HEXX

Frust und Wut für den Sensenmann


Wer hätte gedacht, dass wir nach den beiden Klassikern “No Escape” (1984) und “Under The Spell” (1985), der anschließenden Death/Thrash Metalphase der Band während der späten 80er und frühen 90er Jahre, und vor allem nach der Auflösung der Band 1995, je wieder etwas Vernünftiges von Hexx zu Ohren zu bekommen würden? Nach einem soliden Auftritt auf dem Keep-It-True 2014 und einem ziemlich misslungenen Auftritt auf dem Headbangers Open Air ein Jahr darauf, hätte man nicht mit einer derartigen Hammerscheibe wie sie “Wrath Of The Reaper” darstellt, rechnen dürfen. Das neue Album schafft es tatsächlich die traditionelle Metalschiene der beiden ersten Scheiben aufzugreifen und weiterzuführen. Der neue Sänger Eddy Vega trägt dabei vieles zum Gelingen dieser Scheibe bei. Aber lest selber, was Dan Watson, Gitarrist und Mastermind von Hexx, zu berichten weiß:


Steph: Dan, “Wrath Of The Reaper“ ist der erste Longplayer von Hexx seit 26 Jahren! Was war der Grund für die lange Pause? Warum hatte sich die Band 1995 aufgelöst?

Dan: Steph, da gab es mehrere Faktoren, die zur Auflösung anno 1995 geführt haben. Der Frust über den ausbleibenden Erfolg nach der jahrelangen harten Arbeit war sicherlich einer der Hauptgründe. Wir waren ausgebrannt, und uns fehlte das Herz weiterzumachen. Mitte der 90er war die Grundlage für unsere Art von Musik einfach verloren gegangen. Der Grunge Rock aus Seattle hatte die Vorherrschaft übernommen, und Century Media (das damalige Label, Anm. des Verfassers) hatte die Option für ein weiteres Album nicht gezogen. Wir hatten uns über zehn Jahre lang den Hintern aufgerissen, ohne einen zählbaren Erfolg einzufahren. Da sahen wir einfach keine Zukunft mehr für die Band. Die Auflösung hat fast 20 Jahre angedauert und ich hätte nie gedacht, dass Hexx in irgendeiner Form je zurückkehren würden. Es ist Laurent Ramadier (Snake Pit Magazine) und Oliver Weinsheimer (Promoter Keep-It-True Festival) zu verdanken, dass es eine Reinkarnation von Hexx gibt. Sie überzeugten mich am Keep-It-True Festival 2014 mit Hexx aufzutreten. Ohne die zwei Herren hättet ihr alle nie mehr irgendetwas von Hexx gehört!

Steph: Hexx kehren mit einem ausgezeichneten Album zurück, das die typischen Soundelemente der 80er Jahre beinhaltet. War es ein geplantes Vorgehen, die traditionelle Heavy Metal Phase der Band aufzugreifen, oder eine natürliche Entwicklung?

Dan: Ja, das war absolut so geplant. Wir wollten die Vibes und den Stil der ersten beiden Scheiben wieder aufleben lassen. Als ich kontaktiert wurde, um auf dem Keep-It-True Festival zu spielen, waren die Organisatoren nur an der ursprünglichen Version von Hexx interessiert. Wir haben den Wink verstanden, dass sowohl die Promoter als auch die Fans die ursprüngliche Version von Hexx wollten und nicht die härtere Version der späteren Jahre. Zudem sind wir auch nicht mehr die Jüngsten. Der Speed/Thrash Metal ist live viel komplizierter zu spielen, und der Sound kann manchmal echt lärmig wirken, wenn er nicht sauber abgemischt wird.

Steph: Hexx haben in der Vergangenheit den umgekehrten Weg zu vielen anderen Bands eingeschlagen, ihr wurdet härter, währenddem viele andere softer wurden. Was war der Grund dafür?

Dan: Es gab zwei Hauptgründe: Wir hatten wirklich gedacht, dass wir mit “Under The Spell” den Sprung nach vorne Richtung Erfolg machen würden. Als dieser dann ausblieb, und wir regelrecht von der Metalszene ignoriert wurden, setzten Frust und Wut ein. Nicht einmal eine Supporttour sprang für uns raus, lediglich ein paar lokale Gigs. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Bay Area Fans mehr auf die thrashigen Bands standen. Niemand wollte unseren altbackenen traditionellen Metal hören. Als dann Dan Bryant (Gesang) ausstieg, und Drummer Dave Schmidt ihm bald darauf folgte, mussten die verbleibenden Mitglieder die Band neu ausrichten, oder das Handtuch werfen. Wir entschieden uns für ersteres, Clint Bower übernahm den Gesang und Dave’s Drumroadie John Shafer, der nun auch zum aktuellen Line-up, gehört, kompletierten die Band. Wir haben dann ein Demo mit fünf Songs eingespielt und dadurch einen Deal mit Music For Nations/Under One Flag bekommen. Aus dem Demo wurde dann die EP “Quest For Sanity”. Diese Umstellungen zahlten sich aus und wir bekamen endlich Supportangebote für größere Bands wie Destruction, Death Angel, Coroner oder Dark Angel. Wir waren wieder da! Wenn wir unseren Stil nicht geändert hätten, wären wir im Untergrund verschwunden. Die Veränderung war für uns damals überlebensnotwendig.

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Steph: Auf dem Demo “Up From The Grave” (2013) wie auch beim Auftritt auf dem Keep-It-True Festival 2014 stand euer Originalsänger Dennis Manzo hinter dem Mikro, danach für kurze Zeit Dan Bryant (Sänger auf “Under The Spell”). Warum ist weder der eine noch der andere heute noch Teil von Hexx?

Dan: Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt. Die Situation ist ziemlich kompliziert, aber ich versuche es, hier so gut wie möglich zu erklären. Als die Anfrage für den Keep-It-True Auftritt kam, spielten wir mit dem Gedanken, die ersten beiden Alben mit beiden Sängern komplett zu spielen. Dennis Manzo hätte die Songs von “No Escape” gesungen, Dan Bryant jene von “Under The Spell”. Als ich Dan Bryant endlich ausfindig machen konnte, stimmte er der Idee zu. Als ich dann Dennis überzeugt hatte, wollte Dan wohl doch nicht mehr mitmachen. Jedenfalls reagierte er nicht auf meine Anrufe. Somit entschieden Dennis und ich, dass wir nur die besten Songs der beiden Alben auf dem Keep-It-True zum Besten geben würden. Als wir vom KIT zurück kamen, konnte ich endlich Dan wieder erreichen und er willigte ein, den ursprünglichen Plan mit beiden Sängern bei Konzerten umzusetzen. Als ich Dennis davon erzählte, wollte dieser jedoch nicht die Bühne mit Dan als Sänger teilen und hat daraufhin die Band verlassen. Somit wurde Dan Bryant unser Sänger mit dem wir dann auch das Headbangers Open Air gespielt haben. Es ist wirklich eine Schande, dass es so gekommen ist, denn Manzo hatte Mühe, die Songs von “Under The Spell” zu singen und Bryant ungekehrt hatte seine Probleme mit den Songs von “No Escape”. Es sollte wohl einfach nicht sein. Wir haben dann ein ganzes Jahr für das HOA geprobt, das heißt ich musste Dan jeden Sonntag anrufen, versuchen, ihn wach zu bekommen, damit er mit uns proben konnte. Als der Auftritt beim HOA dann näher rückte, konnte er allerdings die Texte immer noch nicht auswendig. Er musste sie immer noch von einem Blatt ablesen. Er hatte ein Notizbuch, von dem er die Texte ablesen konnte. Als wir dann in Deutschland ankamen, mussten wir mit Schrecken feststellen, dass die Airline meine Gitarre und Mikes Bass verloren hatte. Zu allem Übel war Dan Bryant’s Notizbuch in Mike’s Basskoffer. Wir hofften darauf, dass die Airline unsere Instrumente vor unserem Auftritt finden würden, aber das geschah leider nicht. Wir kamen eine Stunde vor dem Auftritt auf dem Festivalgelände an, und Mike und ich versuchten verzweifelt jemanden zu finden, der uns eine Gitarre und einen Bass leihen würden. Dan folgte mir die ganze Zeit, ständig nach den Texten der Songs fragend, um diese auf jeden Schnipsel Papier zu schreiben, den er finden konnte. Welch ein Stress! Die Jungs von Aftermath waren so nett, uns eine Klampfe und einen Bass zu leihen. Der Bass war okay, aber die Gitarre, mit der ich spielen sollte war brandneu, d.h. sie blieb nicht einmal für einen Song richtig gestimmt. Aus irgendeinem Grund wollte auch mein Stimmgerät nicht funktionieren, d.h. ich musste nach jedem Song nach Gehör stimmen. Zusätzlich hat es geregnet und stark gewindet. Wir haben uns so gut wie möglich durch unseren Set gekämpft, wobei Dan versucht hat, die Texte von seinen Papierschnippseln abzulesen, die aufgrund des Windes über die ganze Bühne geweht wurden. Es war ein Alptraum! Sicherlich nicht unser bester Auftritt. Als wir zurück nach San Francisco kamen, entschied ich, dass wir nicht mit Dan weiter machen konnten, und wir begannen umgehend damit, nach einem neuen Sänger zu suchen. Wir fanden Eddy Vega und er rettete die Band. Denn Eddy kann die Songs beider Alben singen und es klingt einfach fantastisch!

Steph: Wie habt ihr Eddy gefunden? Ich konnte keine andere Bandzugehörigkeit von Eddy finden.

Dan: Ja, Eddy war eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Bay Area. Unser Bassist Mike Horn fand Eddy und hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Nach einem Telefongespräch luden wir ihn zum Vorsingen ein. Er kannte fast alle Songs unseres Livesets und hat uns sprichwörtlich umgehauen. Er hat in mehreren Bands in der Vergangenheit gespielt und auch mit diesen Bands Demos aufgenommen. Keine dieser Bands hat jedoch nationale oder gar internationale Aufmerksamkeit erlangt. Deshalb findet man quasi nichts über ihn. Wir hatten echt Glück, denn Eddy war der erste Sänger, den wir nach Dan ausprobiert hatten. Es muss wohl Schicksal gewesen sein.

Steph: Obwohl ich gerne entweder Dennis oder Dan auf dem Album hätte singen hören, muss ich eingestehen, dass Eddy’s Stimme sehr gut zu den Songs passt. Hast Du die Songs speziell für seine Stimme geschrieben, oder war das ein natürlicher Prozess?

Dan: Das ergab sich ganz natürlich. Eddy weiß einfach wie man diese Art von Musik zu singen hat. Eddy passt perfekt zu Hexx, und wir sind sehr glücklich, ihn in der Band zu haben.

Steph: Das neue Album wird von High Roller Records veröffentlich. Wie kam es zum Kontakt und wie zufrieden bist Du mit der Arbeit des Labels?

Dan: Unser Manager (Bart Gabriel) hat uns den Vertrag mit High Roller beschafft. Sie machen einen sehr guten Job für die Band. Sie haben einen sehr guten Ruf, und sie haben eine tolle Crew, die genau weiß was sie zu tun hat. Ein sehr professionell geführtes Label! Wir sind sowohl mit der Arbeit des Labels als auch mit derjenigen unseres Managements sehr zufrieden.

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Steph: Wird es eine Veröffentlichung auf Vinyl von “Wrath Of The Reaper” geben?

Dan: Ja, es wird wohl mehrere Farben auf Vinyl geben!

Steph: Nach mehreren ziemlich lahmen Comebacks von einigen der Helden der Vergangenheit, ist das starke Album von Hexx für mich eine echte Überraschung! Was sind die Pläne der näheren Zukunft? Wird es eine Tour oder zumindest Festivalauftritte geben? Wird es für die europäischen Fans eine Chance geben euch live zu sehen?

Dan: Danke, das ist sehr nett von Dir! Aktuell gibt es keine Tourpläne. Wir warten vorerst ab wie das Album aufgenommen wird. Wenn es gut ankommen wird, dann hoffen wir eingeladen zu werden, um das Album auch live präsentieren zu dürfen. In der Zwischenzeit werden wir einige Shows in den USA spielen, vor allem natürlich in unserem heimischen Bundesstaat Kalifornien.

Steph: Wie ist die Auftrittssituation in der Bay Area? Viele der legendären Clubs sind verschwunden. Habt ihr die Gelegenheit mit anderen lokalen Bands zu spielen?

Dan: Ja, leider ist die Metalszene in der San Francisco Bay Area nicht mehr das was sie einmal war. Sie ist super, wenn die Metallica oder Testament heißt. Aber für kleinere Bands wie Hexx gibt es nur ein paar wenige Lokalitäten in denen man spielen kann. Kleine Clubs vor mehrheitlich einer Handvoll Fans, gegen sehr wenig bis gar kein Geld.

Steph: Ich hoffe wir müssen nicht wieder 26 Jahre auf ein neues Album warten. Gibt es bereits Pläne für einen Nachfolger?

Dan: Ja, wir haben einen Vertrag über zwei Alben unterschrieben. Mit größter Wahrscheinlichkeit werden wir die Arbeiten zu einem Nachfolger gegen Ende 2018 in Angriff nehmen.

Steph: Ein paar letzte Worte für die deutschen Fans?

Dan: Auf jeden Fall! Ich möchte den deutschen Metal Fans danken, denn ohne ihr Interesse und ohne ihre Unterstützung würde diese Art von Musik verschwinden. Vielen Dank für die Unterstützung, dass ihr unsere Alben kauft und zu den Konzerten kommt. Danke auch dafür, dass ihr dies hier lest und danke für euer Interesse an Hexx!

Steph: Vielen Dank, Dan, für Deine Zeit und die teils sehr detaillierten Einblicke!

Dan: Danke Dir Steph für das Interview und die gut durchdachten Fragen!


Autor: Steph Bachmann