WUCAN, SEEDY JEEZUS, STARGO, KARDEATHIAN

Lünen, Lükaz, 13.06.2026


Es gibt konzerttechnisch heute gar nicht so viele Alternativen, zumal das Zappenduster Festival in Münster schon ausverkauft ist. Unsere gestonerten Helden von Kardeathian beginnen pünktlich. Zuletzt live gesehen haben wir sie in Recklinghausen vor ein paar Wochen, und wir geben zu, die Spannung auf das angekündigte Debütalbum steigt. Auf der Bühne passiert richtig was. Der Groove und die fetten, breitbeinigen Riffs treffen mitten in die Magengrube, während Drummer Moh nicht nur die Ansagen tätigt, sondern auch mit den Sticks eine Bierflasche geöffnet bekommt. Die Basslast des Trios kommt hier im Lükaz fett rüber und die Menge vor der Bühne kommt in Bewegung. Es gibt keine Kleiderordnung im Doom, ein paar Kutten sind aber doch da und nicht wenige tragen Shirts von Kardeathian. Die Zahl der Wucan-Shirt Träger scheint sich ebenfalls zu erhöhen. Das Trio darf sich auf Fans berufen, die man auf allen Konzerten der Band trifft, das spricht sehr für die Band. Die Anwesenden applaudieren deftig und zeigen ein paar Horns. Zum Schluss hören wir jubelnde Schreie und Rufe nach Zugabe. Super Auftritt.


Mit Stargo haben Kardeathian schon einmal mit gespielt. Sie rippen los, riffen und grooven mit einem Sechssaiter-Bass und ebenfalls auch ohne Vocals wie die Hölle. Erzählender Gesang kommt später noch dazu, das erzeugt auch mehr Bewegung im Saal. Das Trio aus Dortmund ist mit mehr Tempo, und im weiteren Verlauf auch mit mehr Melodien unterwegs. Hier wird Alternative mit Stonergrooves angereichert, außerdem zeigt man sich reich an Atmosphären. Für das neue Album „Violet Skies“ kann man sogar noch mehr klassischen Metal begründen. Sie können sich in einem Eskalationsgroover allmählich zu noch intensiveren Klängen streigern, und das macht Laune. Bein diesem Dreier wird es übrigens heute am Vollsten gewesen sein wird, um das schon mal vorweg zu nehmen. Offensichtlich stehen die meisten der Anwesenden auf dieses Trio, alle Daumen hoch!


Die Herren von Seedy Jeezus grooven sich erstmal zehn Minuten lang ein, könnte man meinen, wenn man nicht weiß, dass das schon der erste Song ist. Der Bass dröhnt weiter in den Übergängen, was von der Audienz gut beklatscht wird. Das Freak Valley Festival und auch der WDR Rockpalast haben bereits Gefallen an dem Fuzzrifftrio gefunden, welches mit seinem Drittwerk „Damned To The Depths“ angereist ist. Die Psychedelic Melbourner bringen mehr eine Komponente der Siebziger mit ein, sowie Kyuss Wüstenfeeling. Es kommen vom Gitarristen Lex zartere Gesänge mit seiner tiefen Stimme, während Basser Paul die ganze Zeit seitlich zum Publikum steht und seinen Bandmates so gut auf die Finger sehen kann, damit man für spontane Improvisationen jederzeit offen sein kann. Der Dreier zockt sein sehr spaciges Wechseldpiel aus laut und leise weitestgehend am Stück und kommt ohne viele Ansagen aus, aber mit Vorstellung der Band am Schluss. Nebenbei bemerkt wurde noch „Mistreated“ angespielt. Ob sie große Blackmore Fans sind, können wir gar nicht genau abschätzen, aber auf jeden Fall große Freunde der Siebziger Jahre. Ihre Vorstellung geht etwas sperriger und nicht so leicht verdaulich rein, daher ziehen sich die fast achtzig Spielminuten etwas. Ihre Fans vor der Bühne feiern aber jeden Ton ihrer Helden ab.


Seit fünfzehn Jahren und vier regulären Studioalben huldigen sie den psychedelischen Seventies. Auf jeden Fall können wir seit dem schon sagen, dass wir Wucan aus Dresden hier in unseren Gegenden schon öfter live sehen konnten, wie zuletzt auf dem Rock Hard Festival. In der Tat ist der Vierer aus Sachsen nicht ganz unbeliebt, gemessen daran, wie voll es nun im Lükaz geworden ist. Frontfrau Francis, ein leichtbekleidetes Energiebündel mit viel Zappelpower, tobt sich noch Flöte, Gitarre und Theremin aus und hibbelt viel an ihrer Stelle, vorn und mittig der Bühne. Zusätzliche Synthies werden von Gitarrist Tim bedient. Ein paar Monitorprobleme werden beklagt und das Drumsolo fällt nicht zu knapp aus. Außerdem bekommen wir noch Flötenimprovisationen, bis die Gitarrenprobleme behoben sind. Muss man als Oldschool Metaller jetzt nicht so dringend haben, doch das zeigt aber auch, wie eingespielt sie sind, wie sie spontan auf solch plötzlich auftretende Geschehnisse reagieren können. Ihr längstes Stück „Physical Boundaries“ nutzen sie auch heute wieder, um nacheinander die Bühne zu verlassen. Und zwar nicht, weil sie noch den letzten Zug bekommen müssen, sondern als klassisches Showelement. Dann verdunkelt der Lichtmann und zack, waren neunzig Minuten um. Ein kurzweiliger Konzertabend mir vier super Bands geht kurz vor Mitternacht zu Ende und wir dürfen unterm Strich noch erwähnen, beste Band waren für uns heute Kardeathian!

Autor & Pics: Joxe Schaefer