RATS OF GOMORRAH, EXTINCT, SETH 13

Lüdenscheid, Underground Musik e.V., 21.03.2026


Lüdenscheid macht jetzt mal richtig Metal. Schön Oldschool, und sogar runter bis zum Death. Wenn das mal kein Grund ist, die neue A45 Brücke dorthin anzutesten. Die erste Band des Billings kommt aus der Gegend und darf sich heute trotz ihres kernigen Metals als die softeste bezeichnen lassen. Shouter Frank und seinen drei Mitstreitern ist das allerdings völlig egal, wie sie nach dem erst noch eingespielten Synthie-Intro losrocken. Natürlich erst nach der hier im Underground Musik e.V. obligatorischen Handsirene zum Start. Die Hey-Rufe der Audienz funktionieren schon im ersten Stück, und der Bandhit „Rescue Me“ wird gleich als zweites nachgeschossen. Die entstandene Lücke, der wegen Krankheit leider nicht angetretenen Band Chaos Breed, scheint grad nicht sehr groß zu sein. Kleinere  Gitarrenprobleme scheinen auch grad niemandem zu stören. Bei einer sehr breitbeinigen Performance fällt der kleine Leichtbass optisch auch kaum auf, wohl aber Songs wie „Come On“, „Battlefield“ und „Destroyer“. Auch wegen der sehr guten Publikumsreaktionen kommen die Lüdenscheider auf über fünfzig Minuten Spielzeit. Eine kurzweilige Angelegenheit.


Es ist immer sehr schön bei Konzertbesuchen, wenn eine Band im Billing auftaucht, die man im Gegensatz zu sehr vielen Lokalpatrioten, die im Nahbereich ihres Wohnzimmers schon an jeder Steckdose gespielt haben, bislang noch nicht live gesehen hat. Freuen wir uns nun auf Extinct aus Rendsburg, die nach ihrem Intro von vorne weg sehr tight aufspielen. Ihr oldschool Thrash Metal wirft geschmeidige Tempowechsel in den Raum; durch roughe Shouts von Basser Helge und tighte Riffs und Zusatzshouts von Flying-V Gitarristin Leda Noctis eine ernstzunehmende Sache. Songs wie „God Savior“ von ihrer EP und dem Titelstück vom neuen Album „Incitement Of Violence“ können nicht nur überzeugen, sondern auch die Gliedmaßen zappeln lassen. Über die Ansage, das zügige „Spongo“ sei so etwas wie eine Ballade für sie, kann man trotz langsamerem Start schon schmunzeln. Sonst bringt der Vierer vom Nord-Ostseekanal schön den Holzhammer, auch in den letzten  Stücken „Extinct Squad“ und „Falsch Gesät“. Absolut großartiger Auftritt, klarer Fall von ‚hoffentlich bald wieder‘. Und als nach sechsundvierzig Minuten die Johnny Cash-Version von „Hurt“ im Nachspann läuft, muss das Vinyl am Merchandisetisch eingesackt werden.


Inzwischen ist die Uhrzeit flugs vorangeschritten und um zwei Minuten vor elf erklingt wieder ein synthetisches Intro, diesmal das von Rats Of Gomorrah. Endlich Death Metal, für den sich die Anreise gelohnt haben wird. Die beiden Norddeutschen haben wir zuletzt vor zwei Monaten in Essen live gesehen, als sie auf dem Testimony Records Metal Festival als erstes aufspielten. Um uns herum konnten sie sich einige Freunde erspielen, besonders vorn rechts. Irgendwo muss Gitarrist und Shouter Daniel auch stehen, so wählte er in Lüdenscheid, wo sie nun zum ersten Mal auftreten, wieder die rechte Seite. Die Kieler machen zu zweit gut was los, beide Growlen und beide kümmern sich um Ansagen. Hier beobachten wir am meisten Action heute Abend, schließlich hat Gitarrist Daniel als alleiniger Frontmann auch am meisten Platz auf der Bühne. Hohe Geschwindigkeiten sind häufig und fallen sehr tight aus, wie in „Vat Of Acid“ und den sehr schnellen Vocals von „Face No Consequence“. Ihr Sound groovt auch in langsameren Tempi, und natürlich besonders beim Asphyx-Cover „Deathhammer“, das wie in Essen von Drummer Moritz geshoutet wird. Sie sehen sich übrigens als politische Band, wie sie in der Ansage zu „Death Metal Punks“ erklären. Noch ein Grund mehr, am Merch ihr Album „Infectious Vermin“ im Tapeformat abzugreifen. Doch nachdem sie zum Schluss ihr Anthem, als Zugabe das neue Stück „Not Yours“ gezockt und nach einer Dreiviertelstunde die Bühne verlassen haben, war die letzte Kassette bereits verkauft. Zu langsam gewesen, Schade. Dabei haben wir doch gerade etwas über Schnelligkeit gelernt …

Autor & Pics: Joxe Schaefer