GRUESOME, DISMINDED, DROPBEAR

Oberhausen, Helvete, 11.08.2018


Der Eröffner dieses Dreierpacks heute Abend kommt aus Oberhausen und nennt sich Dropbear. Erstmal gibt Shouter und Gitarrist Marius eine anständige weil seriöse Ansage ab, dann brät uns der Vierer mal eckig mal groovig dynamische Melancholien in bevorzugt langsameren Tempi auf die Omme. Mit seiner Stimme geht Marius variabel um, von roughem Geshoute bis zu raueren Gesängen reicht die Skala, ohne wirklich clean zu werden. Ein gewisser Coreverdacht wird stellenweise bestätigt, deckt aber keine Flächen ab. Weil das Laune macht und damit sehr kurzweilig scheint, finden wir uns schnell beim Auftrittsende wieder, wie die Lokalpatrioten ihren letzten Song „Wasted Time“ schlussendlich in Slayers „Reign In Blood“ übergehen lassen, nach dem markanten Beginn aber abbrechen, zumal fünfundvierzig Minuten Spielzeit schon gefüllt sind. Neben ein paar mit der Band befreundeten Gästen vor der Bühne applaudierte der hintere Bereich auch nicht schlecht, also kam das Dargebrachte insgesamt wohl gut an. Es wird nicht unklug sein, diese Band mal im Auge zu behalten.


Mit Disminded aus Wesel sind wir schon häufiger zuvor in Kontakt gekommen, was allerdings schon ein paar Monde her ist. Schnell wird nach einigen Minuten klar, dass sich bei den lockeren Chaoten vom Niederrhein offensichtlich nicht viel verändert hat. Zwar tritt Shouter und Oberwirbelwind Kevin nun ohne Knüppel auf, agiert aber wie gewohnt obersportlich und dürfte dabei so einiges an Kalorien verbrennen. Musikalisch fallen sie mit Anleihen aus Bereichen des Core und Nu natürlich auch in diesem Billing aus dem Rahmen, können aber auch mit fluffigen Oberhemd- und grünen Bermudashortmotiven keine Freunde härterer Klänge vergraulen. Das karierte Hemd fliegt früh weg und schnell wird dem Kevin die Bühne zu klein. Er sorgt unbeirrt tiefe Growls und grelle Squeals bringend für den Arschtritt und für mächtig Bewegung; so bildet sich ein Pit vor der Bühne in dem er selbst öfters mitmischt. Exzellente Gitarrenarbeiten von Auer, dem Mann im Painkiller-Shirt, tragen zur Zerlegung des Kellers bei, der sich immer weiter aufheizt. Abgesehen von ihrer urlaubsmäßigen Bekleidung sorgen umherfliegende bunte Wasserbälle tatsächlich für etwas Strandfeeling.


Leider haben wir die Reindeather Gruesome aus den Vereinigten Staaten noch nie live gesehen. Sie kommen grad vom parallel stattfindenden Party.San Festival, hier in Oberhausen nochmal vom Leder zu ziehen. Gute Idee, wie sich herausstellt, denn das Quartett knallt live noch besser als auf Platte. Gitarrist und Vocalist ist der Matt, der noch bei Exhumed, Dekapitator und jenen reinmetallischen Pounder aktiv ist, die uns jüngst mit der fabulösen Seven-Inch “Faster Than Fire” (unbedingt antesten!) in Verzückung setzten. Das solide und leicht technische Oldschoolgeholze von Gruesome findet schnell Freunde, dass schon früh Leads mitgesungen werden. Der Vierer um Bassfrau Robin überzeugt mit doppelter Flying-V Attacke wie exakten und durchdringenden Doublebassphasen, dass die um die Ohren gehauenen “Forces Of Death”, der Banger “Lethal Legacy“ und das Titelstück ihres ersten Albums “Savage Land” irgendwie Vertrautheit aufkommen lassen. Da wundert es dann auch nicht weiter, dass die vorhandene Death Schlagseite durch Matts Ansage bestätigt wird, man wäre hier, um dem verstorbenen Death-Fronter zu huldigen. Beifallsbekundungen und spätere Chuck Schuldiner-Rufe lassen darauf schließen, dass die Anwesenden damit voll einverstanden sind. Ohne die Bühne zu verlassen beenden sie mit ihrem Anthem den regulären Set und fordern mit “Do you want to hear more Shit or what?” Zugaberufe, die, als hätte man er geahnt, mit einem Block Death-Klassiker befüllt werden. Sicher ist unter den Dreien „Pull The Plug“ dabei und auf einmal wird es wieder frisch im stickigen Keller, weil um uns herum zig Matten kreisen.

Autor & Pics: Joxe Schaefer