und wir sind uns einig, wir gehen wieder hin, wenn die Briten das nächste Mal in der Gegend auftauchen.
Grad ist es halb elf durch und wir realisieren, der erste Festivaltag neigt sich dem Ende entgegen. Noch gut in Erinnerung haben wir den Auftritt von Century auf dem Der Detze Rockt Festival 2024, wo sie früh am ersten Festivaltag die Wiese vor der Bühne des Detzes füllten, ebenso ihre im vergangenen Jahr erschienene, zweite Scheibe „Sign Of The Storm“ wo das Coverartwork die beiden Typen auf der Treppe zeigt. Auch trotz des Trompeten- und Orchesterintros werden die Schweden hier heiß erwartet und bejubelt, und der Geburtstag von Drummer Leo gefeiert, auch wenn es zunächst noch nicht adäquat klingt. Nach drei Tracks wird plötzlich der Sound klarer, als hätte der Soundmann einen Schalter umgelegt. Die Songs ihrer beiden Alben können ordentlich mitreißen und wir sind froh, die Skandinavier mal wieder live gesehen zu haben. Wird Zeit, jetzt wirklich nochmal das beige Bandshirt von vor zwei Jahren aus dem Schrank zu suchen … und es stolz durch die Gegend zu tragen natürlich.
Und last but not least kommen wir kurz vor Mitternacht zur letzten Band dieses ersten Festivaltages. Das Zeug des finnischen Dreiers um Shouter und Gitarrist Ratt Pitt wird punkig gedroschen, doch das macht die Aufzählung der Stilistiken noch nicht komplett. Auf jeden Fall muss dazu noch Thrash, Black und Death mit aufgezählt werden, wenn man Scumripper einigermaßen treffend beschreiben will. Zwar ist die Hütte bloß noch zur Hälfe gefüllt, doch trotzdem entstehen Pits. Die bis zum Schluss verbliebenen Partytiere geben gut Gas und feiern Songs wie „Death Wish“ ab. Und wer dann noch immer kann, auf den wartet ab halb eins in der Nacht die anschließende Aftershowparty mit DJ Knüppelknecht.
Tag 2, Samstag, 11.04.2026: Morbyda, Demon Spell, Pandemic, Challenger, Lynx, Gallower, The Riven, Barbarian, Harrowed.
Mit zwei Minuten vor der Zeit legen Morbyda überpünktlich los, und es macht sofort Laune. Die Menge ist noch etwas verhalten nach der grandiosen Feier gestern, kommt aber bei „Mother Of Decay“ wenigstens mit Gewippe etwas in den Tritt. Ihre Facepaintings und das weiße Backdrop fallen sofort ins Auge. Letzteres allein schon, weil es mal nicht schwarz ist. Die Leipziger ziehen ihren Hochgeschwindigkeitsstiefel dunkel voran treibend und ohne viel Schnörkel durch, inklusive ein paar wenigen hellen Screens und Rudelbildung. Die Zuschauer füllen weiter die Location, dass man mal sagen kann, die Sachsen spielen die Halle voll. Eine absolut kurzweilige Angelegenheit, und wenn wir das geile Vinyl „Under The Spell“ noch nicht hätten, es ist eins der coolsten Dying Victims Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit, gehörte es genau jetzt und hier abgegriffen!
Das war ihre „Evil Nights“ EP vor zwei Jahren, weswegen die Echtmetaller aufhorchen mussten und sich den Namen Demon Spell merkten. Gerade jetzt in Kürze erscheint das Debütalbum „Blessed Be The Dark“, und wer schon ein Ohr riskieren durfte, findet die neue Platte der Sizilianer so gut, dass er sie jetzt live sehen will. Das hier gezockte Titelstück vom neuen Album beweist das. Na also, dann passt doch alles! Shouter Frederico mit seinem Tony Iommy-mäßigen Bart liefert zum Gesang helle Screams en masse und kommt in Situationen an King Diamonds Stimme. Kleine technische Probleme werden vom Publikum durch ‚Demon Spell‘ Rufe überbrückt. Und weil wir uns kurz vor Schluss oben im Cafe einen Sitzplatz sichern wollen, und nur noch der leere Merchtisch der Band zwei freie Plätze hat, nehmen wir die. Als plötzlich nach dem Gig eine Schar von Leuten vor uns steht, um CD’s und Shirts zu erwerben, und wir jetzt irgendwie aus der Nummer nicht mehr rauskommen, verkaufen wir es eben für die Band. So schnell kann man umständehalber zum Merchmann mutieren.
Von allen Bands auf diesem Planeten, welche den Namen Pandemic tragen, sind dies hier die polnischen Speedmetaller, die ihr aktuelles Zweitwerk „Phantoms“ unter diesem Dach brachten und sich live auch nicht langsam bewegen. Bei ihnen ist das Turock nicht mehr ganz so voll wie eben bei der Band zuvor, das können auch die schwer arbeitenden Nebelmaschinen nicht verbergen. Doch es steht niemand still vor der Stage, denn „The Last Road“ und auch das Titelstück ihres oben genannten Albums kommt ziemlich gut an. Richtig gut ins Ohr geht das schnelle Zeug ohne Doublebass, das könnten getrost mehr Bands auch anderer Stilistiken beim Songwriting beachten, da haben wir gar nichts gegen.
Auch bei der nächsten Band wird auf höhere Tempi geachtet, denn langsamer wird es jetzt ganz bestimmt nicht. Challenger aus Slowenien werden zwar lauter bejubelt, als die Meute abrockt, und ihr Auftritt streckt sich zum Ende hin etwas, jedoch als sie das Randy Cover „Beast In The Night“ auspacken, geht noch mal ein Ruck durch die Menge. Auch ihre Spielzeit reichte knapp über vierzig Minuten.
Im nächsten Auftritt bringen Lynx seichtere Klänge in das alte Kino. Im hessischen Gießen haben wir sie zuletzt live gesehen, und mussten uns erst noch optisch und akustisch an die Dinge gewöhnen, die bereits seit über zwei Jahren bei den Oldschool Hardrockern Anmach sind. Einerseits der Gesang von der damals eingestiegenen Frontfrau Amy, und andererseits tatsächlich auch das vor ihr bühnenmittig aufgebaute Keyboard. Letzteres ist allerdings schon etwas kleiner geworden, im Gegensatz zu den Malen zuvor, das müssen wir schon zugeben. Musikalisch wird schon korrektes Zeug gebracht, doch das muss dem Hörer mit den mehr gerufenen Refrains auch gefallen. Auf jeden Fall schenken wir ihrem aktuellen Album „Trinity Of Suns“ noch ein paar Durchläufe …
Viele Gäste warten darauf, dass es gleich wieder rappelt. Letztendlich sind Gallower bekannt dafür, ein Publikum von Black Thrashern aufmischen zu können. Die Menge im Turock hat sich vorsorglich warm angezogen, bildlich gesprochen natürlich nur. Draußen unternimmt der Frühling seine ersten Wärmeversuche und einige Besucher haben bereits deutlich sichtbar auf Winterkleidung verzichtet. Und so wie befürchtet kommt es auch. Knorrig holzt der Bass, Highspeed bestimmt die Szenerie und die Menge kommt in Fahrt zu Paniksoli und einigen sehr hellen Screams. An den Headbangern der beiden Alben „Behold The Realm Of Darkness“ und „Vengeance & Wrath“ ist einfach nicht zu rütteln, deswegen gehören die in jede Sammlung, wenn man als Oldschoolfan was auf sich hält.
Wer schon mal gerne Blues Pills gehört hat, mag wahrscheinlich auch The Riven, die ihrerseits sicher auch schon mal eingangs zitierte Band gehört haben. Die Dame mit der tiefen Soulstimme ist übrigens Charlotta Ekebergh, die der rockigen Einheit mit Hang zu schwererem Bluesrock ein markantes Gesicht gibt und nach dem Gig auch noch lange am Merch anzutreffen war. Unüberhörbar sind bei dem Quintett die Vibes der Siebziger und Achtziger mit eingeflossen, die sie allerdings schön mit Druck präsentieren. Auch mal ein leiser beginnendes Stück wie „Far Away From Home“ rockt, dass glückliche Gesichter nach dreiundfünfzig Minuten die logische Folge sind.
Wer die nächste Band bislang noch nicht auf dem Zettel hatte, dem möge der fette Edding gereicht werden. Die Italiener von Barbarian hämmern in knochiger Venom und Hellhammer Schule los, eben nur tighter. Und es bollert nie länger straight am Stück. Das ist genau das richtige Zeug, erst recht am letzten Festivaltag zu späterer Stunde. Da vergeht die Zeit wie im Fluge, denn auf einmal war der Auftritt nach einundvierzig Minuten schon durch und ihr Sänger betätigt sich als Stagediver. Nützt ja alles nix. Barbarian war ein oberwürdiger Co-Headliner und selbstredend wird am Merch das aktuelle Vinyl „Reek Of God“ abgegriffen. Darauf übrigens verspricht ein Sticker 98 Riffs in 35 Minuten. Was sonst? Absolut Pflicht also, weiß jeder, darum ist Nachzählen nicht erforderlich!
Wie sagt man doch so schön, das Beste kommt zum Schluss? Jetzt und hier auf jeden Fall, denn Harrowed haben seit Veröffentlichung ihres Granatenalbums „The Eternal Hunger“ unsere ganze Aufmerksamkeit. Einfach zu stark, was die beiden Members von Dead Lord damit abgeliefert haben, und so deftig, ernsthaft und mitreißend. Sehr viel derber, als man von ihnen erwarten durfte. Deswegen sind wir sehr gespannt, wie sie das Deathmaterial live umsetzen, auch weil stellenweise zwei Gitarren gleichzeitig zu hören sind. Auf der Bühne treten Harrowed zu viert an, am Bass kommen noch Dag von Toronto und an der Gitarre und Estefan von Morbid Breath unterstützend dazu. Es growlt Drummer Adam Lindmark, so können sich die drei Frontleute frei bewegen. Und es scheppert wie auf Platte, da bleibt niemand still stehen. Ganz klar der würdige Headliner; hoffentlich sehen wir die Schweden bald noch einmal, absolut großartig. Um den musikalischen Abschluss des vierten Dying Victim Attacks kümmert sich spät in der Nacht DJ Hans Ruhldriguez. Auf das fünfte DVA nächstes Jahr, ohne das im November in diesen Hallen stattfindende Metal And Hell zu vergessen…!
Autor & Pics: Joxe Schaefer

